Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Immergrünes Inselparadies

Naturerlebnis Azoren Immergrünes Inselparadies

Westlich vom europäischen Festland, mitten im Atlantik, muss jeder Azorenbesucher mit wechselhaftem Wetter rechnen. Doch die vielfältige Vegetation belohnt Naturliebhaber.

Voriger Artikel
Laternenfest in Taipeh und Museumsmonat in Seattle
Nächster Artikel
Kolumbien - Im Goldenen Dreieck des Kaffees

Der Kratersee Lagoa do Fogo liegt im Zentrum der Azoreninsel São Miguel.

Quelle: fotolia/Alexandra Gnatush

Das also ist das Nichts. Auf 800 Meter sind wir den Berg hinaufgestiefelt – und dann, als es geschafft ist, dieser Ausblick: Nebel, wohin das Auge schaut. Nichts ist zu sehen von den üppig bewaldeten Hängen, die diesem Teil im Nordwesten der Insel São Miguel das besondere Etwas geben. Wo sich da unten in der undurchdringlichen Waschküche der Kratersee Lagoa do Canário befindet, lässt sich allenfalls erahnen. Willkommen dort, wo sich die Azoren in ihrem Element zeigen!

Einsam zwischen Europa und Amerika

Oliver, unser Wanderführer, hatte es vorausgesagt: Wer hier unterwegs ist, der muss sich auf einiges einstellen. Im von der großen weiten Welt abgeschiedenen Nichts, mitten im Atlantik zwischen Europa und Amerika gelegen, gelten andere Regeln. Regel Nummer eins: Regensachen nicht vergessen! Beim Anstieg zum Pico da Cruz werden wir von einem heftigen Schauer erwischt – nicht das einzige Mal, dass uns das in den vier Tagen auf den Azoren passiert. Gerade noch rechtzeitig ist der Rucksack geöffnet, um die Kamera vor der Nässe in Sicherheit zu bringen. Das Kontrastprogramm lässt nicht allzu lange auf sich warten: Als es hinabgeht zum Lagoa Verde, schickt uns die Sonne wärmende Grüße vom Himmel. Nur schnell raus aus der Regenjacke, in der man sich nun wie in einem Backofen fühlt.

Wo die wilden Bananen wachsen

Das feuchtwarme Klima mit seinen oft unberechenbaren Überraschungen verlangt dem Wanderer mehr ab als die Anstiege, die – gemessen an Erfahrungen aus dem Hochgebirge – keine große Kondition und Erfahrung erfordern. Die Hügel rauf und runter schafft man es auf recht gemütliche Art. Auf den vom Regen aufgeweichten Passagen oder Abschnitten mit Geröll ist allerdings Vorsicht geboten. Meist aber ist der Blick frei für die Schönheiten der Natur, und der entschädigt reichlich für kurze wetterbedingte Unwirtlichkeiten. Die immergrüne Vegetation weckt bei Mitteleuropäern das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Oder in einem überdimensionalen Gewächshaus. Unser Weg führt vorbei an wilden Bananenbäumen, Farne bilden trügerische Dächer, von den Blüten der Strelitzien geht ein paradiesischer Zauber aus. In der Luft liegt der betörende Duft von Hortensien, die allgegenwärtig sind.

Vielfältige Pflanzenwelt

Nicht alles, was auf São Miguel grünt und blüht, gehört zur heimischen Flora. Lange bevor Touristen die Azoren für sich entdeckten, ließen wohlhabende Insulaner im 18. und 19. Jahrhundert Bäume und Blumenstauden von weither auf die Inseln schaffen. Was einst die Privatgärten schmückte wie die Sicheltanne aus Japan oder der knallgelb blühende Zieringwer, der bis zu drei Meter Höhe erreicht, bereitet den Landschaftsgärtnern und Forstarbeitern heutzutage viel Arbeit und Kopfzerbrechen. Eine Folge der unkontrollierten Auswilderung, die den Menschen auf Schritt und Tritt begegnet. „Da gibt es noch viel zu tun“, sagt unser Reiseleiter Oliver.

