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Hoch hinauf zum Wolkenfelsen

Bergwandern Hoch hinauf zum Wolkenfelsen

Vom Roque Nublo bis zum Altavista: Wandertouren im Landesinneren von Gran Canaria bieten viele Höhepunkte

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Ein Höhepunkt für jeden Wanderer: Beim Blick vom Gipfel des 1376 Meter hohen Altavista wähnt man sich ganz in der Nähe des Atlantiks. Ganz nach oben auf den „Wolkenfelsen“, den Roque Nublo, schaffen es hingegen nur Bergsteiger.

Quelle: Fettback (4)

Eva hat eine feine Nase und ein gutes Händchen. Nicht nur, wenn es darum geht, einen am Frühstückstisch mit köstlichem Blütenhonig aus der Region zu überraschen, von dem man am liebsten gleich das ganze Glas auslöffeln möchte. Evas Daumen zeigt nach oben, nachdem wir es uns schmecken lassen und nach dem Wetter gefragt haben, ihre Botschaft ist eindeutig. „Es klappt heute mit dem Wandern“, sagt die gute Seele des Hotels Rural Fonda de la Tea. „Kein Regen mehr!“

Raus in die Berge

Davon hatten wir zwei Tage lang mehr als genug, was nicht typisch ist für Ende Oktober im Bergdorf Tejeda. Hier, im Herzen von Gran Canaria rund 1050 Meter über dem Meeresspiegel, machen die Meteorologen für diesen Monat normalerweise nur zwei Regentage aus. Wir sind für knapp zwei Wochen hier und liegen kurz nach unserer Ankunft schon voll im Soll. Doch das Wetter bessert sich tatsächlich – Eva hat recht mit ihrer Prognose. Also nichts wie raus in die Berge, nach dem guten Essen die naheliegendste Versuchung in dieser Gegend. Die Wanderstöcke haben lange genug in der Ecke gestanden.

Der Berg der Berge

Wir starten klassisch. Unser erstes Ziel ist der Roque Nublo, das mystische Wahrzeichen der Insel und für viele Canarios nicht nur eine Art Heiligtum, sondern vor allem eine touristische Pilgerstätte ersten Ranges. Ihnen scheint es egal zu sein, ob in Wanderschuhen oder – leichtsinnigerweise – mit Flipflops an den Füßen, wie später zu sehen ist. Hauptsache, rauf auf den Berg der Berge. Von der Hotelterrasse aus haben wir aus der Ferne schon die erste Bekanntschaft mit dem beeindruckenden „Wolkenfelsen“ gemacht, nun kommen wir ihm nach einer wagemutigen Autofahrt auf der Bundesstraße GC-60 mit ihren nicht enden wollenden Kurven und Serpentinen immer näher.

Rund zwölf Kilometer liegen auf dieser Rundwanderung vor uns. Ins Schwitzen kommt man da eher selten. Und wenn, wie beim Aufstieg zum Parkplatz La Goleta durch einen dichten Kiefernwald, der vor den Sonnenstrahlen schützt, dann darf man sich den Lohn dafür in Form fantastischer Ausblicke abholen. Etwa auf das Bergdorf La Culata mit seinen weiß gestrichenen Häusern oder zum 1813 Meter hohen Roque Nublo und zu dessen kleinerem Bruder, dem El Fraile („Mönchsfelsen“).

Spuren vergangener Zeit

Zwei einzigartige steinere Zeugnisse einer rund vier Millionen Jahre zurückliegenden Zeit, in der die Vulkane mit aller Macht zeigten, was in ihnen steckt. Die Faszination, die vom Roque Nublo ausgeht, wächst mit jedem Schritt. Das felsige Plateau, das sich vor dem 70 Meter hohen Basaltmonolithen schließlich ausbreitet, weckt Gedanken an eine Landung auf dem Mond. Wären da nicht diese vielen Touristen, die bei ihrer Jagd nach Selfies die Erhabenheit des Gipfelmoments stören. Selbst schuld: Warum haben wir auch ausgerechnet einen Sonntag für diese Tour gewählt. Wir hätten vorher Eva fragen sollen.

Abseits der Touristenströme

Das Kontrastprogramm gibt es an den folgenden Tagen, an denen wir uns zu zweit weit abseits der Touristenströme bewegen. Die Bergwelt Gran Canarias bietet viele Möglichkeiten; man muss nur losgehen, um loslassen zu können vom Hier und Heute. Eine Streckenkarte und vielleicht auch eine Wegbeschreibung sollte man allerdings dabeihaben. Als wir zur Wanderung Richtung Pico de las Nieves, mit 1945 Metern höchster Berg der Insel, aufgebrochen sind, lernen wir die Einsamkeit des El Campanario kennen. Keine Menschenseele weit und breit. Immerhin haben zwei Mountainbiker zuvor unseren Weg gekreuzt, mit einem freundlichen „Hola“ beim Vorbeifahren auf den Lippen.

Wanderpfad durch Ginsterbüsche

Das letzte steinige Stück hinauf zum 1920 Meter hohen Gipfel erfordert etwas Klettervermögen, doch der Blick ins Tal entschädigt für die vorausgegangene Mühe. Der Wind auf dem El Campanario weht so kräftig, dass man die Felskanten besser meiden sollte. Nur keine falsche Bewegung, das könnte gefährlich werden. Die Augen offen halten muss man auch beim Abstieg, nach dem wir schließlich wieder am Stausee Presa de Los Hornos ankommen, unserem Ausgangspunkt. Der Wanderpfad, der zeitweise durch dichte Ginsterbüsche führt, ist nicht immer leicht zu finden. Hier und da erleichtern unschöne Stelen aus Beton die Orientierung, die vor mehr als 60 Jahren aufgestellt worden sind, als der Tourismus auf Gran Canaria seine ersten Schritte machte. Den Kinderschuhen ist er längst entwachsen, vor allem der Süden und die Hauptstadt Las Palmas stehen bei Besuchern hoch im Kurs. Wer es individueller mag und auf Badefreuden im Meer verzichten kann, der ist im Inselinnern bestens aufgehoben.

