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Locker schwingen in Laax

Skifahren in den Schweizer Bergen Locker schwingen in Laax

Mit 235 Pistenkilometern ist das Skigebiet Laax größte zusammenhängende Skigebiet Graubündens. Abseits schulmäßiger Standards erfreut es Jung und Alt gleichermaßen - auch mit Freestyle-Spots, Bündnerfleisch und Winterwanderwegen.

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Einfach locker drauf: Laax bietet breite, wenig befahrene Pisten - da ist auch mal 'ne Pause am Berg drin.

Quelle: gaudenzdanuser.com

Severin Müller ist ein Skilehrer wie aus dem Bilderbuch: gutaussehend, braungebrannt, sportlich, freundlich und fröhlich. Der 27-Jährige hat in fast allen Situationen ein Lächeln auf den Lippen, und in seinem Wortschatz rangiert die Vokabel „gut“ ganz oben – meist langgezogen ausgesprochen als „guuuuut“. Nur „suuuuper“ kann da mithalten.

Der blondgelockte Mann aus den Bergen versprüht einen solchen Charme, dass man ganz vergisst, dass man sich diesen Skikurs eigentlich gar nicht leisten kann. Denn Severin Müller wedelt, springt und sprintet durch die Schweizer Alpen, und die Schweiz ist für Bundesbürger und andere Euro-Leidtragende derzeit das, was früher Ungarn für DDR-Bürger war: ein Hochpreisland der Extraklasse.

235 zusammenhängende Pistenkilometer

Das gilt besonders für Schweizer Skigebiete. Die Skiregion Laax ist hier leider keine Ausnahme. Das mit 235 Pistenkilometern größte zusammenhängende Skigebiet Graubündens ist das Einsatzgebiet von Severin Müller. Der junge Schweizer ist hier nicht nur in den Wintermonaten aktiv. Von März bis Dezember nämlich treibt Müller als Bauleiter in Höhenlagen zwischen 1000 und 3000 Metern den Bau neuer Liftanlagen voran. Und auf der weißen Piste bringt „der Severin“ seinen Kunden nicht nur das Skifahren bei, sondern auch das eine oder andere Freestyle-Kunststück.

Vier Snowparks für Anfänger bis zum Profi

Denn Laax hat sich einen Ruf als Eldorado für Ski- und Snowboardvergnügen abseits der schulmäßigen Standards erworben. In vier Snowparks finden sich Schanzen und andere Herausforderungen für Anfänger bis Profis, und in einer europaweit führenden Freestyle-Akademie bieten Schaumstoffgruben und eine Kunstschnee-Schanze Raum für Trockenübungen und weich gepolsterte Abstürze. „Beim ersten Mal hatte ich noch Angst, aber jetzt ist es einfach nur cool“, sagt Pascal, der mit seinem Snowboard gerade zu einem neuen Sprung von der Indoor-Schanze ansetzt. Es ist sein erster Tag auf der künstlichen Schanze, bald will der Vierzehnjährige den Sprung auch mal im Schnee wagen.

"Man schreibt Freiheit ganz groß"

Severin Müller beweist, wie weit man es in der Sportart bringen kann. Der Skilehrer schafft es nach sieben Freestyle-Jahren, sich beim Sprung zweieinhalbmal um die eigene Achse zu drehen. Freestyle ist für Severin nicht einfach nur Sport, sondern eine Lebenseinstellung. „Man ist einfach locker drauf und schreibt Freiheit ganz groß“, sagt der gebürtige Luzerner.

Betont junges Image

Mit seiner Freestyle-Ausrichtung gibt Laax sich ein betont junges Image. Das Durchschnittsalter liegt denn auch – deutlich niedriger als in anderen Skigebieten – bei 42 Jahren. Vor allem Familien mit Kindern kommen hier auf ihre Kosten. Herzstück ist das Rocksresort, das seinen Namen von den Felsen der Umgebung ableitet. Unmittelbar am Fuß der Laaxer Bergbahn gibt es einen integrierten Komplex von Hotels, Appartementwohnungen, Restaurants, Cafés, Skiverleih und Skidepots.

Die Architektur besticht durch Schlichtheit und Zweckmäßigkeit; die durchweg schiefergrauen Fassaden bestehen aus Valser Quarzit, einem Felsgestein, das ganz in der Nähe abgebaut wird. Besonders gelungen sind die Appartementwohnungen mit den riesigen Fensterfronten und dem minimalistisch gestalteten, aber luxuriösen Interieur – vom Induktionsherd bis zur Dampfsauna. Wer außerhalb der Hochsaison (Weihnachten und Februar) kommt, darf sich sogar über vergleichsweise günstige Preise freuen.

Käsefondue und Bündnerfleisch

Die Restaurants in Laax und Umgebung sind zwar teuer, aber sehr gut und vielfältig. Man kann sich hier von Spitzenköchen mit Speisen aus fast allen Teilen der Welt verwöhnen lassen – natürlich auch mit einem Käsefondue oder Bündnerfleisch aus der Region. Besonders empfehlenswert ist das Tegia Larnags, ein Speiselokal mit Hüttenatmosphäre etwa hundert Meter oberhalb von Laax direkt an der Skipiste. Daneben lockt eine Bar mit Disko- oder Livemusik zum Après-Ski bis in die Nacht.

Porsche-Lift mit freier Sicht

Ganz unabhängig vom Essen hat das abwechslungsreiche Skigebiet auch älteren Menschen einiges zu bieten. Die Pisten sind schneesicher, bestens präpariert, breit, meist wenig befahren und landschaftlich atemberaubend schön gelegen – vom Vorabgletscher bis ins Tal. Und die 29 Liftanlagen sind zumeist äußerst komfortabel, ein sogenannter Porsche-Lift bietet nicht nur die Bequemlichkeit eines Porschesitzes, sondern durch das Abschwenken um 45 Grad auch eine freie Sicht auf die Bergwelt. Und wer es im Rocksresort von Laax zu laut findet, kann in das eher traditionelle Bergdorf Falera eintauchen, das wie der Fremdenverkehrsort Flims Teil der großen Skiregion ist. Sogar Langlaufloipen finden sich in der Nähe.

Winterwanderweg zum Weltkulturerbe

Wer sich ganz ohne Skier durch die Berge bewegen möchte, kann auch einfach nur wandern. Ein gut markiertes Netz von rund hundert Kilometern führt über gut begehbare Winterwanderwege, die schönste Aussichten eröffnen – zum Beispiel auf die Rheinschlucht oder den Caumasee. Und nirgendwo in Europa lässt sich die Gebirgsbildung eindrucksvoller bestaunen als in Laax. Die Tektonikarena Sardona ist nicht ohne Grund zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden.

Auch im Skigebiet kann man an durchgehenden Linien sehen, wie sich europäische und afrikanische Kontinentalplatten übereinander geschoben haben. Und wer sich die Freestyle-Akrobatik selbst nicht zutraut, kann die Kunststücke von Severin Müller und Gleichgesinnten auch aus der sicheren Distanz einer Gondel oder Berghütte bewundern.

Von Heinrich Thies

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