Wahre Blütenpracht: Belladonna-Lilien blühen im Spätsommer.

Wahre Blütenpracht: Belladonna-Lilien blühen im Spätsommer.

Quelle: Fettback

Zu Fuß durch unberührte Natur

Der 46-Jährige, von Beruf Physiker, kann uns aber auch zeigen, wie die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche Gestalt annimmt. Etwa im Gebiet des Lagoa do Fogo oder des Lagoa das Furnas, zwei weiteren Kraterseen auf São Miguel, die auch die „grüne Insel“ genannt wird. Wir sehen Heidelbeersträucher, Lorbeergewächse, Gagelbäume, Besenheide und Wacholder – von Menschen dort gepflanzt, wo deren Vorfahren der Natur mitunter arg zugesetzt hatten. Auf diese Weise kommt auch der Furnas-See nach und nach wieder in sein natürliches Gleichgewicht. Wo jetzt einheimische Pflanzen gedeihen, weideten vor einigen Jahren noch Kühe. Die intensiv betriebene Viehwirtschaft führte zu einer dramatischen Verschlechterung der Wasserqualität des Sees. Die Regierung der Azoren setzte auf Renaturierung – mit erkennbarem Erfolg. Nicht nur hier. „Viele Bauern haben in der Natur über Jahrhunderte ihren Feind gesehen“, sagt Oliver. „Jetzt hat ein Umdenken eingesetzt.“

Wandertouren - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Ruhe mitten im Atlantik

Auch zur Freude der Touristen, die nicht nur der Natur wegen auf die Azoren kommen. São Miguel oder eine der acht Nachbarinseln, in Urzeiten mit unbändiger vulkanischer Hilfe aus dem Meer gewachsen, sind ideale Orte, um Ruhe zu finden und trotzdem etwas zu erleben. Wer hier mitten im Ozean auf der Suche nach langen Sandstränden ist, der ist allerdings tatsächlich an der falschen Adresse. Da landet er wirklich im Nichts.

Von Norbert Fettback

Inseln liegen im Atlantik

Lage
Die Azoren umfassen neun Atlantikinseln. Sie sind eine autonome Region Portugals mit rund 245 000 Einwohnern. Die kürzeste Entfernung zum europäischen Festland beträgt 1400 Kilometer. Größte Insel ist São Miguel.

Anreise
Die portugiesische Fluggesellschaft Sata bietet eine Direktverbindung von Frankfurt am Main nach Ponta Delgada auf São 
Miguel an. Auch bei Air Berlin wird man fündig.

Klima
Wanderern und Naturliebhabern bieten sich speziell von Mai bis September vielfältige Möglichkeiten, die Inseln zu erkunden. Fast das ganze Jahr lang besteht die Möglichkeit zur Walbeobachtung im Atlantik, Bootsausflüge mit diesem Ziel kosten um die 75 Euro. Auf den Inseln herrscht ein ozeanisch-subtropisches Klima. Frost kennt man hier nicht, nachts wird es nicht kälter als sechs Grad. Im Sommer steigt das Thermometer tagsüber auf Werte bis zu 30 Grad.

Veranstalter
Wikinger aus Hagen, in Deutschland Marktführer bei Wanderreisen, bietet sechs verschiedene Möglichkeiten – von einer einwöchigen Gruppen-Schnupperreise nach São Miguel bis zu einem 22-Tage-Programm auf sechs Inseln. Hinzu kommt eine Tour für Sportliche, die den Aufstieg auf den Pico Alto, den mit 2351 Metern höchsten Berg Portugals, beinhaltet. Zwei weitere Reisen können individuell gestaltet werden.
www.wikinger-reisen.de

Weitere Informationen
www.visitazores.com

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Rund um die Welt
Leseraktion: Zimmer mit Aussicht

Teilen Sie den schönsten Ausblick aus ihrem Urlaubsdomizil mit anderen Lesern: Die besten Einsendungen veröffentlichen wir in dieser Bildergalerie.