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Kurvenreiche Schönheit

China entdecken Kurvenreiche Schönheit

Gebetsfahnen und Sauerstoff zum Mitnehmen: Mit dem Bus zu den Nationalparks im abgelegenen Bergland der chinesischen Provinz Sichuan. Pandabären-Besuch inklusive.

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Grün, Blau und Türkis in allen Schattierungen: Je nach Sonnenstand wechseln die Wasserterrassen im Nationalpark Huanglong ihre Farben.

Quelle: Fabricius

Die chinesische Mitreisende lacht laut auf. „Ach, das ist doch gar nichts“, sagt sie und ist ausgesprochen unbeeindruckt von den Menschenmassen, die da vor den Toren auf Einlass warten. „Zur Hochsaison, während des vergangenen Frühlingsfestes, musste man vier Stunden anstehen, bis man reinkam.“ Warteschlangen, hier? Im abgelegenen Bergland der Provinz Sichuan? Die Attraktion, für die jeden Tag bis zu 10 000 Chinesen anreisen, ist kein Freizeitpark, keine Ausstellung, kein historisches Bauwerk. Es ist – Natur: der Nationalpark Jiuzhaigou.

Vorsicht, Yaks!

Acht Stunden Fahrt und 450 kurvenreiche Kilometer trennen Jiuzhaigou, das „Tal der neun Dörfer“, von der quirligen Provinzhauptstadt Chengdu im Südwesten Chinas. Schon bald, nachdem der Bus am Tag zuvor die Großstadt hinter sich gelassen hatte, wurde es sehr bergig, die Straße schlängelt sich stets am Ufer des Flusses Minjiang entlang. Bunte Gebetsfahnen an den Berghängen und buddhistische Tempel erinnern an das nahe gelegene Tibet, Bauern der ethnischen Minderheiten der Zang und Qiang verkaufen hier an kleinen Ständen Früchte, Kräuter und kulinarisch Unergründliches. Schilder zeigen an: Yaks bitte schön runter von der Fahrbahn. Die 14-Millionen-Metropole Chengdu ist hier nicht nur Stunden, sondern Welten entfernt.

Begehrtes Fotomotiv - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Besuchermagnet Nationalpark

Und da stehen wir nun am folgenden Morgen im Gedränge am Eingang des Nationalparks. Zum ersten Mal sehen wir die weiße Fahne an einer Teleskopstange, die uns die nächsten Tage begleiten wird. Sie gehört Liu. Die ständige Sorge der jungen Reiseleiterin ist, dass in dem Getümmel jemand aus ihrer Gruppe verloren gehen könnte. Also: Fähnchen hoch, sammeln, durchzählen, weitergehen.

Wandern im Land der Seen

Schneller als erwartet geht es dann doch in den Park hinein. Das Unesco-Weltnaturerbe, eines der bekanntesten Reiseziele der Chinesen im gesamten Land, erstreckt sich auf einer Höhe von 2000 bis 3000 Metern. Für den Besuch sollte man einen ganzen Tag einplanen. 70 Kilometer gut ausgebaute Wanderwege, vorbei an sprudelnden Bächen, Wasserfällen und den berühmten türkisfarbenen Seen, führen durch das Gebiet. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann sich auch fahren lassen: Zwischen den Seen verkehren kostenlose Busse im Abstand von wenigen Minuten.

Chili gegen kalte Wanderfüße

Am späten Nachmittag wartet Reiseleiterin Liu fröhlich lächelnd vor dem Bus auf dem Parkplatz. „Wisst ihr eigentlich, was für ein Glück ihr hattet, dass es heute den ganzen Tag so schön war?“, fragt sie. Tatsächlich gilt das Wetter hier als äußerst wechselhaft. Schon am Tag zuvor hatte jeder ein Regencape in die Hand gedrückt bekommen. Heute aber konnte es im Rucksack bleiben.

Regen und Sichuan, das gehört zusammen. „Es heißt, dass die Frauen aus Sichuan hübscher sind als andere. Sie sind blass, weil sie wenig Sonne bekommen“, wird uns kichernd erklärt. Auch die berühmte scharfe Küche dieser Gegend habe ihren Ursprung in dem feuchtwarmen Klima, reichlich verwendetes Chili soll bei wetterbedingtem Unwohlsein helfen. „Es treibt die Feuchtigkeit und Hitze aus dem Körper.“

Wo die wilden Pandas wohnen - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Sauerstoff für unterwegs

Die Provinz gilt als eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden Chinas. Und so brauchen wir von Jiuzhaigou aus am nächsten Tag auch nur rund 100 Kilometer zu fahren, um gleich zum nächsten Unesco-Welterbe zu gelangen: dem Nationalpark Huanglong. Hier geht es noch höher hinauf, auf weit mehr als 3000 Meter. Kurz vor dem Parkplatz an der Seilbahn macht Reiseleiterin Liu ein ernstes Gesicht und erinnert uns an die kleinen Fläschchen mit traditioneller chinesischer Medizin gegen Höhenkrankheit, die sie zu Beginn der Reise verteilt hatte. Dann öffnet sie große Kartons. Vor der anstehenden Wanderung bekommt jeder noch eine Sprühflasche in die Hand – eine Extraration Sauerstoff für unterwegs, nur für den Fall der Fälle.

