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Landgänge in der Südsee

Kreuzfahrt nach Polynesien Landgänge in der Südsee

An Kaviar, Champagner und Gänseleberpastete herrscht kein Mangel: Eine Kreuzfahrt durch Polynesien verspricht 14 Tage höchsten Genuss - mit dem Schiff geht es von Tahiti bis zur Osterinsel.

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Weltbekannt: Die monumentalen Steinskulpturen Moai auf der Osterinsel (oben). Das Eiland ist als Nationalpark Rapa Nui seit 1995 Teil des Unesco-Welterbes. Zeremonielle Tänze gehören zur Kultur der Osterinsel (rechts). Fotos: Thies

Quelle: Heinrich Thies

Irgendwo in der Südsee. Ein warmer, bisweilen böiger Wind weht über das Meer und bringt das Kreuzfahrtschiff „L’Austral“ zum Schaukeln. Aber nur ganz sanft. In fließenden Bewegungen lässt Polynesierin Manu bei der Abendshow in der Main Lounge des Schiffes Arme und Beine kreisen. Es scheint, als würde sie eine Geschichte erzählen – begleitet vom Ukulelespiel und dem Gesang Raimanus, einem jungen Mann, der wie Manu aus Tahiti stammt.

Raimanu ist Barmann und Manu üblicherweise in der Boutique. Aber an diesem Abend dürfen die beiden zeigen, dass sie mehr können. Manu kann tanzen wie ihre Vorfahren. „Ich bin stolz auf meine Insel“, sagt die 31-Jährige. Ihre Mutter entstammt dem Königshaus Tahitis. Manus Vater hingegen ist Franzose und Chefkoch auf Kreuzfahrtschiffen. Auch der Kapitän und seine Offiziere sind Franzosen – wie 70 Prozent der 193 Passagiere auf dem Schiff der französischen Ponant-Flotte, das zu den kleinsten, aber feinsten der Branche zählt.

Die vierzehntägige Kreuzfahrt führt 4500 Kilometer von Tahiti durch Französisch Polynesien bis zur legendären Osterinsel. Tahiti gehört seit 1834 zu Frankreich und ist damit die entlegenste Überseeprovinz der EU. Europäisch geht es auch an Bord zu – auf hohem Niveau. An Kaviar, Lachs und Gänseleberpastete herrscht kein Mangel. Wer möchte, kann von morgens bis abends Champagner trinken. Sogar die Minibar ist im Preis inbegriffen. Der ist zwar hoch, aber es wird auch einiges geboten. Die Kabinen – fast alle mit Balkon – sind äußerst komfortabel; ein Spa-Bereich lockt mit Dampfbad, Massage und Fitnessgeräten, und den ganzen Tag ist irgendwo Livemusik zu hören – vom Klavierkonzert bis zum Kabarett mit dem Schiffsarzt. Vor allem aber bietet das verhältnismäßig kleine Schiff mit dem Yachtambiente die Möglichkeit, kleine Inseln anzusteuern – Häfen, die für Kreuzfahrtgiganten unerreichbar sind.

Fakarava

Erste Station ist Fakarava, ein schmales Atoll, das vor allem wegen seiner Unterwasserwelt als Biosphärenreservat der UNESCO geschützt ist. Schon beim Schnorcheln zeigen sich Korallen und bunte Fische. Schön ist es aber auch, nur durch das warme Wasser der türkisfarbenen Lagune zu schwimmen, getragen vom Auf und Ab der Brandungswellen. Zur Erfrischung gibt es Kokosmilch, frisch von der Palme.

Mangareva

Nach einem Tag auf See ankern wir vor Mangareva, der Hauptinsel des Gambier-Archipels, 1700 Kilometer südöstlich von Tahiti. Diesmal werden wir mit dem Tenderboot übergesetzt. Im Inseldorf Rikitea wartet ein Freiluft-Büfett mit tropischen Früchten, garniert mit traditionellen Tänzen laubbekleideter Insulaner. Der Exportschlager der Inselgruppe sind schwarze Perlen. Nach einem Rundgang durch das Inseldorf mit der großen Kirche und düsteren Missionarsvergangenheit haben die Passagiere Gelegenheit, eine der Perlenfarmen zu besichtigen.

