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Unterwegs am Main Alles am Fluss

Waschweib und Römerkult: Auf dem Main-radweg zwischen Würzburg und Aschaffenburg lohnt sich das Strampeln, aber auch das Anhalten.

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Editorial

Weinberge, so weit das Auge reicht: Die flache Strecke können Biker bequem auch ohne Batterie bewältigen.

Quelle: Jens Schulze

Würzburg. Wird hier schmutzige Wäsche gewaschen? Ach was! „Ich lästere nicht. Und ich klatsche nur, wenn ich die Hemden ausklatsche“, versichert das Waschweib. Seine Geschichten aus vergangenen Zeiten über die Färber und die Kammmacher, über den Schweinehirten und die Frau „Bürchamestere“ sind also nicht anrüchig, sondern anständig. Auch, wenn die Plaudertasche auf der Bleichwiese so manches anstößige Gerücht über die „feine Gesellschaft“ aufgeschnappt hat.

Was für eine amüsante Kostümführung durch Lohr! Die kleine Stadt in Unterfranken gehört zu den sehenswerten Orten am Main-Radweg - einer der beliebtesten Radwege Deutschlands. Wir wählen eine relativ wenig frequentierte Passage von Würzburg nach Aschaffenburg.

Prunkvolle Fresken in der Residenz

Die Würzburger Residenz

Die spätbarocke Würzburger Residenz vom Baumeister Balthasar Neumann ist seit 1981 Weltkulturerbe der Unesco.

Quelle: Jens Schultze

Ganz ungefährlich gestaltet sich der Start in Würzburg allerdings nicht. Zum einen kommen wir fast mit einer Genickstarre aus der Residenz. Unglaublich, diese prunkvolle Freskenmalerei und fantasievolle Stuckkunst! Was dieser barocke Bau allein an seinen Decken zu bieten hat, füllt problemlos einen ganzen Tag mit Staunen. Zum anderen gefährdet der Brückenschoppen, der auf der steinernen Brücke ausgeschenkt wird, den zeitigen Aufbruch.

Okay, ein Gläschen zum Abschied - dann geht’s los! Den Main im Blickfeld radeln wir flussabwärts, stoppen in Gemünden, wo uns eine Fischerfrau aus dem Alltag früherer Tage erzählt, und machen Station im beschaulichen Karlstadt.

Die Alte Mainbrücke ist ein Muss für jeden Besucher.

Die Alte Mainbrücke ist ein Muss für jeden Besucher.

Quelle: Jens Schultze

Ein Bummel über das Kopfsteinpflaster der denkmalsgeschützten Innenstadt: Im Treppengiebel vom historischen Rathaus grüßt das hölzerne „Schwedenmännle“, das viermal am Tag seine Melodie „Vom Barette schwankt die Feder“ bläst. In der Spitalkirche lugt aus einer versteckten Ecke ein Dämon und vor einer hübsch sanierten Fachwerkkulisse reihen sich die Stände mit fränkischen Spezialitäten - natürlich mit Weinausschank.

Die schönste Etappe kommt hinter Lohr

Das Kultivieren der Reben spielt im Fränkischen Weinland seit mehr als 1200 Jahren eine wichtige Rolle. Ob leichter Bacchus oder Müller-Thurgau, fruchtige Scheurebe oder klassischer Silvaner - hier sind eindeutig die E-Biker klar im Vorteil, die problemlos die bauchigen Flaschen in ihren Seitentaschen verstauen können. Wer wie wir ohne Batterie unterwegs ist, freut sich über die flache Strecke und genießt den herrlichen Ausblick auf die Weinberge am rechten Mainufer.

Von Karlstadt nach Lohr, wo das Waschweib alles über die „Bürchamestere“ weiß, sind es gut 30 Kilometer. Hinter Lohr folgt die landschaftlich wohl schönste Etappe unserer Tour: Die Kreuzfahrtschiffe haben für heute schon ihre Häfen gefunden, der Main liegt ruhig zwischen seinen Ufern. Eine Gänsefamilie zieht eine kleine Welle auf dem spiegelglatten Wasser hinter sich her. Picknickplätze laden zur Rast ein.

In Marktheidenfeld lockt die Promenade zum Pausieren. Ein Espresso am Main - selten sitzt man so idyllisch am Ufer wie hier. Bis, ja, bis ein Fischer und seine Frau vorbeikommen und lautstark lamentieren. Worüber? Wir belauschen das Stadtführerduo bei seinen unterhaltsamen Streitereien, das gleichzeitig jede Menge Wissenswertes über Marktheidenfeld erzählt: über den Pflasterzoll, die Wirtshausgasse und das blaue Rokoko-Patrizierhaus Franck-Haus.

