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Beidrehen für den Blauwal

Nordeuropa Beidrehen für den Blauwal

Urlaub rund um Island, dem flächenmäßig zweitgrößten Inselstaat Europas: Eine familiär anmutende Schiffsreise zu Gletschern und Vulkanen. 

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Island hat mehr im Angebot als nur Felsen: Es blüht so blau auf der größten Vulkaninsel der Welt – sommerliches Panorama beim Landausflug.

Quelle: Stosch

Heute wird Fisch eingekauft. Thomas Pfennigs denkt so an knapp 1000 Kilogramm – Steinbeißer, Kabeljau, Schellfisch, Lachs, alles beste Qualität, alles direkt aus dem Nordmeer. In der Hosentasche seiner Uniform trägt der Hotelmanager der „Ocean Diamond“ ein dickes Bündel Dollarnoten. „Frischer als hier kann ich den Fisch nicht bekommen“, sagt der Mittfünfziger.

Anker werfen vor der Küste

Vor ein paar Minuten erst hat das kleine Kreuzfahrtschiff an Islands Nordwestküste festgemacht. Im Vorbeigehen grüßt Thomas den Hafenmeister und bittet ihn um ein Autogramm von dessen Sohn Mugison bei der nächsten Begegnung in gut einer Woche. Mugison ist schließlich eine Sängerberühmtheit weit über die Insel im Nordatlantik hinaus. Zu Fuß geht Thomas weiter, sind ja nur ein paar Meter zu Kári Thor Jóhannsson, dem Fischhändler seines Vertrauens.

Foto: Frisch auf den Tisch: Kári Thor Jóhannsson ist für Hotelchef Thomas Pfennigs der Fischhändler seines Vertrauens.

Frisch auf den Tisch: Kári Thor Jóhannsson ist für Hotelchef Thomas Pfennigs der Fischhändler seines Vertrauens.

Quelle: Stosch

Die bestellte Ware ist bereits filetiert und verpackt, aber Kári hat noch ein paar Prachtexemplare auf Lager. „Wollt ihr mal sehen?“, fragt er. Schon zieht er erst einen mächtigen Dorsch und dann einen Catfish aus einem Bottich. Ein paar Meter weiter bestücken zwei Fischer ihre Leinen mit 500 silbrig glänzenden Köderfischen. Morgen früh geht es für sie wieder hinaus.

Krawatten aus gefärbter Fischhaut

„Bei uns gibt es noch genug Fisch“, sagt Kári. Ein Zufall ist das nicht: Unbeugsam bis hin zu „Kabeljaukriegen“ haben die Isländer ihre 200-Meilen-Fangzone verteidigt. Für Touristen hat Kári noch schicke Krawatten aus gefärbter Fischhaut im Angebot. Ausländische Gäste sind auf Island seit der Finanzkrise 2008 mindestens ebenso wichtig wie frischer Fisch – und spätestens seit den Heldentaten der heimischen Fußballmannschaft bei der Europameisterschaft 2016 ist der Andrang der Besucher enorm.

"Ocean Diamond" – ein schwimmendes Hotel

Dann geht’s für Thomas auch schon wieder zurück an Bord: Knapp 200 Passagiere wollen gut versorgt sein, wenn sie abends von ihren Bustouren zu Gletschern, heißen Quellen und Vogelfelsen zurückkehren. Die „Ocean Diamond“, 1973 als Fähre vom Stapel gelassen und später zum Personendampfer umgebaut, ist neun Tage lang ihr schwimmendes Hotel – und das einzige Schiff, das im Sommer regelmäßig Island umrundet. Und das ist nicht die einzige Besonderheit: Mit einem alten isländischen Volkslied hat Expeditionsleiter Örvar Mar die Gäste beim ersten Treffen begrüßt. Er ist von Haus aus Opernsänger und keineswegs der einzige an Bord. Der halbe isländische Opernchor scheint auf dem Schiff versammelt und läuft geschlossen zum Geburtstagsständchen auf. Da ist auch Reiseleiterin Arndis Halla dabei: Sie tourte lange Jahre als Sängerin bei der Pferdeshow „Apassionata“ durch Europa, ist nun nach Hause zurückgekehrt und versteht sich besonders auf Elfen: An einem Abend gibt sie eine musikalische Einführung ins Leben der Geisterwesen, die praktisch in jedem Lavafelsen wohnen (können).

Foto: Direkt in die Küche der „Ocean Diamond“ geht der frische Fisch.

Direkt in die Küche der „Ocean Diamond“ geht der frische Fisch.

Quelle: Stosch

Isländische Parallelwelt

Gut möglich auch, dass gar nicht Feuer und Eis Island geformt haben (und immer noch formen), sondern riesige Trolle dafür zuständig sind. Gern plaudern die Isländer von dieser Parallelwelt. Laut Umfragen schenkt ihr mancher Einheimische mehr Glauben als den komplizierten Erklärungen der Geologen, die ihrerseits von Kontinentaldrift und Grabenbruch in einer tektonischen Hochrisikozone schwärmen.

Nicht nur Arndis erprobt sich in mehreren Jobs, viele der 330.000 Isländer tun es ihr gleich. Ihre Kollegin Thora zum Beispiel arbeitet in den langen, dunklen Wintermonaten als Musiklehrerin in Reykjavik. Kapitän Sten Bergqvist, ein Schwede, ist nur Kapitän, spielt aber immerhin manchmal abends zu später Stunde Klavier in der Club Lounge.

