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Das andere China

Asien entdecken – Das andere China Das andere China

Zwischen chinesischer Tradition und japanischer Kolonialvergangenheit, zwischen Metropolen und unberührter Landschaft – die ostasiatische Insel Taiwan bietet eine reizvolle Kombination aus allem.

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Moderne Millionenmetropole: Taipeh am Danshui-Fluss ist die Hauptstadt des Landes.

Quelle: Taiwan Tourism Bureau

Qualitätssiegel wie „Made in Taiwan“ sind manchmal eine Frage der Perspektive – zumindest in kulinarischer Hinsicht. Die Zubereitung auf dem Teppanyaki, einer heißen Eisenplatte, sei zwar grundsätzlich japanischen Ursprungs, räumt Reiseleiter Johannes ein. „Aber wie immer haben wir es verbessert.“ Ähnliches erfuhr man von dem gebürtigen Taiwaner am Vortag bereits in Hinblick auf Dumplings, einer Art im Bambuskorb gedämpfter Maultauschen, die eigentlich eher vom chinesischen Festland stammen. Und es soll nicht die letzte Optimierung bleiben: Auch Sushi mag in Japan erfunden worden sein, aber was hat Taiwan gemacht? „Es verbessert“, wie Johannes sagt, mit einem dezenten Grinsen und einer großen Portion Ironie.

Urlaub am Rande des südchinesischen Meers

Man überlegt unweigerlich, wie groß wohl die Überzeugung in all diesen Worten sein mag. Denn immer wieder schleicht sich tatsächlich das Gefühl ein, dass hier auf der kleinen Insel am Rande des südchinesischen Meers vieles bekannt vorkommt. Nur dass es in gewisser Weise wirklich vereinfacht, perfektioniert oder schlicht erweitert wurde. Das fängt schon mit Johannes’ Namen an. – Johannes heißt eigentlich Hsu Tzu-Yi. Weil er aber in Deutschland studierte und sich seine Kommilitonen naturgemäß etwas schwer taten mit der Aussprache chinesischer Namen, wurde er in den Neunzigerjahren kurzerhand zu Johannes. Ein Name, den der 55-Jährige bis heute pflegt. Vor allem deutsche Reisegruppen sind ihm immer wieder dankbar dafür.

Foto: Besucher erkunden 
die Landschaft Taiwans auf zahlreichen 
Wanderwegen, die häufig auch über 
Brücken führen.

Besucher erkunden 
die Landschaft Taiwans auf zahlreichen 
Wanderwegen, die häufig auch über 
Brücken führen.

Quelle: Taiwan Tourism Bureau

Taipehs stählernes Bambusrohr

Taiwans Hauptstadt Taipeh ist so etwas wie das Beton gewordene Zeugnis vom Streben einer ganzen Nation nach Perfektion. Das U-Bahn-Netz? Vorbildlich ausgebaut. Über jede noch so nebensächliche Eventualität klären Schilder auf. Mit dem Taipei 101 verfügte die Stadt lange über das höchste Gebäude der Welt. Es steht noch immer, doch wurde es in der Höhe im Jahr 2007 vom Burj Khalifa in Dubai abgelöst. Aufeinander aufsetzende Blöcke lassen das Taipei 101 ein wenig wie ein übergroßes, eckiges Bambusrohr aussehen, und das hat einen praktischen Grund: Taiwan liegt in einer der aktivsten Erdbebenregionen der Welt. Die Bauweise soll verhindern, dass das Hochhaus Schaden nimmt. Deswegen hängt im 92. Stockwerk auch eine Stahlkugel mit dem gewaltigen Durchmesser von 5,50 Meter. Sie soll Schwingungen ausgleichen.

Kunstwerke chinesischer Geschichte

Vor allem Besucher aus China zieht es in das Nationale Palastmuseum: Hier sind kaiserliche Kunstwerke aus mehr als 3000 Jahren chinesischer Geschichte zu sehen. Ursprünglich stammen sie aus der Verbotenen Stadt in Peking. Chiang Kai-shek, im chinesischen Bürgerkrieg Gegenspieler von Mao Zedong, brachte sie 1949 bei seiner Flucht nach Taiwan. Hier lagern sie seitdem, und sind auf ihre Art eine gute Veranschaulichung des taiwanisch-chinesischen Dauerkonflikts: Die Volksrepublik sieht die 36 000 Quadratmeter große Insel bis heute als abtrünnige Provinz an. Taiwan hingegen spricht von sich als legitimer Nachfolger der 1912 ausgerufenen Republik China, weshalb dies auch nach wie vor der offizielle Staatsname ist.

Vermutlich würde dieser von außen fast schon ein wenig skurril wirkende Konflikt im Rest der Welt kaum Beachtung finden, wenn nicht Taiwan vor allem durch seine hochentwickelte Industrie wirtschaftlich eng verflochten wäre mit zahlreichen Staaten rund um den Globus. Das könnte auch die Basis im Streben nach Perfektion sein: Wenn man ein bisschen zwischen den Welten lebt, scheint die Verbesserung des Bestehenden ein ganz guter Weg zu sein.

Essen wie in Japan

Foto: Auf dem Markt in der Großstadt 
Taipeh haben die Kunden die Wahl 
zwischen allerlei außergewöhnlichen 
Spezialitäten.

Auf dem Markt in der Großstadt 
Taipeh haben die Kunden die Wahl 
zwischen allerlei außergewöhnlichen 
Spezialitäten.

