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Armes, reiches Neustartland

Asien Armes, reiches Neustartland

Myanmar wird bei Reisenden immer beliebter. Ob Yangon, Bagan oder Amarapura: Das asiatische Land hat viel zu bieten. Eine Rundreise...

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Exklusives Erlebnis: Viele Reisende schauen sich die Tempelfelder von Bagan von einem Heißluftballon aus an.

Quelle: Fotolia

„Postkarte aus Myanmar: Liebe Lena, dieses Land leuchtet sanftgelb und lächelt, es erscheint mir von Tag zu Tag weniger fern und fremd. Am Ufer des Flusses Ayeyarwady sehe ich die Armut, in anderen Orten erkennt man den Wandel, ich spreche mit Bauern und Lehrern, die demokratisch leben wollen, es aber erst lernen müssen. Ein Mönch in Amarapura sagt: Reisen, sich öffnen für Neues, nimmt die Angst. Er predigt die Kunst des Loslassens. Ich erlebe ein Land, in dem etwas beginnt, und man spürt, dass es nicht einfach wird. Die burmesische Coverband im Hotel spielt etwas von Hank Williams, später dann „Let It Be“ und verbindet meine vertraute und die fremde Welt auf einfache Weise. Es ist gut, in diesem mutigen Neustartland unterwegs zu sein.“

Ein Land im Umbruch

Die Reise nach Myanmar endet mit dieser SMS nach Hause. Sie ist der Versuch, acht aufregende und anstrengende Tage zusammenzufassen. Sozialismus und Militärdiktatur haben die ehemalige britische Kolonie seit der Unabhängigkeit zu einem der ärmsten Länder der Welt werden lassen. „Aber“, sagt Reiseleiterin Nang, „Myanmar ist ein armes reiches Land.“ Das heißt: Der Wohlstand ist äußerst ungleich verteilt. Seit fast einem Jahr regiert Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi mit ihrer Nationalen Liga für Demokratie das Land. Im Straßenbild taucht „The Lady“, wie die Burmesen die 71-jährige Demokratie-Ikone nennen, immer wieder auf.

"Wir müssen Demokratie erst lernen."

Ma Thanegi, Buchautorin und Journalistin

Rund 4,7 Millionen Touristen, vor allem Westeuropäer und Amerikaner, besuchten 2015 Myanmar. Zehn Jahre zuvor waren es nur 200.000 gewesen. Kulturelle Schätze wie das Tempelfeld von Bagan haben das Land zum Lieblingsziel für Asienreisende gemacht. Myanmar geht das neue Tempo mit. Kaum war das Wirtschaftsembargo des Westens aufgehoben, war schon die erste US-Fastfoodkette da.

Baby Moon

Wir fliegen mit Air KBZ und Mann Yadanarpon Airlines, Gesellschaften, deren Namen wir noch nie zuvor gehört haben. Wir geben unser Gepäck ab, man überreicht uns einen Aufkleber, den wir an die Jacke heften, dann steigen wir ein in die Propellermaschine, suchen uns einen Platz – und vertrauen. Eine der Stewardessen im hellblauen Kostüm heißt tatsächlich Baby Moon. Sie lächelt und sagt: „Mingalabar!“ Guten Tag. Die Bonbons, die sie bringt, schmecken nach Melone. Die Angst schwindet. Wir, mit allen möglichen Impfungen und Verhaltensregeln angereist, lernen auf dieser Reise, auch ein bisschen locker zu lassen.

Barfußgehen

Buddha ist allgegenwärtig. Zwölf Kloster oder Tempelanlagen stehen auf dem Besichtigungsprogramm. Zwölfmal ziehen wir unsere Schuhe vor dem Betreten aus, weil wir sonst nicht hinein dürften. „Schuhe ausziehen!“, ruft Nang das erste Mal vor der Shwedagon-Pagode in Yangon. Der Buddhismus erscheint uns hier, wo alles sanftgelb leuchtet, als eine friedfertige, Gelassenheit versprechende Religion. Die Goldlegierung der Stupa, dem zentralen Bauwerk, zahlen die Gläubigen. „Myanmar ist ein Spendentopland“, sagt Nang. Obwohl viele Menschen sehr arm sind, geben sie unglaubliche Summen für die Mönche oder den Erhalt der Pagoden, um ihr Karma zu verbessern, um irgendwann nicht mehr wiedergeboren, sondern erlöst zu werden und ins Nirwana zu kommen. „Denn“, erklärt Nang, „Leben ist Leiden.“

„Ja, wir sind sehr geduldig“

Wir lernen Myanmar durch die Menschen kennen, mit denen wir sprechen. Ma Thanegi war Aung San Suu Kyis Privatsekretärin, bis diese 1989 nach dem Volksaufstand unter Hausarrest gestellt wurde. Die Buchautorin und Journalistin hat selbst im Gefängnis gesessen. Sie empfängt uns im Strand Hotel von Yangon, einem alten Kolonialbau. Die 70-Jährige ist skeptisch und optimistisch zugleich. „Wir müssen Demokratie erst lernen“, sagt sie. Eine bessere Bildung und viele neue Jobs im Tourismus könnten künftig dazu beitragen, dass aus obrigkeitsgläubigen Untertanen mündige Staatsbürger werden, meint Ma Thanegi. Der Wandel werde Generationen dauern, prophezeit sie und fügt angesichts der jahrzehntelangen Unfreiheit an: „Ja, wir sind sehr geduldig.“

Sitzen wie ein Mönch

Ashin Kelasa lebt im Mahagandayone-Kloster in Amarapura. Der studierte Mathematiker ist seit 25 Jahren Mönch. Der 48-Jährige lehrt seine Schüler und gestresste Europäer die Kunst der Meditation. „Wir sind Gefangene unserer Gefühle“, sagt er, als sei er ein buddhistischer PR-Mann. Buddhismus sei „ein Werkzeug“, um sich zu befreien. Wer wünscht sich das nicht? Sich abkoppeln zu können von Ängsten, Belastungen des Alltags und vom Kummer. Einfach loslassen. Wir können noch nicht einmal so sitzen wie er, mit verschränkten Beinen, aufrecht, lässig. Bald sind wir uns sicher, dass der Buddhismus, der offenbar auf Verzicht beruht, keine Spaßreligion ist.

