Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Zwischen Townships und Tierparks

Afrika Zwischen Townships und Tierparks

Wer Südafrika mit dem E-Bike erkundet, sieht einfach mehr – und muss weder Wind noch Steigungen fürchten.

Voriger Artikel
Fünf Sterne für den Traumurlaub: Wie Hotels mit Luxus werben
Nächster Artikel
Ein Paar auf Dauer-Reise

Weite Sicht: Auf der Kap-Halbinsel am Kap der Guten Hoffnung bietet sich Reisenden ein beeindruckender Ausblick.

Quelle: Zgoll

Auf diese Idee muss man erst mal kommen: E-Bike-Fahren in Südafrika. Gibt’s da überhaupt Radwege? Selten. Sind Fahrräder auf den Straßen am Kap zu Hause? Nein. Und kann man mit einem Pedelec auf Safari gehen? Sicher nicht. Also Thema durch? Keineswegs. Das Berliner Spezialreisen-Unternehmen Lernidee hat mit seiner neuen Marke Belvelo ein besonderes touristisches Angebot geschaffen: Radtouren in der Komfortzone und das weltweit. Wir wollten wissen, wo das hinführt. Und sind in Südafrika in die Pedale getreten.

Ab aufs Rad

Bei unserer Belvelo-Tour ist die Teilnehmerzahl auf 12 beschränkt. Reiseleiter Jens Deister will seine Herde ja nicht verlieren im Asphaltdschungel. 12 ist zudem eine gute Zahl, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Im botanischen Garten Kirstenbosch in Kapstadt. Im spektakulären Cango-Tropfsteinhöhlensystem in den Swartbergen. Auf dem  Weingut Morgenhof in Stellenbosch. Oder auf der Straußenfarm nahe Oudtshoorn, wo wir junge Riesenvögel kurz vor dem Schlüpfen bestaunen. 12 ist auch die Zahl der Tour-Teilnehmer, die im begleitenden Kleinbus Platz finden, und ein Dutzend E-Bikes passt bei der Überbrückung großer Distanzen auf den Hänger.

Foto: Während ihrer Tour sind die Radfahrer auch im Hügelland nahe Oudtshoorn unterwegs.

Während ihrer Tour sind die Radfahrer auch im Hügelland nahe Oudtshoorn unterwegs.

Quelle: Zgoll

Ohne Bike in Kapstadt

Die Innenstadt von Kapstadt ist ebenso wenig Radlerland wie viele andere Gegenden im Großraum der 4-Millionen-Metropole am Atlantik. Und überflüssig sind die Pedelecs natürlich auch bei der Seilbahnfahrt auf den 1086 Meter hohen Tafelberg, der uns – wolkenfrei – mit einem fantastischen Weitblick über Stadt und Strände beglückt. Oder beim Schlendern durch das historische Hafenviertel oder beim Rundgang durch den Kirstenbosch-Park. Die gepflegte Anlage, die zum Weltnaturerbe zählt, stellt etliche der 18.000 Pflanzenarten zur Schau, die ausschließlich in Südafrika sprießen.

Größtmöglicher Kontrast in nur wenigen Metern

Doch dann kommen die Räder zu ihrem Recht. Wir begeben uns auf eine Tour vom schicken Weißen-Wohnviertel Pinelands zum ältesten Township Südafrikas. Zunächst rollen wir an feinen Villen, die von violett leuchtenden Jacaranda-Bäumen eingerahmt sind, vorbei. Die Grundstücke sind sorgfältig vergittert und weisen mit Schildern auf Alarmanlagen und bewaffnete Wachdienste hin.

Dann folgt der größtmögliche Kontrast, nur wenige hundert Meter entfernt. 50 000 Einwohner leben in dem von Ausfallstraßen und Eisenbahnlinie eingekesselten Township Langa, das der älteste Slum im Lande ist und vor rund 90 Jahren entstand. Mit Nathi Gigaba, einem hier lebenden schwarzen Anwalt, radeln wir durch den Distrikt; in den Abendstunden sollte man diese Gegend als Weißer aber besser meiden. Wir sehen zahllose Elendshütten und Läden in abgewrackten Schiffscontainern. Beobachten das Leben in der Brettersiedlung.

Foto: Einblick in das Township Langa: In dem Elendsviertel leben die Südafrikaner unter sehr schwierigen Bedingungen.

Einblick in das Township Langa: In dem Elendsviertel leben die Südafrikaner unter sehr schwierigen Bedingungen.

Quelle: Zgoll

Mittagessen mit Einheimischen

Beim Mittagessen in einer einheimischen Familie sprechen wir mit Gemeinwesen-Mitarbeiter Vusi Mandindi, der seit 50 Jahren in Langa lebt. „Das öffentliche Bildungssystem in Südafrika ist immer noch eines der schlechtesten der Welt“, klagt Mandindi. Die Arbeitslosigkeit in Langa liege bei rund 40 Prozent.

