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Italien: Der Ortasee im Piemont Wasser, Hähne, Wasserhähne

Die Italiener nennen ihn Cenerentola – der Ortasee im Piemont gilt als das Aschenputtel Norditaliens. Ein Besuch bietet spektakuläre Ausblicke und märchenhafte Bauwerke. Auch Ausgangspunkte für hochalpine Wanderungen sind mit dem Auto schnell erreicht

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Beliebtes Motiv: Auf der kleinen Isola San Giulio im Ortasee stehen ein ehemaliger Bischofspalast und eine Basilika. Die Skulptur ist dem Schauspieler Carl-Heinz Schroth gewidmet, der am See 
seinen Wohnsitz hatte. Er liebte das Malen.

Quelle: Hoff

Im Konzert der klangvollen Namen oberitalienischer Seen spielt der Ortasee bestenfalls die zweite Geige. Der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See stehen in der Urlaubergunst ganz weit vorne. Der westlichste See hingegen ist vor allem für die Mailänder ein beliebtes Ausflugsziel, die hier ihre Motor- und Segelboote liegen haben. Im Ausland ist der Ortasee vergleichsweise unbekannt. Nicht zuletzt deshalb nennen ihn die Italiener Cenerentola, auf Deutsch: Aschenputtel.

Doch wer die märchenhafte Schönheit des nur 13 Kilometer langen und durchschnittlich 1,5 Kilometer breiten Ortasees im italienischen Piemont erst einmal entdeckt hat, ist dem glasklaren und tiefblauen Wasser bald verfallen. In den bewaldeten Ausläufern der Alpen lassen sich Spaziergänge und sportliche Radtouren unternehmen. Manches Bergdorf scheint aus der Zeit gefallen zu sein – hier weiden wie seit alters Ziegenherden auf den Wiesen, krähen die Hähne auf dem Mist und werden Wein und Zitrusfrüchte geerntet. Auch Ausgangspunkte für hochalpine Wanderungen sind mit dem Auto schnell erreicht – bei einigen Touren geht der Blick auf das Monte-Rosa-Massiv mit dem zweithöchsten Gipfel der Alpen.

Ideal für Aktivurlaub

Anreise: Zum Ortasee gelangt man mit dem Auto über die Alpen – entweder durch die Schweiz oder durch Österreich. Der letzte Streckenabschnitt führt ab Locarno direkt am Lago Maggiore entlang oder über Bellinzona auf der Autobahn Richtung Mailand. Flugzeuge landen auf dem Airport Mailand-Malpensa. Hier kann man einen Mietwagen leihen.

Beste Reisezeit: Der Ortasee ist ein ideales Ziel für einen sommerlichen Bade- und Aktivurlaub. Auch im Herbst ist das Wasser noch warm genug zum Schwimmen. Zu dieser Jahreszeit herrschen angenehme Temperaturen für Wanderungen und Radtouren.

Unterkunft: Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze sind vor allem am Ostufer zu finden. Das Ortasee-Portal vermittelt einige Adressen.

Weitere Infos: www.ortasee-info.de

Einen Kontrast zu der herrlichen Landschaft bilden die Ebene nördlich des Sees und eine Anhöhe im Westen: Hier siedelten sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts metallverarbeitende Fabriken an. Vor allem die Stadt Omegna entwickelte sich zum Zentrum der italienischen Haushaltswarenindustrie. Weltbekannte Firmen wie Alessi und Bialetti produzierten hier hochwertige Designerstücke. Noch heute lockt ein Fabrikverkauf viele Schnäppchenjäger. Im Forum Museo in Gozzano sind viele Originale der ersten Espressokannen und Dampfkochtöpfe zu sehen. Außerdem werden in einigen Unternehmen stilvolle Badarmaturen hergestellt. Der Kalauer sei erlaubt: Zum Ortasee gehören nicht nur Wasser und Hähne, sondern auch Wasserhähne.

Dass der wirtschaftliche Erfolg der Region Wohlstand gebracht hat, ist an den vielen prachtvollen Villen abzulesen, die vor allem das Ostufer säumen. Dort liegt auf einer Halbinsel das malerische Städtchen Orta San Giulio mit dem Sacro Monte im Hintergrund: Auf dem heiligen Berg stehen 20 Kapellen, die mit prachtvollen Bildern ausgemalt sind. Vom zentralen Platz, der Piazza Motto, der von mittelalterlichen Bauten umrahmt ist, fahren Schiffe zur Isola di San Giulio, dem beliebtesten Postkartenmotiv des Ortasees. Die kleine Insel beherbergt einen ehemaligen Bischofspalast und eine Basilika. Auf einem Rundweg werden die Besucher gebeten innezuhalten und die Stille zu genießen.
Die meisten Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze befinden sich am Ostufer, viele haben einen privaten Zugang zum See.

Öffentliche Badestellen bietet vor allem die südliche Seeseite. Das Westufer ist vergleichsweise schlecht erschlossen, dafür aber umso beschaulicher, denn die Straße endet hier in einer Sackgasse. Letzter größerer Ort ist Pella mit seiner schönen Uferpromenade und einer der besten Eisdielen Italiens. Weit oberhalb davon thront auf einem Kalkfelsen die Basilika Madonna del Sasso, die einen atemberaubenden Blick auf den Ortasee bietet. Von Pella aus führt die Uferstraße noch etwas weiter den See entlang in das Dörfchen Ronco. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit im Urlaub sucht, ist hier bestens aufgehoben.

Und sicher findet man dann auch Zeit für eine Urlaubslektüre: Die Hauptfigur in dem Krimi „Tempesta – Novembersturm über dem Lago d’Orta“ ist ein Deutscher, der sich in dem Ort niedergelassen hat und eher unfreiwillig einen Mord aufklärt. Vor allem aber ist das Buch ein unterhaltsamer Reiseführer der etwas anderen Art.

Von Sebastian Hoff

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