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Dieser Weg wird kein leichter sein

Radurlaub Dieser Weg wird kein leichter sein

Mit dem Fahrrad durch die Wüste, entlang der alten Seidenstraße: Wer das zentralasiatische Usbekistan per Muskelkraft bereist, braucht zwar Durchhaltevermögen – dafür erfährt er aber viel über die Seele des Landes.

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Eine unbekannte Welt: Im Jurtencamp fühlt sich der Radtourist wie die Karawanen-Reisenden vor tausend Jahren – fasziniert von der Stille der Wüste Kysyl Kum und dem weiten Himmel.

Quelle: Haase

Blauer Himmel, heiße Sonne, kaum Wind. Die Hitze flirrt über dem Asphalt, kein Auto hupt an diesem Sonntag in die Stille. Neben uns Wüste, nichts als Wüste. Hin und wieder baut sich eine Windhose auf und wirbelt über die Straße. Irgendwann hört der Asphalt auf, der Weg wird steinig, sandig. So könnte es ausgesehen haben, als vor mehr als tausend Jahren Karawanen Gewürze, Seide und andere Kostbarkeiten vom fernen China bis zum Mittelmeer brachten. Und wenn man jetzt in der Ferne tiefblaues Wasser leuchten sieht, kann das nur eine Fata Morgana sein.

Fotos: Laut wurde es auf der Landstraße nur, wenn Lastwagenfahrer unsere Autorin Petra Haase anhupten.

Laut wurde es auf der Landstraße nur, wenn Lastwagenfahrer unsere Autorin Petra Haase anhupten.

Quelle: Haase

Büfett in der Wüste

„Das ist der Aydarkul“, sagt Sokir Saidow und holt uns in die Gegenwart zurück. „Ein riesiger künstlich angestauter See, der jedes Jahr weiter wächst“, erklärt unser Reiseleiter. Der Aydarkul ist das Ziel unseres heutigen Ausflugs – nach der 25-Kilometer-Radfahrt. Am Ufer steht ein Picknick unter weißem Sonnensegel. Wir genießen das Büfett in der Wüste, die Ruhe und die Entspannung, bevor wir uns am nächsten Tag wieder auf eine längere Tour auf befahreneren Pisten begeben.

Moscheen als riesige Souvenirläden

Wir, das sind zwei Ehepaare (Mitte 50 bis Mitte 60), unser Reiseleiter und ein Busfahrer. Der Plan: 14 Tage lang per Zug, Bus, aber vor allem Rad die alte Kultur der Seidenstraße und das neue Leben in Usbekistan erkunden. Ausgangspunkt ist die Zwei-Millionen-Metropole Taschkent, Hauptstadt der jungen, postsowjetischen Republik. Türkisblau leuchten die Kuppeln der sanierten Moscheen, Mausoleen und Koranschulen, die zum Teil noch in Betrieb sind. Etwa 80 Prozent der Usbeken sind Moslems, sehen die Glaubensausübung aber eher lax. Und so sind viele Moscheen in Wirklichkeit riesige Souvenirläden mit bunter Keramik, Stickereien, Schnitzereien und Suzanis – bunt bestickten Wandteppichen. Ein Tag nur bleibt zum Kaufen und Knipsen, bevor wir im Nachtzug nach Buchara fahren.

Foto: Die Barakhon Koranschule in Taschkent mit den typischen türkis leuchtenden Kuppeln.

Die Barakhon Koranschule in Taschkent mit den typischen türkis leuchtenden Kuppeln.

Quelle: Haase

Eine märchenhafte Stadt

Willkommen in 1001 Nacht. Die Morgensonne taucht Buchara, die Heilige Stadt, in der einst 800 Moscheen und Koranschulen standen, in märchenhaftes Licht. Der orientalische Stadtkern mit seinen Lehmhäusern, Basaren, der mächtigen Kalon-Moschee und der Medrese Mir i Arab, der größten Koranschule Zentralasiens mit den türkisfarbenen Kuppeln, ist fast vollständig erhalten. Man könnte tagelang durch die Straßen ziehen – doch wir sind hier nicht zum Vergnügen. Die Mountainbikes stehen im Hof des Hotels bereit.

