Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Im Rausch von Marock ’n’ Roll

Nordafrika Im Rausch von Marock ’n’ Roll

Von der Wüsten- bis zur Küstenstadt: Marrakesch und Essaouira in Marokko locken mit authentischem Charme.

Voriger Artikel
In Singapur gibt es billigstes Michelin-Stern-Mahl der Welt
Nächster Artikel
Mehr als "Bling-Bling": Was Luxusurlaub heute ausmacht

Bekanntes Bauwerk: Die Hafenmauer von Essaouira am Atlantik wurde in der Fantasyserie „Game of Thrones“ Teil der Stadt Astapor.

Quelle: Behrens

Seit Touristen aus aller Welt in die Wüstenstadt Marrakesch reisen, gibt es einen Wettstreit unter den Händlern am Henkersplatz in der Altstadt: Wer errät zuerst die Nationalität der Reisenden? Und wer schafft es zuerst, seine Ware anzupreisen – in der jeweiligen Landessprache? Die lauten „Bondschorno“-, „Holla“-, „Hello my friend“- und „Gudde Tag“-Rufe, die über die Djemaa de el Fna, wie der Henkersplatz in Landessprache heißt, hallen, mögen nach Verballhornung der Touristen klingen. Doch unter den Händlern zählt nicht nur, wer die meiste Ware verkauft, sondern auch, wer die meisten Fremdsprachen auf dem Kasten hat. Wer mitten in Marokko fälschlicherweise auf Schwedisch angesprochen wird, sollte die Angelegenheit mit Humor nehmen.

Foto: Leer ist es auf dem Djemaa el Fna, dem zentralen Marktplatz in Marrakesch, selten. Verkäufer buhlen hier um die Aufmerksamkeit der Touristen.

Leer ist es auf dem Djemaa el Fna, dem zentralen Marktplatz in Marrakesch, selten. Verkäufer buhlen hier um die Aufmerksamkeit der Touristen.

Quelle: Behrens

Erhoben aus Wüstensand

Vor knapp tausend Jahren wurde Marrakesch von den Berbern in der Wüstenebene im Schatten des mächtigen Atlasgebirges gegründet. Wie eine schneebedeckte Stadtmauer ziehen sich die Berge circa 70 Kilometer südlich von Marrakesch durchs Land. Die Stadt wechselte mehrfach die Herrscher, doch daran, dass die Wüstensonne die staubigen Gassen tagtäglich zum Glühen bringt, daran hat sich nichts geändert. Der Duft von Garfeuern liegt in der Luft. Nur ein paar hundert Meter weiter stehen die Schlangenbändiger zwischen mannshohen Obst- und Gemüsebergen und sind zu Scherzen aufgelegt. Wer nicht aufpasst, dem wird zur Freude der Umstehenden – und vor allem der des Reptilienexperten – eine Schlange um den Hals gelegt. Direkt nebenan lässt eine Gruppe Männer ein paar Affen tanzen. Die Tiere tragen pinkfarbene Tutus, hüpfen und tänzeln wie pelzige Ballerinas zur Musik. Das muss man mögen. Oder mit Humor nehmen. Der magische – und manchmal eben skurrile – Charme macht Marrakesch einzigartig.

Im Labyrinth der Souks

Wenn die Djemaa de el Fna das Herz ist, dann sind Marrakeschs Souks die Adern der Stadt. Scheinbar wahllos winden sich die engen Gassen wie ein Labyrinth, um schließlich in den Marktplatz zu münden. Im chaotischen Treiben der Souks lässt sich schnell eine Struktur erkennen: Die Geschäfts- und Handwerkerviertel sind nach Gewerbe sortiert. Gerber, Schnitzer, Teppichweber, Schmiede und Gewürzhändler – jeder hat seinen eigenen Bereich. Meist reicht schon die Nase, um zu wissen, in welcher Gasse man gerade ist. Schwer und muffig riecht es bei den Gerbern, nur wenige Meter weiter steigt Besuchern der Geruch der Gewürzstände in die Nase. Kümmel, Chilis und exotische rot und blau leuchtende Sorten sind zu kleinen Bergen aufgetürmt. Bei einem süßen Minztee lässt sich über das Angebot feilschen. „Marokkaner lieben das Schachern um den Preis und sehen in einem erbitterten Feilscher keinen Geizhals, sondern einen Ehrenmann“, sagt Touristenführer Abdelhakim Mrabet.

Die Souks sind ein eigener Mikrokosmos, in dem man sich stundenlang treiben lassen kann. Wobei es stets ratsam ist, möglichst weit rechts zu gehen. Denn uralte Frauen knattern mit ihren Mofas durch die engen Gassen und es grenzt jedes Mal an ein kleines Wunder, dass die voll beladenen Eselskarren im Vorbeifahren nicht die Außenauslage der kleinen Stände ramponieren.

Foto: Verlockend: In den Souks von Marrakesch gibt es viele Arten von exotischen Gewürzen.

Verlockend: In den Souks von Marrakesch gibt es viele Arten von exotischen Gewürzen.

Quelle: Behrens

Riads – Marrakeschs Ruhe-Oasen

Wer Ruhe vom geschäftigen Trubel auf dem wuseligen Marktplatz oder in den engen Souks braucht, findet ihn an scheinbar verborgenen Plätzen. Hinter den sandfarbenen Fassaden in engen Gassen warten in den typisch marokkanischen Riads kleine Oasen: Die Villen, die römischen Atriumhäusern nachempfunden wurden, bieten Schatten und leuchtend grüne Innenhöfe. Viele Riads dienen als Hotels. In jeder Ecke plätschert ein Brunnen, und in den verwinkelten Bauten gibt es derart viele Nischen, dass es nicht gerade einfach ist, anderen Gästen über den Weg zu laufen.