Der eitle Affe ist ein beliebtes Fotomotiv

Unsere nächste Station ist Wertheim. 600 Kreuzfahrtschiffe laden jedes Jahr ihre Passagiere ab, die in geführten Gruppen für einige Stunden die Gassen der Innenstadt bevölkern: Sie fotografieren den eitlen Affen an der spätgotischen Kilianskapelle, der sich den Hintern kratzt, staunen über den Spitzen Turm, in den „Trunkenbolde“ und „zänkische Weiber“ gesperrt wurden, steigen hinauf zur Burgruine und genießen dort den Blick über die Flusslandschaften von Main und Tauber.

Nur die wenigsten von ihnen schaffen es ins Glasmuseum, das nicht nur glänzend die Kultur- und Industriegeschichte des empfindlichen Materials präsentiert, sondern auch zum Spielen einlädt. Wir testen das Fotolabyrinth, lassen den Flaschenteufel tanzen und befragen das Liebesbarometer.

Markierungen zeigen Stand des Hochwassers an

Auch im rund 30 Kilometer entfernten Miltenberg schieben sich die Touristenströme durch die Innenstadt. Vor allem mit ihren vielen Fachwerkhäusern bietet sie unzählige Fotomotive. Ein Glas Wein im „Riesen“, der ältesten Fürstenherberge Deutschlands, oder hoch zur Burg, die ein Kunstmuseum beherbergt. Am Brunnen zeigt ein steinerner Knabe sein nacktes Hinterteil, als wollte er sagen: Mir reicht‘s! Doch es lohnt sich auf jeden Fall noch der Abstecher zum Judenfriedhof, der verträumt auf einer kleinen Anhöhe liegt. Dann geht es wieder in den Sattel.

In Miltenberg  gibt es viele interessante Sehenswürdigkeiten.

In Miltenberg  gibt es viele interessante Sehenswürdigkeiten.

Quelle: Jens Schulze

Wir rollen vorbei an Streuobstwiesen, dichten Wäldern, Mais- und Kornfeldern. In den Ortschaften entdecken wir immer wieder Markierungen, die die Stände der vergangenen Hochwasser anzeigen. Auch Obernburg – unsere nächste Station – wurde nicht vom Main verschont.

In Obernburg gibt’s spezielle Römerführungen

Die Stadt hat die Römer für sich ausgegraben und in diesem Jahr den Römersommer ausgerufen: mit Römererlebnisschau, Römerausstellung und natürlich speziellen Römerführungen. „Die Stadt sitzt regelrecht auf einer Unmenge alter Kulturschätze“, sagt Susanna Rizzo, die sich für uns in ein römisches Gewand gehüllt hat. „Ein Pompeji am Main.“

Begriffe wie Eckkastell, Lagerdorf und Reiterkohorte schwirren uns noch durch den Kopf, als wir Aschaffenburg erreichen. Nein, wir haben noch nicht genug vom „Pompeji-Look“ – das Pompejanum thront malerisch auf einem Weinberg über dem Main. Angeregt durch die Ausgrabungen in Pompeji ließ König Ludwig I. von Bayern dieses römische Wohnhaus errichten. Der Bau, der malerisch auf einem Weinberg über dem Main thront, ist der passende Höhepunkt unserer Radtour, die in Aschaffenburg endet.

Rund 170 Kilometer haben wir in fünf Tagen zurückgelegt und dabei jede Menge gesehen und erfahren. Zurück nach Würzburg geht es mit der Westfrankenbahn, die die Strecke regelmäßig bedient – in etwas mehr als einer Stunde.

Katrin Schreiter

Der Main-Radweg

Strecke : Vom Weißen Main (Bischofsgrün) oder dem Roten Main (Creußen) bis zum Rhein in Mainz-Kastel sind es knapp 600 Kilometer;

Beschaffenheit : gut ausgeschildert, überwiegend asphaltiert, wenig Steigung, zwischen Gemünden und Kleinostheim auch mit Rollstühlen und Handbikes befahrbar;

Tourismusverband Franken

Wilhelminenstraße 6
90461 Nürnberg
Telefon (0911)94151-15
Internet: www.frankentourismus.de

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