Es sind nicht nur Berge wie der Roque Nublo, der El Campanario oder der Altavista, nach dessen Erklimmen der Atlantik fast zum Greifen nahe scheint, von denen ein magischer Reiz ausgeht. Als „steinernes Gewitter“ hat der spanische Philosoph und Schriftsteller Miguel de Unamuno die Vulkanlandschaft der Insel einst beschrieben. Die Einwohner von Artenara, dem höchstgelegenen Ort auf Gran Canaria, haben dem Mann daraufhin auf ihre Weise ihre Reverenz erwiesen und ihm ein Denkmal gesetzt. Als hätte das Dorf mit seinen gut 1000 Bewohnern nicht schon genug zu bieten. Von Artenara aus lässt es sich herrlich durch das obere Agaete-Tal wandern, das Naturschutzgebiet ist.

Besuch im Höhlendorf

Wer dabei Lust auf einen ungewöhnlichen Abstecher und noch ausreichend Wasser in der Trinkflasche hat, der sollte sich unbedingt auf den Weg nach Acusa Seca machen. Ein einsames Höhlendorf in einem Felsmassiv, dazu zum Teil noch bewohnt, so etwas sieht man nicht alle Tage. Das Bellen eines Hundes verrät unser Kommen, hinter einer Mauer mit viel frischem Grün kündet eine Frauenstimme von geschäftigem Treiben zur Mittagsstunde. Dann herrscht wieder Stille. Wir haben ungestört alle Zeit der Welt, den Blick schweifen zu lassen auf das beeindruckende Bergpanorama gegenüber, gekrönt vom Roque Bentayga.

Foto: Wo immer Frühling ist: Tejeda mit der Pfarrkirche Nuestra Señora del Socorro. Im Hintergrund ist der Roque Bentayga zu sehen.

Wo immer Frühling ist: Tejeda mit der Pfarrkirche Nuestra Señora del Socorro. Im Hintergrund ist der Roque Bentayga zu sehen.

Quelle: Fettback

Ein paar Stunden später haben wir die Perspektive gewechselt. In Tejeda, auf der Terrasse des Hotels, erleben wir, wie die Sonne hinter dem Roque Bentayga untergeht. Der Himmel treibt ein Farbenspiel in wechselnden Rot- und Gelbtönen, das ein Maler nicht besser hinbekommen würde. Ein Anblick, der sich einbrennt in die Erinnerung.

Von Norbert Fettback

Hin und Weg

Anreise
Airlines wie Lufthansa und Condor bieten täglich Direktflüge nach Las Palmas von Deutschland aus an, zum Beispiel ab Hannover, Hamburg oder Frankfurt am Main. Wer individuell reist und das Inselinnere als Ziel hat, für den ist ein Mietwagen unverzichtbar.

Veranstalter
Wer individuell wandern gehen möchte, der wird bei Wikinger Reisen fündig. Das Unternehmen aus Hagen bietet auf Gran Canaria zwei sogenannte Standortwanderreisen an – übernachtet wird in kleinen, komfortablen Hotels in Tejeda oder San Mateo. Zum Wikinger-Service gehören Routenvorschläge mit präzisen Wegbeschreibungen und Tourenkarten. Damit kommt man auch ohne ortskundigen Begleiter gut zurecht.
www.wikinger-reisen.de

Beste Reisezeit
Das Klima auf Gran Canaria weist meist keine große Schwankungen auf – es gibt weder einen kalten Winter noch einen extrem heißen Sommer. Das Wetter zeigt sich häufig von zwei Seiten: im Norden mit mehr, im Süden mit weniger Wolken. Von Dezember bis März liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei 21 Grad Celsius, nachts werden es dann nicht weniger als 12 Grad. Der Januar und der November haben die mit Abstand meisten Regentage (9). Eine besonders schöne Reisezeit sind aufgrund der Blütezeit im Gebirge die Monate Februar bis Juni.

Tipps zum Wandern
Der Kompass-Verlag hat einen  40 Touren umfassenden Wanderführer mit Faltkarte aufgelegt, der zusätzlich zu den Vorschlägen von Wikinger weitere Routen im Inselinneren enthält.

Besonderes
Der Bergort Tejeda ist bei Tagestouristen eine sehr beliebte Adresse. Nur wenige lernen aber bei ihrem Besuch den alten, weiter talwärts gelegenen sehenswerten Dorfkern La Tosca mit seinen verwinkelten Gassen und in die Jahre gekommenen Wohnhäusern kennen. Unbedingt einen Besuch wert ist die Bäckerei Dulceria Nublo an der Calle Doctor Domingo Hernandez Guerra, die für ihre Marzipanspezialitäten inselweit bekannt ist. Trotz der übersichtlichen Speisekarte lohnt sich das Abendessen in der Casa del Caminero (Avenida de Los Almendros) mit typischer kanarischer Kost und speziellem Service von Inhaber Armando Gil, der im Nebenraum außerdem von ihm gemalte Bilder ausstellt.

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