Quelle: Pohl

In Taiwan macht sich dies vor allem in immer mal wieder durchschimmernden Spuren der japanischen Vergangenheit bemerkbar. Zwischen 1895 und 1945 war die Insel Teil des japanischen Kaiserreichs. Nicht nur Sushi und Teppanyaki sind geblieben. Auch einige Gebäude haben die Zeit überdauert. Der Präsidentenpalast etwa, ein prachtvoller rotweißer Bau im Zentrum, war einst der Sitz der Kolonialregierung. Auch die Dihua Street, bekannt für ihre kleinen Läden und Marktstände, ist gesäumt von Hinterlassenschaften japanischer Architekten. Zum von Beton geprägten Einerlei vieler anderer Straßen bietet dies einen perfekten Kontrast. Der wird allerdings deutlich größer, je weiter man sich aufs Land begibt.

Auf in Taiwans Mamorberge

Die Taroko-Schlucht, etwa 150 Kilometer südlich von Taipeh, gehört zu den beeindruckendsten Naturwundern Taiwans. Der Liwu-Fluss hat sich hier über Jahrmillionen in die Marmorberge der Region gefräst. Dichter Wald bedeckt die Hänge, immer wieder stößt man auf kleine Pagoden und Tempel. Aus der Bauzeit einer nahe gelegenen Schnellstraße sind mehrere Wanderwege erhalten geblieben. Sie waren für die Bauarbeiter notwendig, um die Gegend zu erschließen. Heute erkunden Touristen die Schlucht auf diesen Wegen. Einwohner sind in dieser Gegend eher rar. 

Shiou Lin Village ist einer der wenigen Orte, in dem sie anzutreffen sind. Das winzige Dorf war einst liebstes Ziel des früheren Staatpräsidenten Chiang Kai-shek. In der Tian Hsyang Lodge quartierte er hohen Staatsbesuch ein. Inzwischen ist aus der Lodge ein richtiges Hotel geworden. Silks Place heißt es jetzt, und ist ein Ort zur Tiefenentspannung – vor allem, wenn abends die Tagesgäste aus der Gegend abgereist sind.

Foto: Der Taroko-Park ist bekannt 
für seine Schluchten und steilen 
Felswände.

Der Taroko-Park ist bekannt 
für seine Schluchten und steilen 
Felswände.

Quelle: Pohl

Die höchsten Berge östlich des Himalajas

Auch für Johannes ist der Anblick der Berglandschaft längst keine Selbstverständlichkeit, auch wenn er sie bei seinen Besuchen immer wieder erlebt. Beinahe andächtig schaut er auf die Berglandschaft, und er ist dabei längst nicht der einzige. Weil Taiwan an einer Grenze tektonischer Platten liegt, haben sich hier einige der höchsten Berge Asiens östlich des Himalajas aufgebaut. Mehr als 200 Gipfel sind höher als 3000 Meter und damit höher als Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze. Eine Hand voll reicht sogar bis fast an die 4000 Meter heran.

Jadeberg heißt der höchste. Er liegt im Zentrum der Insel. „Jeder Taiwaner soll den Jadeberg einmal im Leben erklimmen. Erst dann ist man erwachsen“, sagt Johannes – zumindest, wenn man vorher auch noch die komplette Insel mit dem Rad umrundet und einen See durchschwommen hat. Harte Hürden für den Schritt ins wahre Leben. Hat er all diese Aufgaben selbst bewältigt? Johannes lacht, und man erkennt: Er arbeitet noch an dem einen oder anderen Punkt, auch wenn er durchaus den Eindruck macht, jeden Morgen einen Berg erklimmen zu können. Auch in dieser Hinsicht findet man sie wieder: die fortwährende Perfektionierung. Eben Made in Taiwan.

Hin und Weg

Anreise
Mit der taiwanischen Fluggesellschaft China Airlines direkt von Frankfurt nach Taipeh. Mehrere andere asiatische Airlines fliegen die Stadt mit Umsteigeverbindungen ab Deutschland an.
www.china-airlines.eu/de-de  

Beste Reisezeit
Idealerweise Frühjahr und Herbst. Das Klima im Norden Taiwans ist subtropisch, im Süden tropisch. Die Sommer sind heiß und feucht mit Temperaturen bis 35 Grad, die Winter von 12 bis
16 Grad relativ mild – aber es kann dann viel regnen. Schnee gibt es nur in höhergelegenen Bergregionen. Es können mehrmals im Jahr Taifune vorkommen.

Einreise
Deutsche sowie die meisten anderen EU-Bürger benötigen für einen Aufenthalt in Taiwan von bis zu 90 Tagen kein Visum, lediglich einen Reisepass, der noch sechs Monate gültig sein muss.

Unterkunft
Malerisch in der Tarokoschlucht gelegen: Silks Place, 972, Taiwan, Hualien County, Xiulin Township.
Zentral und nobel in Taipeh: 
Palais de Chine, No. 3, Section 1, Chengde Rd, Datong District, Taipei City, Taiwan 103.
Zentral in Hualien: Chateau de Chine, 
No. 2, Yongxing Rd, Hualien City, 
Hualien County, Taiwan 970.

www.silksplace-taroko.com.tw
www.palaisdechinehotel.com/zh-tw
http://hualien.chateaudechine.com/en-us

Weitere Informationen
www.taiwantourismus.de

Von Michael Pohl

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