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Wo sich Lombardei und Piemont treffen

Norditalien Wo sich Lombardei und Piemont treffen

Klare Seen, malerische Inseln und voralpine Landschaft: ein Besuch in der Provinz Varese in Oberitalien. Ein Besuch...

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Aufbruch zu den Borromäischen Inseln: Von Cerro di Laveno aus sind die fünf Eilande im Lago Maggiore gut erreichbar.

Quelle: Wanninger

Rau bläst uns der frische Wind am frühen Morgen um die Ohren. Dafür ist die Sicht, die wir vom Ostufer des Lago Maggiore bis hin zu den Schweizer Bergen im Nordwesten haben, umso klarer. Gianluigi Arioli vom Centrovela und seine Männer bereiten einen kleinen Segler vor, der uns von Cerro di Laveno aus zu den Borromäischen Inseln bringen soll. Eine gewisse Skepsis – in Anbetracht des Wellenganges – ist in den Augen der Gäste, die zunächst das kleine Motorboot besteigen, das uns zum Segelschiff bringt, nicht zu übersehen. Dort trocken angekommen, entspannen sich ihre Gesichtszüge. Fünf Minuten später haben wir bei gehissten Segeln Kurs in Richtung Stresa genommen: Auf den Gesichtern der Gäste ist Freude zu sehen.

Segel setzen auf dem Lago Maggiore

Während der rund zweistündigen Überfahrt erfahren wir von Kapitän Gianluigi, der den 212 Quadratmeter großen See wie seine Westentasche kennt, viel Wissenswertes. An manchen Stellen sei er bis zu 372 Meter tief, ein kleiner Teil von ihm gehört zur italienischen Schweiz, und die restlichen rund 80 Prozent teilen sich die Lombardei im Osten und das Piemont im Westen. Wer Ruhe und Natur sucht, dem seien das Ostufer und die Provinz Varese angeraten, so der Kapitän, der hier, an seinem Heimatsee, bereits als Kind mit dem Segeln begann. „Der Westen ist mit seinen berühmten Orten und Inseln zwar viel bekannter, aber dafür ist er eben auch weit mehr touristisch überlaufen und natürlich teurer. Köpfe einziehen, klar zur Wende“, fügt er wie selbstverständlich an. Unterwegs zeigt er uns im Vorbeigleiten schon einmal das Kloster Santa Caterina del Sasso, das jetzt noch unscheinbar im Schatten liegt. Wie aus dem Felsen gemeißelt, erhebt es sich an dem steinigen Landvorsprung. Die Besichtigung wollen wir uns für unseren Rückweg aufheben.

Foto: Eines der bekanntesten Wahrzeichen des Lago Maggiore: Das Kloster Santa Caterina del Sasso wurde an einem steilen Berghang erbaut.

Eines der bekanntesten Wahrzeichen des Lago Maggiore: Das Kloster Santa Caterina del Sasso wurde an einem steilen Berghang erbaut.

Quelle: Wanninger

Kleine Insel, viele Besucher

Nach einigen Wenden erreichen wir die hübsche, winzige Isola dei Pescatori. Spätestens hier wird klar, was Gianluigi meinte: Hunderte von Menschen schieben sich durchwinzige Gässchen und drängen sich an den Verkaufsständen im Hafen. Wir setzen daher wenig später auf die Isola Bella über – mit dem Linienschiff, denn unser Kapitän ist längst auf seinem Rückweg.

Erkundung auf der Isola Bella

Auf der malerischen Isola Bella sprudelt ebenfalls das Leben. Die Touristen verteilen sich hier aber etwas besser auf die Sehenswürdigkeiten. Die Insel, die nach Isabella, der Comtesse aus dem Adelsgeschlecht Borromeo, benannt wurde, war einst nur ein unfruchtbarer Felsen. Zwischen 1650 und 1671 baute Vitaliano Borromeo auf der Insel einen ansehnlichen Sommerpalast und ließ große Mengen Erde auf die Insel bringen, um einen prächtigen, terrassierten Garten und einen Barock-Palast zu errichten. Der Palazzo beherbergt prächtige Gemälde, flämische Teppiche und sehenswerte Grotten, Räume, die der Sommerfrische der Familie dienten. Bis heute wohnen gelegentlich Familienmitglieder in einem Teil des Palazzo. Als Zeichen ihrer Anwesenheit wird dann die Flagge gehisst.

Spätestens beim Betreten der Gärten wird klar, warum so viele Menschen hierher drängen: Der Skulpturenreichtum, die Opulenz der Blumen und Sträucher, zwischen denen weiße Pfauen stolzieren – man sollte das alles einmal gesehen haben!

Foto: Opulent zeigen sich die Gärten der Isola Bella.

