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Italiens Vorratskammer

Unterwegs in der Emilia-Romagna Italiens Vorratskammer

Parmaschinken, Mortadella und Parmesan: Der Nordosten Italiens ist bekannt für seine Küche. Kulinarisch betrachtet ist die Emilia-Romagna eines der wichtigsten Zentren Italiens. Und hier lockt zudem eine malerische Landschaft. Eine Genussreise.

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Hierher zog es schon Joseph Ratzinger und den Dalai Lama: Pennabilli, eines der malerischen Dörfer der Emilia-Romagna.

Quelle: Pohl

Bologna. Wenn es ums Essen geht, versteht man in der Emilia-Romagna eigentlich keinen Spaß. Schließlich stammt vieles in den Küchen der Welt genau hier aus dem Nordosten Italiens. Parmaschinken, Mortadella und Parmesan etwa, Balsamico-Essig und edle Olivenöle. Nicht zu vergessen natürlich Spaghetti Bolognese, benannt nach Bologna, der Hauptstadt der Emilia-Romagna. Im kleinen Dozza aber macht sogar essen Spaß.

Foto: Essen satt: Wer in der Emilia-Romagna hungert, ist angesichts ihrer hervorragenden Küche selbst schuld.

Essen satt: Wer in der Emilia-Romagna hungert, ist angesichts ihrer hervorragenden Küche selbst schuld.

Quelle: Emilia-Romagna

Pasta nicht nur für den Priester

Dozza liegt etwa 40 Kilometer von Bologna entfernt, und hier serviert man gern ein Gericht mit dem so wohlklingenden Namen Strozzapreti. Was sich ein bisschen so anhört wie ein ganz ordentliches Kompliment bei Kerzenschein und Rotwein, heißt übersetzt ‚Würg den Priester’. Die Geschichte besagt, dass Frauen aus der Gegend diese länglichen, in sich verdrehten Nudeln traditionell Priestern bei deren Hausbesuchen gekocht haben sollen – einfach weil sie günstig waren und Priester eine kleine Gabe erwarteten. Ihre Männer hingegen, der Kirche aus Tradition nicht ganz so eng verbunden, wünschten sich, dass der Besucher am Genuss dieser Nudeln ersticken möge, daher der Name. Heute wird die verdrehte Pasta mit Sahne-Speck-Soße gern Touristen serviert – natürlich ganz ohne Hintergedanken.

Viel Kunst zwischen schmalen Gassen

Foto: Unser Dorf soll schöner werden: Bei der Biennale del Muro Dipinto verschönern Künstler die Häuser von Dozza.

Unser Dorf soll schöner werden: Bei der Biennale del Muro Dipinto verschönern Künstler die Häuser von Dozza.

Quelle: Pohl

Weniger Nudeln als vielmehr die Biennale del Muro Dipinto, die Biennale der bemalten Wand, hat Dozza weltberühmt gemacht. So verschlafen der kleine Ort mit seinen schmalen Gassen auf den ersten Blick auch wirkt – Künstler aus zig Ländern reisen alle zwei Jahre an, um Häuserwände dauerhaft mit Bildern zu bemalen. So zieht sich inzwischen ein wahrer Fundus an Kunstwerken durch die Straßen Dozzas. Manche Besucher enden dann aber doch bei dem, wofür sich die Emilia-Romagna ebenfalls gern rühmt: beim Wein. In den Kellern der Festung Rocca Sforzesca aus dem 13. Jahrhundert ist die Enoteca Regionale untergebracht, eine Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten Winzer der Region zu präsentieren. 800 Weine von 250 Gütern sind hier inzwischen erhältlich, was in etwa den Stellenwert dieses Getränks hierzulande deutlich macht. Besonders stolz ist man ausgerechnet auf eine Sorte, die im Ausland oft eher als Studentenfusel bekannt ist: Lambrusco. „Mit dem, was man in Deutschland darunter versteht, hat der echte Lambrusco nicht viel zu tun“, beteuert Maurizio Manzoni, Manager des Weinhandels der Enoteca Regionale. Der prickelnde Rote werde hierzulande nur aus den besten Trauben hergestellt, und das in langer Tradition: „Man sagt, die Perlen helfen, den Mund vom Fett des Essens zu reinigen“, erklärt Manzoni. Die Sehnsucht vieler Deutscher nach der Emilia-Romagna hat traditionell vor allem einen Namen: Rimini. Der Badeort an der Adria gilt bis heute als das Symbol der Generation Käfer. Die nach wie vor typisch symmetrisch ausgerichteten Sonnenschirme stehen bis heute über mehrere Kilometer entlang des Strandes. Fast alle wichtigen Hotels sind in einer Reihe davor angeordnet und nach wie vor sind sie in jedem Sommer rappelvoll mit sonnenhungrigen Familien.