Menschentrubel in den Abendstunden

Nach Sonnenuntergang geht das Treiben auf dem Djemaa de el Fna richtig los. Dann wird der Marktplatz zu einem gigantischen Open-Air-Club. Menschen strömen in den kühlen Abendstunden ins Stadtzentrum, erledigen ihre Einkäufe – und gehen anschließend tanzen. Trommeln und Bässe wummern. Von der Dachterrasse der Riads ist das Spektakel auch aus größerer Distanz zu hören und zu sehen. Die Stadt dröhnt, und vom Marktplatz steigen Staub und Rauch auf. Nicht selten, bis die Sonne am nächsten Tag wieder aufgeht.

Auf den Spuren von Jimi Hendrix

200 Kilometer weiter westlich wehen Shirts mit dem Aufdruck von Jimi Hendrix’ Ebenbild im Atlantikwind. Der weltbekannte Gitarrist ist für Essaouira, was die Beatles für Hamburg oder David Bowie für Berlin sind: ein musikalischer Ehrenbürger. Dabei hat Hendrix in Marokko weder Auftritte gespielt noch bedeutende Songs geschrieben. Er hat bloß Urlaub gemacht. Und wie Touristenführer Abdelhakim Mrabet zwischen den Zeilen durchblicken lässt, waren vor allem das Opium- und Haschangebot die ausschlaggebenden Parameter für das Reiseziel – Marock ’n’ Roll.

Unterwegs in der Küstenstadt

Foto: Lohnenswertes Ziel: Große Teile der Altstadt von Essaouira sind noch gut erhalten.

Lohnenswertes Ziel: Große Teile der Altstadt von Essaouira sind noch gut erhalten.

Quelle: Behrens

Die Küstenstadt will natürlich nicht als Drogenhölle gelten. Genau, wie man auch darauf bedacht ist, die Sicherheit im Land anzupreisen. Im Gegensatz zu anderen nordafrikanischen Ländern ist Marokko großenteils von den Wirren des Arabischen Frühlings verschont geblieben. Und König Mohammad VI. handelte geschickt: Er sicherte dem Volk mehr Mitbestimmung zu, verstärkte die Gewaltenteilung und gilt in Sachen Frauenrechte als recht fortschrittlich. Dass die Touristen aus Angst vor Terror nicht mehr nach Ägypten und Tunesien reisen, sehen die Marokkaner als Chance.

Zu den lohnenswerten Zielen im Land zählt eben auch Essaouira. Die Altstadt ist großenteils in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, die meisten Hotels stehen etwas außerhalb, dicht am Atlantik. Besonders prägnant ist die Hafenmauer samt Turm, die als Kulisse der Stadt Astapor für die Fantasyserie „Game of Thrones“ diente. Von der Mauer blickt man auf das kleine Hafenbecken, wo die heimischen Fischer ihren Fang an Restaurants, Hotels und die angrenzenden Imbissbuden verteilen.

Die Ferienhäuser der Politiker

Noch sind es hauptsächlich Briten und Franzosen, die in die Stadt kommen und nach Marrakesch weiterreisen. Zwei prominente Landesvertreter haben dort sogar Häuser: der ehemalige englische Premierminister Tony Blair und Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy. Dass einmal ihre Konterfeis auf Shirts gedruckt im Wind wehen, ist eher unwahrscheinlich. Da haben die beiden alten Städte und ihre Bewohner schon ganz andere Persönlichkeiten gesehen. Und so wirklich Marock ’n’ Roll sind die beiden ehemaligen Staatschefs nun auch nicht.

Von Manuel Behrens

Hin und Weg

Anreise
Direktflüge nach Marrakesch gibt es mehrmals wöchentlich von Frankfurt am Main mit Ryanair und AirArabia Maroc. Der beliebte Badeort Agadir wird von zahlreichen deutschen Flughäfen direkt angeflogen. Der Münchener Reiseveranstalter FTI baut sein Programm in Marokko im Winter weiter aus. Zwischen Agadir, Marrakesch und Essaouira ist außerdem ein neuer Bus-Shuttle eingerichtet worden.

Klima
Die Winter in Marrakesch sind mild, im Sommer wird es heiß und trocken. Von Juli bis September scheint die Sonne durchschnittlich zehn Stunden pro Tag.

Unterkunft
Das Riad Ifoulki im Herzen von Marrakesch ist eine wunderschöne, traditionelle Anlage, in der man vom Trubel der Stadt nichts mitbekommt. Vom Atlas Essaouira & Spa in Essaouira sind es nur wenige Schritte bis zum Strand. Der Hafen und die Altstadt sind gut zu Fuß erreichbar. Wer es luxuriöser mag, wird sich in der portugiesischen Kolonialstil-Villa de L’o wohlfühlen.

Weitere Informationen
www.visitmorocco.com

www.fti.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Rund um die Welt
Leseraktion: Zimmer mit Aussicht

Teilen Sie den schönsten Ausblick aus ihrem Urlaubsdomizil mit anderen Lesern: Die besten Einsendungen veröffentlichen wir in dieser Bildergalerie.