Dünne Luft - atemberaubender Blick bergab

Oben angekommen, muss davon aber kaum jemand Gebrauch machen. Auch die Sauerstoffbars, die an dem Wanderweg rund um die spektakulären Kalk-Sinterterrassen aufgebaut sind, bleiben so gut wie leer. Allerdings macht sich die dünne Luft hier schon bemerkbar. Wir kommen schnell aus der Puste, sobald es ein bisschen bergauf geht, und gehen automatisch langsamer. Aber hetzen will hier ohnehin niemand. Oft bleiben wir stehen, um den Blick schweifen zu lassen. Die Wasserbecken, an denen entlang die Wanderroute wieder bergab zurück ins Tal führt, leuchten je nach Sonnenstand und Lichteinfall in blassem Hellblau, sattem Grün oder strahlendem Türkis. Ein Traum!

Natur mit zwei Gesichtern

Die Hauptstadt Chengdu ist Ausgangspunkt der meisten Reisen durch Sichuan. Die Provinz ist unter anderem für die hier noch in freier Wildbahn lebenden Pandas bekannt. Die Aufzuchtstation im Nordosten der Metropole, die mit Bambuswäldern wie ein großer Park gestaltet wurde, ist sehenswert.

Zwei Stunden Fahrt von Chengdu entfernt  liegt der Emei Shan, einer der vier buddhistischen Berge Chinas. Seit jeher zieht er Wanderer an, obwohl die Aussicht von oben Glückssache ist. Der Gipfel liegt meist im Nebel. Der weltgrößte Steinbuddha steht seit 1200 Jahren im nahe gelegenen Leshan. Von der Promenade des Ortes aus fahren Ausflugsboote zu der 71 Meter hohen Figur. 60 Kilometer nordwestlich von Chengdu ist in dem Ort Dujiangyan ein Bewässerungssystem und Unesco-Weltkulturerbe zu besichtigen, das nahezu unverändert seit mehr als 2000 Jahren die Wasserversorgung der Region sicherstellt.

Doch die Natur hat in diesem Bergtal der Provinz Sichuan zwei Gesichter. Sie ist wunderschön – und zugleich bedrohlich. Im Mai 2008 forderte hier ein verheerendes Erdbeben mindestens 70 000 Todesopfer. Die Ereignisse jener Tage sind in den Erzählungen der Einwohner immer noch präsent, sogar Theaterstücke greifen das Thema auf. Am Abend nach der Wandertour besuchen wir eine Folklorevorstellung. Wider Erwarten gibt es allerdings keine Volkstänze oder -lieder. Die auf der Bühne gezeigten Geschichten drehen sich allesamt um durch das Beben ausgelöschte Familien, auseinandergerissene Liebespaare und mutige Retter. Als es nach drei Tagen auf dem Rückweg aus den Bergen wieder zurück in Richtung Chengdu geht, fahren wir durch Ortschaften, die in den vergangenen Jahren komplett neu aufgebaut werden mussten.

Aber dann tauchen sie auch schon bald wieder auf, die Lichter der Großstadt. Blinkende Reklameschilder statt spiegelglatter Seen, Stadtautobahnen statt Wanderwege, Abgase statt Weihrauch. So schnell geht das. Eine andere Welt.

Von Astrid Fabricius

Reisende brauchen für China ein Visum

Anreise
Air China fliegt dreimal wöchentlich non-stop von Frankfurt nach Chengdu, Tickets für die Economy-Klasse kosten ab 550 Euro. www.airchina.de

Einreise
Für die Einreise in die Volksrepublik China ist ein Visum erforderlich, das vor Antritt der Reise eingeholt werden muss. Bei Buchung über einen Reiseveranstalter wird die Beantragung oft von der Agentur übernommen.

Klima
Als schönste Zeit in den Nationalparks gilt der Herbst von Mitte/Ende September bis Oktober.

Preisbeispiele
Ein Besuch der Nationalparks Jiuzhaigou und Huanglong ist meist eingebettet in Rundtouren durch die Provinz Sichuan, inklusive Besuch der Hauptstadt Chengdu, des Riesenbuddhas von Leshan und des heiligen Berges Emei Shan. China Tours hat eine 15-Tage-Tour ab 2999 Euro pro Person (Doppelzimmer) im Programm. Ikarus Tours bietet eine 17-tägige Reise pro Person im Doppelzimmer ab 2398 Euro.
www.chinatours.de/einzigartiges-sichuan/
www.ikarus.com

Weitere Informationen
Fremdenverkehrsamt der
Volksrepublik China
Ilkenhansstraße 6
60433 Frankfurt
Telefon: (069) 52 01 35
www.china-tourism.de
http://global.tsichuan.com/

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