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Papenburg Wo Riesen schwimmen lernen

Die weltweit bekannte Meyer Werft in Papenburg und das Besucherzentrum des Schiffsbauers sind ein Touristenmagnet.

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Idyll am Kanal

Das Besucherzentrum der Meyer Werft lässt Teilnehmer von Besichtigungen in die faszinierende Welt des Schiffbaus eintauchen.

Quelle: Jutta Lemcke

Papenburg. "Ich bin nicht nervös, nur etwas angespannt“ , sagt Wolfgang Thos. Dieser Mann hat eiserne Nerven. Denn Wolfgang Thos ist der verantwortliche Kapitän, der alle Ozeanriesen, die von der Meyer Werft gebaut werden, durch die Ems in die Nordsee leitet. Jedes Mal ein Meisterstück, denn der Fluss lässt den Giganten der Meere rechts und links nur wenige Meter Platz. Kein Wunder also, dass eine solche Emsüberführung jedes Mal zu einem weltweit bestaunten Ereignis wird und zahlreiche Schaulustige anzieht.

Zuletzt wurde im März 2016 die „Ovation of the Seas“ von Royal Caribbean International durch das Nadelöhr Ems geschickt, nun steht die „Genting Dream“ zur Reise in die Nordsee an. Noch liegt der Ozeanriese, der 5000 Passagiere beherbergen kann, an der Pier im Werfthafen in Papenburg. Die Bemalung mit Drachenboot, exotischen Blumen und Schriftzeichen verrät es schon: Der gut 330 Meter lange Stahlkoloss wurde von der in Hongkong ansässigen Reederei Dream Cruises bestellt und wird in Asien unterwegs sein.

Die ersten Crew-Mitglieder bereiten sich darauf vor, das Schiff zu beziehen und alles für den Start vorzubereiten. Der genaue Termin für die Überführung bleibt bis zuletzt ein Geheimnis, doch Wolfgang Thos und mit ihm ein Team von weiteren sechs Männern mit Kapitänspatent steht schon in den Startlöchern. Vor allem geht es um Details der Beladung, denn diese muss für die Überführung optimal austariert sein. Größter Unsicherheitsfaktor ist das Wetter: „Ich als Seemann halte Wettervorhersagen, die weiter als drei Tage reichen, für Glaskugelprognosen“ , sagt der versierte Werftkapitän Thos, der bereits 50 Schiffe durch die Ems schipperte und seit 2010 den Hut aufhat. „Keine Fahrt ist wie die andere“ , erklärt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Auch ein rosafarbener Anker wie bei der ‚Genting Dream‘ ist neu für mich.“

An die Grenze gelangt

Die Überführung eines Ozeanriesen birgt so manche Tücke. Da sind die Dockschleuse, die Friesenbrücke in Weener und das Emssperrwerk bei Emden. „Das wird eng“ , erklärt Thos, „wir können zwar auf drei Zentimeter genau navigieren, doch kann uns der Wind einen Strich durch die Rechnung machen. Und wenn 60 000 Tonnen erst einmal in Bewegung geraten … “ Was die Größe der Kreuzfahrtschiffe anbelangt, ist die Meyer Werft inzwischen an ihre Grenzen gelangt - noch mächtigere Stahlkolosse können nicht gebaut werden, weil sie nicht durch die Ems passen.

Doch nicht nur die Emsüberführungen ziehen Schaulustige an. Auch das Besucherzentrum auf dem Werftgelände in Papenburg ist ein Touristenmagnet. Jedes Jahr wollen rund 250 000 Gäste erleben, wie die Kreuzfahrtriesen gebaut werden. Originale Bauteile, multimediale Inszenierungen und anschauliche Modelle bringen den Besuchern die faszinierende Welt des Schiffbaus näher. 20 Schiffsmodelle im Maßstab eins zu 100, jedes für sich rund 25 000 Euro wert, bieten einen Überblick über die Produktionskraft der Meyer Werft und die Entwicklungen im Bau von Kreuzfahrtschiffen. Das Besucherzentrum zeigt Schiffskabinen, alles originale Exemplare von Disney Cruise Line, Aida Cruises oder Tui Cruises, die in Papenburg gebaut wurden. Nirgendwo sonst kann der Kreuzfahrtinteressierte Kabinen verschiedener Reedereien im direkten Vergleich anschauen. Das Besucherzentrum ist mit seinem multimedialen Ansatz topmodern, doch einer Attraktion kann es nicht den Rang ablaufen: Höhepunkt jeder Führung ist ein Blick ins Herz der Werft - in die Dockhallen 5 und 6, wo vor den Augen der Besucher die mächtigen Schiffsbauteile zu einem riesigen, hoch aufragenden Ozeangiganten zusammengefügt werden.

Jutta Lemcke

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