Bilder aus Bagan

Foto: Die meisten Einheimischen können sich keine Heißluftballonfahrt leisten. Der kleine Junge aus Myanmar verkauft für wenige Dollar Zeichnungen der Ballons.

Die meisten Einheimischen können sich keine Heißluftballonfahrt leisten. Der kleine Junge aus Myanmar verkauft für wenige Dollar Zeichnungen der Ballons.

Quelle: Begalke

Manche Kinder sind nicht in der Schule. Stattdessen warten sie am Wegesrand auf Urlauber, um Blumen oder selbstgemalte Bilder zu verkaufen. Die Buntstiftzeichnungen, die uns ein etwa siebenjähriger Junge hinhält, zeigen die Heißluftballons von Bagan. Wenn die ersten oder die letzten Sonnenstrahlen des Tages dieses gigantische Tempelareal in sanftrotes Licht hüllen, strömen die Touristen herbei. Eine Ballonfahrt am frühen Morgen ist ein exklusives Erlebnis, denn sie kostet 365 Dollar. Die Pagoden sind Monumente tiefer Religiösität, 2300 sind noch erhalten. Wir klettern auf die Aussichtspagode, mit hunderten anderen. Es ist eine nicht gerade leise, esoterische Massenveranstaltung. Wir starren in die Ferne, die Gedanken driften. Alles wird für einen Augenblick sanftrot. Zwei Dollar haben vier Ballon-Bilder gekostet.

Der Tag auf dem Inle-See

Foto: Die 55-jährige Daw Win Ma arbeitet in einer Zigarrenfabrik in Nam Pan für einen kleinen Lohn

Die 55-jährige Daw Win Ma arbeitet in einer Zigarrenfabrik in Nam Pan für einen kleinen Lohn

Quelle: Begalke

Wie ein Rudel Mopeds klingen die Langboote, in denen wir über den Inle-See sausen. Vorbei an den Einbeinruderern, diesen akrobatischen Fischern. Vorbei an schwimmenden Gärten und mitten durch ganze Dörfer, die auf Pfählen im Wasser stehen. Wir kaufen auf einem Markt eine Kokosnuss, setzen uns neben einem Blumenkohlverkäufer und trinken den Saft durch einen Strohhalm. Burmesen, die vorbeigehen, lächeln. Wir fühlen uns bestaunt. Bisher war es umgekehrt. Für einen Moment scheinen wir Teil dieses fremden, nach Kokos schmeckenden Gewusels zu sein. Ein Glücksmoment. Der Kontrast ist krass. In einer Zigarrenfabrik in Nam Pan erzählt die 55-jährige Daw Win Ma von ihrem Leben. Seit sie 15 ist, dreht sie Zigarren im Akkord. Gerade einmal drei Dollar am Tag würde sie für 1000 Stück bekommen. Sie schafft aber nur 700. Ein Caffè Americano in der schicken Bar Boon in Yangon kostet 2,50 Dollar. Wir sind beschämt. „Vielleicht“, sagt sie, „bringt der Wandel höhere Löhne.“ Sie hofft und lächelt.

Von Mathias Begalke

Hin und Weg

Beste Reisezeit
Myanmar befindet sich in der tropischen Klimazone und unterliegt dem Einfluss der Monsunwinde. Die beste Reisezeit ist der birmanische Winter, also die trockenen, kühleren Monate von November bis Februar. In der Regenzeit zwischen Mai und Oktober kann der Reiseradius dagegen durch schlammige Straßen und unpassierbare Wege stark eingeschränkt werden. Mit Temperaturen von bis zu 35 Grad kann das Reisen während der heißen Jahreszeit zwischen März und Mai beschwerlich werden.

Essen und Trinken
Grundnahrungsmittel in Myanmar ist Reis, den es bei jeder Mahlzeit gibt. Dazu isst man milde Currys aus Gemüse, sowie Garnelen, Huhn, Fisch, Schwein, Rind oder Hammel und Gewürzen. Chilis gehören nicht in die Currys, deshalb sind sie längst nicht so scharf wie etwa in Thailand.

Reisemöglichkeiten
Eine neuartige Kombination aus Erlebnisreise durch Myanmar und Kreuzfahrt durch Asien bieten der Reiseveranstalter Gebeco und die Kreuzfahrtreederei Tui Cruises an. Die zehntägige Myanmar-Rundreise führt die Urlauber unter anderem in die Tempelstadt Bagan, an den Inle-See mit seinen schwimmenden Gärten und Einbeinruderern, in die junge Metropole Mandalay sowie die frühere birmanische Hauptstadt Yangon mit ihrer goldenen Shwedagon-Pagode. Danach schließt sich eine siebentägige Kreuzfahrt mit der „Mein Schiff 1“ nach Malaysia, Vietnam oder Thailand an. Drei Routen stehen zur Auswahl. Die An- und Abreise über Singapur übernimmt Singapore Airlines. Die 17-tägige Erlebniskreuzfahrt ist ab 3095 Euro buchbar.

Weitere Informationen
Gebeco Service Center
Telefon: (0431) 5 44 60
E-Mail: contact@gebeco.de

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