Pitcairn

Nach einem weiteren Tag auf See kommt die kleine Insel Pitcairn in Sicht – berühmt durch die Meuterei auf der Bounty. Neun Meuterer suchten hier 1790 Zuflucht vor den Briten, begleitet von zwölf Frauen und sechs Männern aus Tahiti. Die Nachfahren – derzeit sind es nur 45 – bevölkern die Insel immer noch. Fast alle sind an diesem Sonntag auf den Beinen, um Souvenirs anzubieten. So oft haben sie dazu schließlich keine Gelegenheit. Nur etwa drei kleine Kreuzfahrtschiffe steuern die meist stürmische Bounty-Bay pro Jahr an. Wir nutzen die seltene Gelegenheit, das tropische Eiland zu erkunden. Es lohnt sich. Denn die Spuren der Meuterer finden sich überall. Zu besichtigen sind nicht nur der Anker, die Kanone und die Bibel der Bounty, sondern auch die Felsgrotte, in der sich Anführer Fletcher William verborgen hielt. Auf dem Friedhof ist auch John Adams begraben, der die Meuterei am längsten überlebte.

Die Osterinsel

Von Pitcairn geht es weiter zur 2000 Kilometer entfernten Osterinsel, dem Ziel – und für viele Höhepunkt – der Kreuzfahrt. Ihren Namen bekam die Vulkaninsel, weil der Niederländer Jakob Roggeveen sie 1722 an einem Ostermontag entdeckte. Die Bewohner nannten sie damals schon Rapa Nui: weit entfernter, heller Flecken. Es ist die einsamste Insel der Welt, vom chilenischen Festland 3800 Kilometer entfernt. Trotzdem gehört Rapa Nui, so die offizielle Bezeichnung, politisch zu Chile.

Die Faszination dieser Insel aber rührt aus einer Zeit, als die Bewohner sich buchstäblich noch für den „Nabel der Welt“ hielten. Kolossale Steinfiguren mit überdimensionalen Köpfen künden davon. Die Moai sind zu Ehren verstorbener Stammeshäuptlinge errichtet worden, die auch nach ihrem Tod ihr Volk beschützen sollen. Sie sind bis zu  21 Meter groß und tonnenschwer. Besucher können rund 900 davon bestaunen, ebenso die mythischen Stätten des Vogelmannkults – Überreste einer Hochkultur, die vor gut 200 Jahren zu Ende gegangen ist.

Zwei Tage lang durchstreifen die Kreuzfahrer, begleitet von ortsansässigen Führern, Rapa Nui – vor allem den Nationalpark mit dem Kratersee, der Steilküste und dem Felsen, aus dem die Insulaner einst die Moais herausmeißelten.  Viele Besucher sind erstaunt, wie grün die Insel ist.

Kreuzfahrtschiffe sind zwar immer noch selten, dafür aber landet täglich ein Flugzeug aus Chile. Doch die Zahl der Hotels, Cafés und Restaurants ist überschaubar, und sogar über der Dinnershow für die Kreuzfahrer liegt noch der Zauber des Ursprünglichen. Während Musiker mit Trommeln und Gitarren aufspielen, führen spärlich bekleidete , bemalte Frauen und Männer zeremonielle Tänze auf. Besonders kämpferisch ins Zeug legt sich ein Mann mit Federschmuck und Lendenschurz.

Er habe die Tänze von seinen Onkeln gelernt, erzählt der „Indianer“ mit dem deutsch klingenden Namen Christian Walter Hucke. „Mein Adoptivvater ist Deutscher“, sagt der 25-Jährige. Dennoch stehe er zu seinen Vorfahren: „Mein ganzer Clan stammt ja von hier, die Tänze sind Teil unserer Kultur.“

Von Heinrich Thies

Start in Papeete

Die Reise
Die beschriebene Kreuzfahrt zur Osterinsel wird 2016 erneut von Ponant angeboten. Das Schiff legt am 6. Oktober 2016 in Papeete/Tahiti ab und ist 14 Tage lang unterwegs. Die Preise pro Person in einer Zweibettkabine liegen zwischen 4900 und 7830 Euro – eventuell plus Einzelzimmeraufschlag.  

Anreise
Die Anreise nach Papeete ist am einfachsten mit Air France via Paris – ausgehend von fast jedem deutschen Flughafen. Die Rückreise von der Osterinsel nach Santiago de Chile ist ausschließlich mit LAN möglich – sie wird von Ponant zusammen mit der Kreuzfahrt als Paket angeboten. Flüge von Santiago de Chile nach Paris bzw. zu deutschen Flughäfen hat Air France im Programm.

Klima
Die Südsee ist nicht gleichbedeutend mit tropischer Hitze. Auch auf Tahiti fällt – besonders im Oktober – bisweilen eine Menge Regen, und über die Osterinsel weht oft ein frischer Wind. Dennoch kann man seine Winterkleidung getrost zu Hause lassen. Aber Badesachen nicht vergessen! Das Meer ist immer warm.

Weitere Informationen
www.ponant.de

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