Viel mehr als einen Platz an der Sonne

Was manchem Besucher verborgen bleibt, der sich vom Strand nicht viel wegbewegt: Rimini bietet weitaus mehr als einen Platz an der Sonne – die Altstadt gehört zu den eindrucksvollsten der Region. Hinter dem Augustusbogen, dem Ehrenbogen der Römer aus dem Jahr 27, sind einige historische Schätze verborgen. Auch wenn die Stadt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zu den hart umkämpften Punkten des Landes gehört hat, wie Helga Schenk betont. Schenk stammt aus dem Südwesten Deutschlands, doch vor Jahrzehnten ist sie hier in der Emilia-Romagna geblieben – der Liebe wegen. Heute ist sie Übersetzerin, Kennerin der Region und auch immer wieder als Führerin durch die Region unterwegs.

Foto: Reiseziel der Generation Käfer: Rimini bietet neben seiner typischen Strandkulisse auch etliche historische Bauten.

Reiseziel der Generation Käfer: Rimini bietet neben seiner typischen Strandkulisse auch etliche historische Bauten.

Quelle: Pohl

Der Domus des Chirurgen ist solch eine Ecke: Mitten in Riminis Zentrum haben Archäologen 1989 an der Piazza Ferrari die Überreste eines Stadthauses aus römischer Zeit sowie eines weiteren aus der Spätantike entdeckt. Die Ausgrabungsstätte ist heute vor allem wegen der gut erhaltenen Mosaike sehenswert.

Bis heute huldigt man in Rimini einem der bekanntesten Kinder der Stadt: Federico Fellini. Der große italienische Filmemacher wuchs hier auf, und er soll schon als Kind oft vor dem prachtvollsten Hotel gestanden haben, dem Grand Hotel am Strand, um sich nach einem Leben in Luxus zu sehnen. Später wurde er tatsächlich Stammgast in dem opulenten Bau. Die Geschichte besagt sogar, dass er hier in seinem Lieblingszimmer einen Herzanfall erlitt, an dessen Folgen er wenig später im Krankenhaus in Rom starb. Rimini erinnert würdevoll an ihn – unter anderem, indem die Stadt ihren kleinen Flughafen nach seinem Tod nach dem Regisseur benannte.

Beliebtes Bergdorf

Auch in Pennabilli lebt man vom Ruf eines Filmschaffenden: Tonino Guerra, bekannter Drehbuchautor unter anderem für Fellini, ließ sich in den Achtzigerjahren in dem kleinen Bergdorf südwestlich von Rimini nieder und hinterließ nach seinem Tod einen reichhaltigen Fundus an zumeist selbstgeschaffenen Kunstwerken. Hoch über den engen Gassen des Ortes ist sein früheres Wohnhaus inzwischen zu einem kleinen Museum geworden. Gemeinsam mit seiner Frau Lora pflegen Freunde des 2012 verstorbenen Autors dessen Andenken. Noch zu Lebzeiten hatte Guerra entscheidenden Anteil an der Bekanntheit Pennabillis – im Haus des bekennenden Atheisten waren mehrfach Berühmtheiten wie der spätere Papst Joseph Ratzinger sowie der Dalai Lama zu Gast. Die enge Bindung zu Tibet zeigt sich bis heute in Form einer Gedenkglocke auf einem Gipfel über dem Ort.

Foto: „Chef to Chef“: Die Köche Massimiliano Poggi (links) und Riccardo Agostini bieten Bestes aus der Region.

„Chef to Chef“: Die Köche Massimiliano Poggi (links) und Riccardo Agostini bieten Bestes aus der Region.

Quelle: Pohl

Riccardo Agostini versucht, Pennabilli ganz in der Tradition der Emilia-Romagna auch kulinarisch zu bestem Ruf zu verhelfen. Der Sternekoch hat sich hier kurz vor den Toren des Ortes einen Namen gemacht. Produkte aus der Region zeitgemäß zu verarbeiten – das ist seine Mission. „Mit Kräutern und Gewürzen interpretieren wir eigentlich bekannte Gerichte ganz neu“, verdeutlicht er. Den Gästen scheint es zu gefallen – und auch seinen Kollegen: Gemeinsam mit 51 weiteren Köchen bildet Agostini die Vereinigung Chef to Chef. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei ihren Gerichten speziell die Produkte aus der Region zu nutzen. Auswahl gibt es schließlich genug in der Emilia-Romagna.

Von Michael Pohl

Hin und Weg

Anreise
Air Berlin fliegt im Sommer von mehreren deutschen Airports direkt nach Rimini. Air Dolomiti bedient mehrmals täglich ab München den Flughafen Bologna. Zugfahrten gibt es via München nach Bologna. Mit dem Auto fahren Reisende über den Brenner und Verona.

Beste Reisezeit
Am besten im Frühling oder Herbst – im Sommer kann es heiß und feucht werden, außerdem an den Stränden voll. Der Winter bietet sich für Städtetrips an. In den Bergen der Emilia-Romagna ist es grundsätzlich kühler als am Meer.

Unterkunft
Nobel und geschichtsträchtig: Grand Hotel, Parco Federico Fellini. Modern und direkt am Strand: Holiday Inn Rimini Imperiale, Viale Vespucci, 16.
www.grandhotelrimini.com

www.hirimini.com/de/

Weitere Informationen
www.emiliaromagnaturismo.it/de

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