Opulent zeigen sich die Gärten der Isola Bella.

Quelle: Wanninger
Foto: Von der Isola Bella blicken Besucher auf das Ostufer – also die Lombardei.

Von der Isola Bella blicken Besucher auf das Ostufer – also die Lombardei.

Quelle: Wanninger

Kurs auf die Lombardei

Dennoch sind wir froh, als uns das Schiff übersetzt, zurück ans lombardische Seeufer zum Kloster Santa Caterina del Sasso, das im sanften Spätnachmittag-Licht besonders zur Geltung kommt. Schwester Iris, die hier schon seit über 20 Jahren lebt, führt uns durch den wunderbaren Komplex der einstigen Einsiedelei mit der Katharinenkapelle aus dem 12. Jahrhundert. Mit sprühender Begeisterung zeigt sie uns die Fresken des Kapitelsaals aus dem 13. Jahrhundert, erzählt von den letzten sechs Karmelitermönchen, die vor rund 250 Jahren die Einsiedelei verließen, aber auch von den 40 Stahlträgern, mit denen der 60 Meter hohe Felsen in den vergangenen Jahren gesichert wurde. Sogar ein Aufzug wurde installiert, um die vielen Besucher nach oben zu bringen, wo in einem kleinen Verkaufsraum selbsthergestellte Produkte wie Töpferwaren und Tees nach Hildegard von Bingen angeboten werden.

Bummeln durch die "Gartenstadt"

Rund eine Stunde vom Lago Maggiore entfernt befindet sich der weit unbekanntere Lago di Varese am Fuße der etwas erhöht liegenden, gleichnamigen Provinzhauptstadt. Sie wird auch gern als „Die Gartenstadt“ bezeichnet, denn zahlreiche Grünanlagen lockern das Stadtbild auf, und viele Gärten, die einstmals in Privatbesitz waren, sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Die herrschaftlichen Gärten des Palazzo Estense aus dem 18. Jahrhundert waren schon immer für die Bürger geöffnet. Dort tummeln diese sich auch heute noch gern, genießen das Plätschern des eindrucksvollen Brunnens, spazieren durch die Alleen aus Hainbuchen vorbei an bunt blühenden Blumenbeeten hinauf zum Belvedere, dem höchsten Punkt des Hügels, von dem sich ein weites Panorama über die Stadt Varese eröffnet.

Die Alpen am Horizont

Foto: Varese ist eine Hochburg für Segelflieger.

Varese ist eine Hochburg für Segelflieger.

Quelle: Wanninger

Bei einer 30 Kilometer langen Radtour rund um den See erkunden wir die voralpine Landschaft mit ihren sanft ansteigenden Hügeln am gegenüberliegenden Ufer. Nachdem wir das Sumpfgebiet Palude Brabbia passiert haben, das eine wichtige Raststätte für Zugvögel ist, kommen wir an den Eishäusern von Cazzago Brabbia an. „In tiefen Erdkellern kühlten früher die Fischer ihren Fang zwischen Eisplatten, die sie vom zugefrorenen See ernteten und mit Stroh abdeckten“, erzählt Silvano Moroni, unser Rad-Guide. Angeln könne man im See jetzt wieder, baden hingegen derzeit nicht, dazu sei der stehende See ohne Zu- und Abfluss zu veralgt. Die Gäste kommen hier gern her zum Radfahren und zum Reiten, auch als Segelflug-Gebiet sei man bekannt. Wer baden möchte, der fährt einfach an einen der zahlreichen benachbarten Seen wie etwa den Lago di Canobbio und natürlich an den herrlichen Lago Maggiore. Und wenn man dabei – ganz aus Versehen – die Grenze zwischen Lombardei und Piemont überschreitet, ist keiner dem anderen böse.

Von Adelheid Wanninger

Hin und Weg

Anreise
Mit dem Flugzeug nach Mailand, dann weiter mit dem Auto. Die Provinzhauptstadt Varese liegt nur 25 Fahrminuten vom Flughafen entfernt.

Die Provinz
Die 1200 Quadratkilometer große Provinz Varese liegt im Westen der norditalienischen Region Lombardei. Im Norden stößt sie an die Schweiz, die natürliche Grenze zum Piemont bildet der Lago Maggiore.

Unterkünfte
Wohnen nahe dem Lago di Varese: Hotel Capolago.
Wohnen am Lago Maggiore in Ranco: Albergo Belvedere.
 
Essen
In Varese: Albergo Ristorante Bologna.
Auf der Isola Bella: Ristolounge Elvezia.
In Ranco: Restaurant La Veranda.

Weitere Informationen
www.vareselandoftourism.com/deutsch
www.vareseturismo.it
www.santacaterinadelsasso.com
www.isoleborromee.it

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