Besuch beim Kapitän

Man kann den Kapitän jederzeit auf der Brücke besuchen, sogar beim Einlaufen in einen Hafen. Gibt es manchmal Probleme mit Eisschollen? „Dank des Golfstroms überhaupt nicht“, sagt der Kapitän, auf dessen Namensschild einfach Sten steht. Auch er lässt sich mit Vornamen ansprechen, so wie es auf Island üblich ist. Stoppt Sten das Schiff, wenn ein Wal zum Fotoshooting vorbeischaut? „Wenn es die Zeit zulässt, dann gern. Bei der vorigen Umrundung haben wir für einen Blauwal beigedreht.“

Foto: Mit Zodiacs brechen die Passagiere  zu Spazierfahrten an Islands Küste auf.

Mit Zodiacs brechen die Passagiere  zu Spazierfahrten an Islands Küste auf.

Quelle: Stosch

In Islands Hauptstadt Reykjavik hat diese bald schon familiär wirkende Tour begonnen, im Uhrzeigersinn führt sie um die größte Vulkaninsel der Welt. Gefahren wird zumeist nachts. Wenn die Passagiere noch beim Frühstückskaffee sitzen, erreicht das Schiff den nächsten Hafen. Größere Schiffe als die 124 Meter lange „Ocean Diamond“ würden sich kaum zwischen Fischtrawlern und Walbeobachtungsbooten hindurchmogeln können – und schon gar nicht durch eine Hafeneinfahrt wie die der Westmännerinseln, die seit dem Vulkanausbruch von 1973 deutlich schmaler ist.

Spaziergang im Naturspektakel

Schon vom Wasser leuchten einem jeden Morgen wieder bunte Holzhäuser entgegen. In den kurzen, heftigen Sommermonaten ist Island alles andere als grau: Lupinen, Stiefmütterchen, Schafgarbe und Silberwurz – alles blüht nach Kräften. In Akureyri, der mit knapp 20.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt auf der Nordseite, tief verborgen im Fjord Eyjafjörður, kann man durch einen botanischen Garten mit üppigem Baumbestand flanieren – eine Seltenheit auf Island, seit die Wikinger die Wälder gerodet haben. Was für ein lieblicher Spaziergang inmitten all der gewaltigen Naturspektakel!

Magie der Natur

Tief beeindruckt ist der Besucher von dampfenden Erdspalten, donnernden Wasserfällen und rumorenden Vulkanen – und noch mehr imponiert ihm die Beharrlichkeit der Isländer. Heute stemmen sie kilometerlange Tunnel in die Berge, früher waren sie in ihren Dörfern oft über Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Schneebedeckte Berge ziehen in den niemals dunklen Nächten an der Küste vorbei. Nur ungern geht man ins Bett, will man doch keinesfalls etwas verpassen. Ist das da zwischen den Nebelwolken der mythenbeladene Vogelfelsen Hornbjarg?

Zwischen den Buckelwalen

Foto: Buckelwal voraus: Hautnahe Begegnung mit dem Meeressäuger – und auch Papageientaucher sind bei der Inselumrundung gern gesehene Island-Bewohner.

Buckelwal voraus: Hautnahe Begegnung mit dem Meeressäuger – und auch Papageientaucher sind bei der Inselumrundung gern gesehene Island-Bewohner.   

Quelle: Stosch

Am Ende dieser Reise hat der Islandfahrer Fischer wie Kristjan getroffen, dessen Familie seit Generationen dem kürzlich wegen seines Methusalem-Alters zu einiger Berühmtheit gelangten Grönlandhai nachstellt. Der Reisende hat einiges über den Hering gelernt, dessen Export Island erst die Entwicklung zu einem modernen Staat ermöglichte. Und er hat vor der Küste von Húsavík glücklich in einem Schlauchboot gesessen, während sich um ihn herum ein Dutzend Buckelwale prustend am Krill labte.

Ach ja, am letzten Abend vor der Rückkehr nach Reykjavik hat Hoteldirektor Thomas als kulinarischen Höhepunkt Seeteufel serviert. In ein paar Tagen geht er wieder bei Kári, dem Fischhändler seines Vertrauens, einkaufen. Die Ware ist schon bestellt – garantiert fangfrisch.

Von Stefan Stosch

Hin und Weg

Anreise
Die Fluggesellschaft Icelandair fliegt von Frankfurt/Main, München und Hamburg nonstop nach Reykjavik, die Maschinen von WOW air starten von Berlin-Schönefeld, Düsseldorf und Frankfurt, Lufthansa von Frankfurt/Main.

Klima
Obwohl Island nur rund 20 Kilometer südlich vom Polarkreis liegt, ist das Klima relativ mild, insgesamt aber ozeanisch-kühl. Die Sommer sind mit Temperaturen von bis zu 15 Grad Celsius recht kühl, die Winter gemessen an der Lage vergleichsweise mild. Das Wetter kann ganzjährig schnell wechseln.

Reiseangebot
Island-Umrundungen auf der „Ocean Diamond“: achtmal zwischen 16. Mai und 13. September 2017. Preise ab 1595 Euro pro Person. Landausflüge und Hin- und Rückflug extra.

Weitere Informationen
Island ProTravel GmbH, Telefon: (040) 286687160, E-Mail: info@icelandprocruises.de
www.icelandprocruises.de

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