Zwei Millionen Farbige, rund 1,5 Millionen Schwarze und eine halbe Million Weiße leben derzeit im Großraum Kapstadt, Tendenz steigend. Doch trotz einer inzwischen respektablen Zahl farbiger und schwarzer Mittelschichtler, sagt Tourguide Deister, lägen 90 Prozent des südafrikanischen Volksvermögens immer noch in der Hand von Buren und Engländern. Und dass sich ein Land mit elf offiziell zugelassenen Sprachen nur schwer zu einer Einheit formen lässt, liegt auf der Hand.

Foto: Einen ganz anderen Eindruck von Südafrika, abseits der Townships, vermittelt das Weingut Morgenhof nahe Stellenbosch.

Einen ganz anderen Eindruck von Südafrika, abseits der Townships, vermittelt das Weingut Morgenhof nahe Stellenbosch.

Quelle: Zgoll

Radeln zum Kap der Guten Hoffnung

Am nächsten Tag zeigen unsere elektrisch unterstützten Bikes ihre Stärken auch auf anderem Terrain, der Halbinsel Richtung Kap der Guten Hoffnung. Der Wind tut das, was er in dieser Gegend häufig tut – er bläst kräftig. Auch das hügelige Auf und Ab in karger Fels- und Buschlandschaft lässt uns Dankbarkeit verspüren, dass wir auf dieser 50-Kilometer-Etappe auf externe Energiereserven zurückgreifen können. Treten muss man natürlich trotzdem, und am Ende des Tages zeigen die schmerzenden Oberschenkel, dass E-Bike-Fahren auch ein wenig mit Sport zu tun haben kann.  

Mit dem Bus hinauf, mit dem Rad hinab

An das Fahren auf der linken Straßenseite haben wir uns erstaunlich schnell gewöhnt, doch sicherheitshalber sollte man sich an Kreuzungen und Einmündungen dreimal mehr umdrehen als gewohnt. Dass es in südafrikanischen Weiten nur selten separate Radwege gibt, ist auf den spärlich befahrenen Straßen in den Nationalparks zu verkraften. Und auch in kleineren Orten wie dem bezaubernden Unistädtchen Stellenbosch, das uns auf stillen Sträßchen mit seinen Häusern nach kapholländischer Art in den Bann zieht, weisen unsere Pedelecs ihre Existenzberechtigung nach. Ein besonderes Vergnügen für das Team E-Bike ist es, wenn es im Begleitfahrzeug hinaufgeht in die Swartberge – und auf dem Sattel in die Ebene hinab. Dann verlieren auch 27 Grad im Schatten, die Ende November – im afrikanischen Frühsommer – ganz normal sind, ihren schweißtreibenden Schrecken.

Foto: Ganz nah dran: In einem der kleineren Wildreservate stehen Zebras.

Ganz nah dran: In einem der kleineren Wildreservate stehen Zebras.

Quelle: Zgoll

Rund 250 Kilometer sitzt man während der 13 Tage währenden Garden-Tour auf dem E-Bike-Sattel. Das ist locker zu schaffen. Das Ziel ist Port Elizabeth, rund 800 Kilometer östlich von Kapstadt gelegen. Unser Fazit lautet: Wer im wunderschönen Südafrika mehr sehen will als die gängigen Sightseeing-Spots, wer feines Essen und kontrollierte Bewegung ebenso schätzt wie politische und naturkundliche Hintergrundinfos, ist mit dieser Tour auf gutem Weg.

Von Michael Zgoll

Hin und Weg

Anreise
Reiseveranstalter Lernidee bietet den Gabelflug Frankfurt–Kapstadt und Port Elizabeth–Frankfurt mit South African Airways im Rahmen seines Komplettpakets an. Wer den Flug auf eigene Faust buchen möchte, zahlt je nach Reisezeit zwischen 900 und 1100 Euro weniger.
Einreisebedingungen
Reisende brauchen einen Pass, der im Anschluss an die Rückreise noch mindestens einen Monat gültig ist. Impfungen sind nicht vorgeschrieben.
Beste Reisezeit
Von Oktober bis März regnet es in Südafrika am wenigsten. Von Oktober bis Dezember sind die Temperaturen am besten auszuhalten.
Unterkunft
Die Belvelo-Garden-Route per Kleinbus und E-Bike beinhaltet sechs Übernachtungen in guten Mittelklassehotels, drei Nächte in Komfort-Lodges und zwei Übernachtungen im Luxus-Gästehaus.
Kosten
Die Preise für den 13-tägigen Urlaub schwanken (inklusive Flug) zwischen 3495 und  3695 Euro pro Person. Eingeschlossen im Preis sind Fahrradmiete und alle Transfers, eine Deutsch sprechende Reiseleitung, die Eintrittsgelder sowie Frühstück und Mittagessen. Die Teilnehmerzahl  beträgt mindestens sechs  und höchstens zwölf.
Reiseveranstalter
Lernidee Erlebnisreisen,  Kurfürstenstraße 112,  10787 Berlin,
Telefon: (030) 786 00 00.
www.belvelo.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Rund um die Welt
Leseraktion: Zimmer mit Aussicht

Teilen Sie den schönsten Ausblick aus ihrem Urlaubsdomizil mit anderen Lesern: Die besten Einsendungen veröffentlichen wir in dieser Bildergalerie.