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Viel Wildnis hinterm Deich

Odertal Viel Wildnis hinterm Deich

Geheimtipp für Ruhesuchende und Abenteurer: Das Untere Odertal in Brandenburg ist Deutschlands unbekanntester Nationalpark.

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Die Sieben Zwerge laden ein

Unberührte natur erleben: Auf eigene Faust darf niemand in der Schutzzone paddeln. Frauke Bennett (hinten) und Hündin Babette begleiten Touristen.

Quelle: Jens Schulze

Odertal. Zwei Rotmilane kreisen am Himmel, ein Frosch hüpft von Seerosenblatt zu Seerosenblatt, Libellen tanzen übers Wasser. Wer in die Uckermark kommt, schätzt die Ruhe. Die Gegend im Nordosten Brandenburgs gehört zu den am dünnsten besiedelten in Deutschland. Ein Teil ist als Nationalpark Unteres Odertal geschützt.

Heimat für bedrohte Tiere

Das 10 500 Hektar große Gebiet liegt am Unterlauf der Oder. Kernstück des Nationalparks ist das Zwischenstromland, eine Auenlandschaft zwischen Stromoder und der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße, auch Polder genannt. Vor allem Wasservögel nutzen die regelmäßig überfluteten Auen als Brut-, Rast- und Überwinterungsplatz. So fühlen sich hier zum Beispiel Seeadler und Schwarzstorch, Wachtelkönig und der vom Aussterben bedrohte Seggenrohrsänger heimisch.

„Hier hört man kein Auto“, sagt Frauke Bennett, die sich mit leisen Paddelschlägen über das spiegelglatte Wasser durch die engen Kanäle der Flussaue schiebt und vor einer Biberburg wartet. „Der Biber steht auf der Roten Liste“, berichtet sie, ihres Zeichens Kanu-, Natur- und Landschaftsführerin, „weil er früher viel gejagt wurde und heute immer weniger Lebensraum findet.“

Das Untere Odertal mit seinem Netz an naturbelassenen Wasserwegen sei für dieses Tier ein Paradies, weiß Bennett, die die Ursprünglichkeit und Abgeschiedenheit in der Region schätzt.

Zwei Wege ins Naturparadies

Auf eigene Faust darf niemand durch die Schutzzone paddeln. Doch es gibt ein Team von zertifizierten Kanuführern, das Besucher durch das Wasserlabyrinth begleitet. Es gibt zwei Möglichkeiten für den Einstieg: Ganz im Norden des Nationalparks, bei Mescherin, paddelt man durch ein altes Deichtor direkt hinein. Hier bietet Bennett bereits ab Mai Kanutouren an. Von Mitte Juli bis Mitte November werden die Boote auch bei Schwedt eingesetzt, wo man sie nach einem halben Kilometer über den Deich trägt, um in die rund 2250 Hektar große Kernzone des Nationalparks zu gelangen.

Immer an Frauke Bennetts Seite ist die Hündin Babette. „Wenn ich mit Kindern unterwegs bin, die sich im Kanu am Anfang noch unsicher fühlen, hilft sie mir“, sagt die 48-Jährige. „Der Hund nimmt ihnen schnell die Angst.“ An Bord führt sich Babette wie ein Profi auf: Sie gibt keinen Ton von sich, wenn ihr Frauchen einem Froschkonzert lauscht oder das Boot an einem Graureiher vorbeigleitet, der bewegungslos im Schilf steht. „Die Seerosenbänke hier sind ein fantastischer Lebensraum für viele Tiere“, sagt Bennett. „Für junge Fische, die hier ihre Kinderstube haben und sich verstecken können, und für Tiere wie die Spitzschlammschnecke, die ihre Eier an die Blattunterseite legt.“

Respektvoll Abstand halten

Ob Jung oder Alt - wer sich für Natur interessiert, der ist bei Frauke Bennett genau richtig. Wichtig ist der studierten Geografin, dass alle Teilnehmer der Tour die Ohren und Augen weit offen halten und keine Scheu haben, Pflanzen und Tiere genauer zu beobachten - aber immer mit gebührendem Abstand, denn „von einer Störung hat am Ende keiner was“. Das Wort Schutzzone versteht sie da ganz pragmatisch: „Hinterm Deich gibt es keine Partytouren.“

Katrin Schreiter

Weitere Auskünfte:

Tourismus Marketing Uckermark GmbH

www.reiseland-brandenburg.de

Ein- und mehrtägige Kanu- und Wandertouren durch die Schutzzone sind buchbar bei flusslandschaft reisen, www.flusslandschaft-reisen.de.

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