Mit dem Rad durch die rote Wüste

Etwa 400 Kilometer werden wir in der nächsten Woche von der fruchtbaren Buchara-Oase aus in die Wüste Kysyl Kum fahren, mehrere Mittelgebirgs-Pässe überqueren, bei Familien und in einem Jurtencamp übernachten. Doch schon bei der Probefahrt merken wir: Dieser Weg wird kein leichter sein. Der Asphalt ist voller Löcher, Risse und Dellen. Doch Sokir lotst uns sicher aus der Stadt, und als der Verkehr ruhiger und die Landschaft weiter wird, stellt sich langsam Seidenstraßen-Gefühl ein. Durch die Rote Wüste, wie Kysyl Kum wegen der rot blühenden Tamarisken übersetzt wird, ziehen Schafherden und wilde Pferde. Baumwollpflückerinnen, Straßenhändler und Bauarbeiter winken uns zu, laden uns zum Tee ein. Nach 80 Kilometern verbringen wir die erste Nacht im prächtigen Haus des Töpfermeisters Abdullah Aka – ein nationaler Keramik-Star. Er zeigt uns sein kleines Museum, seine Frau und Tochter servieren ein üppiges Mahl, eine gute Stärkung für den nächsten Tag mit 800-Meter-Anstieg auf den Karaqarga-Pass. Sokir sorgt für die nötigen Pausen, im Begleitbus steht jederzeit Wasser zur Verfügung – und Mitfahrgelegenheit, falls jemand schlappmacht.

Mit Gegenwind durch die Hitze

Doch alle halten durch bis zum Ende unserer Reise, auch wenn Gegenwind, Berg-und-Tal-Fahrten und die Hitze uns manchmal zu schaffen machen. Fünf Mal übernachten wir bei einheimischen Familien. Wer Usbekistan mit dem Rad bereist, erfährt viel über die Seele des Landes. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen entschädigen für das Abstrampeln auf Wüstenstraßen. Unsere Gastgeber sind zur Familienfeier eingeladen. Kein Problem, sie nehmen uns einfach mit. Zur Hochzeit kommen mindestens 500 Gäste, bei der Nachfeier sind es weniger. Männlein und Weiblein sind hier streng getrennt.

Foto: Die Fladenbrote aus dem Lehmofen wurden den Radfahrern zum Abendbrot frisch serviert.

Die Fladenbrote aus dem Lehmofen wurden den Radfahrern zum Abendbrot frisch serviert.

Quelle: Haase
Usbekistan – Land der Gastfreundschaft

Alle Usbeken, die wir erleben, sind offen und herzlich. Auch bei unserer letzten Station Samarkand, eine der ältesten Städte der Welt. Der Wüstensand wird im schönen Hotel abgeduscht, die Metropole Zentralasiens trumpft mit den Höhepunkten islamischer Baukunst. Das Mausoleum Guri Amir, die Bibi Chanym Moschee, der Registan-Platz, die Gräber-Stadt Schah-i-Sinda sind Sinfonien in Blau-Türkis-Gelb, eine Wucht an Farben und Kunstfertigkeit. „Ich bitte Sie, Samarkand ist doch eigentlich bloß Märchen“, schrieb Theodor Fontane vor mehr als 100 Jahren. Daran hat sich nichts geändert.

Radfahrer schaffen bis zu 80 Kilometer am Tag

Anreise
Die Fluggesellschaften Aeroflot oder Usbekistan Airways bieten Flüge von Frankfurt/Main nach Taschkent an.

Einreise
Deutsche Reisende benötigen ein Visum. Es ist erhältlich bei der Botschaft der Republik Usbekistan, Perleberger Straße 62,
10559 Berlin, Telefon: (030) 3 94 09 80.

Beste Reisezeit
Im April und Mai sowie September und Oktober lohnt sich die Reise besonders.

Strecke
Flug nach Taschkent, Nachtzug nach Buchara, Fahrrad nach Samarkand, Schnellzug zurück nach Taschkent.

Schwierigkeit
25 bis 80 Kilometer pro Tag schafft man bei mittlerer Kondition. Räder werden für 90 Euro gestellt.

Veranstalter
Biss Reisen veranstaltet landeskundliche Aktivreisen. Die Touren sind ab 2690 Euro für 15 Tage buchbar.
www.biss-reisen.de

Mehr Infos im Reiseblog
www.radtage.de

Von Petra Haase

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