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Glücksbringer auf der Fensterbank

Winterblume Glücksbringer auf der Fensterbank

In China gelten blühende Weihnachtsnarzissen als Glückssymbol fürs neue Jahr. Bei uns werden die reinweißen Blüten im Dezember gerne als Schmuck fürs Fensterbrett herangezogen.

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Quelle: iStock

Es könnte wie ein kleines Wunder wirken, wenn in der Weihnachtszeit auf der Fensterbank Narzissen blühen. Denn eigentlich sind die Blumen auch als Osterglocken bekannt – weil sie für gewöhnlich in dieser Zeit ihre Blüten zeigen. Doch bei den Weihnachtsnarzissen handelt es sich um eine andere Art – die Narcissus papyraceus, auch als Tazette bekannt. Diese Art ist im Mittelmeerraum von Spanien bis Griechenland und Nordafrika heimisch und erblüht früher als die typischen Osterglocken. In Deutschland findet sich häufig die Sorte Ziva im Handel, ein anderer Name von ihr lautet Paperwhite.

Floraler Neujahrsgruß

Bereits im alten China waren die Pflanzen ein beliebtes Neujahrsorakel, erklärt Dieter Gaissmayer, Vorstand der Stiftung Gartenkultur aus Illertissen (Bayern). Das Ziel war, dass die in China als „einhundertköpfige Wasserfee“ bekannte Narzisse zum Neujahrstag erblüht. Auch heute wird der Brauch noch gelebt. Narzissenblüten gelten als Vorboten von Glück, Gesundheit und Wohlstand für das neue Jahr.

Foto: Inmitten der weißen Krone zeigen sich orange-rote Staubgefäße.

Inmitten der weißen Krone zeigen sich orange-rote Staubgefäße.

Quelle: dpa

Reinweiße Blütenpracht

Diese Narzissen haben kräftige Stiele, an denen sich reinweiße Blütensternchen mit einer verhältnismäßig kleinen Krone und orangefarbenen Staubgefäßen öffnen. Bis zu elf Blüten werden pro Blütenstand ausgebildet. „Der Duft ist kräftig, und nicht jeder erträgt das gut“, sagt Gaissmayer. Auch der Diplom-Biologe Armin Jagel, Vorstandsmitglied des Botanischen Vereins Bochum, ist kein Fan: „Der Geruch ist äußerst speziell, und ich habe ihn wenig betörend empfunden.“ Daher sollte man die Pflanzen vielleicht nicht in Schlaf- und Wohnräumen ans Fenster stellen.

Kälteempfindliche Schönheit

Die Weihnachtsnarzisse ist in Deutschland nicht winterhart, erklärt Diplom-Biologe Jagel: „Wenn man sie in den Garten pflanzt, dann erfrieren oder verfaulen sie sehr schnell.“ Er hat es sogar an einer geschützten Stelle mit durchlässigem Boden versucht. „Es gab keine Fröste an der Stelle, die Zwiebeln sind auch ausgetrieben – sie haben aber nicht geblüht.“

Heller, kühler Standort

Im Haus lassen sich die Pflanzen jedoch recht flott antreiben, sagt Gaissmayer: „Theoretisch kann man die Zwiebeln in 20 Tagen zum Blühen bringen.“ Er empfiehlt, sich aber Zeit zu nehmen. Entwickeln sich die Stiele zu schnell, bleiben sie weich. Die Zwiebeln stehen am besten in einem hellen, aber kühlen Raum. „So halten die Blüten länger und man hat viel mehr von den Pflanzen.“ Am besten kauft man präparierte Zwiebeln, die zuvor Kälte ausgesetzt wurden. Trotzdem werde oft angegeben, dass man die Zwiebeln vor dem Antreiben noch vier Wochen kühl bei nur fünf bis zehn Grad lagern soll, sagt Jagel. Er geht aber davon aus, dass auch diese Zwiebeln vor dem Kauf schon stratifiziert wurden. Damit meinen Gartenexperten eine Kältebehandlung.

Topf oder Vase?

Die Zwiebeln kommen klassisch in die Erde, oder man nutzt ein Glasgefäß mit Wasser, wie man das auch für Hyazinthen kennt. Wer die Erde wählt, sollte einen Topf zu zwei Dritteln mit einer normalen Blumenerde füllen und die Zwiebeln einfach mit der flachen Seite daraufstellen. Dann werden die Zwischenräume mit etwas Substrat aufgefüllt. Gaissmayer empfiehlt, Moos zwischen die Zwiebeln zu legen. Es sieht gut aus, aber vor allem hält es Feuchtigkeit gut.

„Am besten steckt man am Gefäßrand Weidenruten in die Erde“, rät Gaissmayer. Diese stützen die austreibenden Stiele ab. Das ist umso wichtiger, je wärmer es während der Treiberei ist. Denn bei einer schnellen Entwicklung bleibt der Stängel meist weich und hat nicht die Stabilität, das Gewicht der Blüten zu halten.

Foto: Die Blumenzwiebeln sollten kühl gelagert werden.

Die Blumenzwiebeln sollten kühl gelagert werden.

Quelle: iStock

Wachsende Wurzeln

Für das Austreiben im Glas bietet sich daher auch ein Gefäß mit einem sehr hohen Rand an. Dieser stützt dann die Stängel, wenn sie zur Seite kippen sollten. „Beim Glasgefäß macht es bereits Spaß zuzuschauen, wie die Wurzeln wachsen“, sagt Gaissmayer. Er rät, zunächst den Glasboden mit größeren Kieseln zu füllen. Denn es ist wichtig, dass die Wurzeln unterhalb der Zwiebeln Platz haben, sich zu entfalten. „Außerdem muss unter dem Zwiebelboden mindestens ein Zentimeter Abstand bis zur Wasseroberfläche sein.“ Sonst faulen die Zwiebeln. Und auch im Glasgefäß steckt man am besten etwas Moos zwischen die Pflanzen.

Nach der Blüte gehen die Weihnachtsnarzissen leider ein: „Die Kraft der Zwiebeln hat sich dann erschöpft, und man kann sie nicht in den Garten pflanzen“, sagt Gaissmayer. Schließlich überstehen sie bei uns die Winter nicht – und die Zeit, bis das Laub sich von selbst einzieht, reicht nicht für eine vollständige Regeneration der Pflanze. Die aber wäre nötig für eine weitere Saison.

Von Dorothée Waechter

Liebesgruß zur Weihnachtszeit

Bereits im 19. Jahrhundert wurde ein anderer Frühblüher in der Winterzeit gern in der Wohnung gezogen: Die Hyazinthe galt damals unter anderem als ein Symbol für die Liebe. Um sie heranwachsen zu lassen, gibt es spezielle Hyazinthengläser. Zudem stülpt man ein spitzes Hütchen auf die Zwiebel, um den Austrieb von Stängel, Blatt und Blüte zu verzögern, bis die Wurzeln genügend gewachsen sind.

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