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Natur pur

Unterwegs in Mittelamerika Natur pur

Costa Rica – das kleine Land in Mittelamerika bietet Urlaubern einen atemberaubenden Artenreichtum in faszinierender, abwechslungsreicher Landschaft. Eine Entdeckungstour zwischen Atlantik und Pazifik.

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Brutstätte: Am vulkanischen, dunklen Strand von Tortuguero nisten zahlreiche Meeresschildkrötenarten. Baden ist hier streng verboten, denn den Reptilien folgen Haie.

Quelle: Voss

Grün. Sattes Grün bis zum Horizont. Über den sanften und dicht bewachsenen Bergen des Regenwald-Nationalparks Braulio Carillo kreisen die Truthahngeier auf ihrem Rückweg nach Norden, Wolkenfetzen schieben sich durch die kleinen Täler. Hier, am höchsten Punkt auf etwa 1700 Metern am „Bananen-Highway“ 32 ist die Hektik des Flughafens und der Großstadt San José ebenso schnell verflogen, wie wir aus der Hauptstadt Costa Ricas herausgekommen sind. Pura Vida! Das pure Leben wartet auf uns.

Foto: Kamerascheu: Wer einen Blue Morpho vor die Linse bekommt, kann sich glücklich schätzen. Dem etwa handgroßen, wunderschönen Schmetterling werden von Schamanen magische Kräfte nachgesagt.

Kamerascheu: Wer einen Blue Morpho vor die Linse bekommt, kann sich glücklich schätzen. Dem etwa handgroßen, wunderschönen Schmetterling werden von Schamanen magische Kräfte nachgesagt.

Quelle: Voss

Durch das Labyrinth der Kanäle

Nach Tortuguero soll es gehen, einem malerischen Dörfchen an der Karibikküste Costa Ricas – nur etwa 50 Kilometer südlich von Nicaragua. Etwa drei Stunden Busfahrt sind eingeplant, dann geht es im Labyrinth der Kanäle per Boot weiter durch den Urwald. Der Fahrtwind bläst uns die feuchte Tropenhitze aus der Kleidung. Immer wieder geht der Skipper vom Gas, wenn eines der vielen Krokodile von einer Sandbank ins Wasser gleitet oder eine Bande von Weißkopfkapuziner-Äffchen durch die Baumkronen tobt.

Mit Leguanen am Pool

Die Zeit vergeht rasend schnell. Nach rund anderthalb Stunden legen wir am Steg der Mawamba-Lodge in Tortuguero an. Autos: Fehlanzeige. Nur per Boot oder mit dem Buschflugzeug gelangt man an diesen verträumten, aber deutlich touristisch geprägten Ort, dessen 30 Kilometer langer, dunkler Sandstrand zahlreichen Meeresschildkrötenarten als Brutstätte dient. Die hier nistenden Tortugas sind zugleich Namensgeber für das 1000-Seelen-Dorf („Platz, an den die Schildkröten kommen“). Zwar bekommen wir keines der Reptilien zu Gesicht, dennoch gilt hier auch außerhalb der Nistzeit: Baden verboten. Denn den Schildkröten folgen Haie. Wegen der Krokodile sollte man sich den Sprung in den Kanal ebenfalls sparen. Gott sei Dank gibt es noch den Pool der Lodge – samt Leguanen, die sich dort gelegentlich erfrischen. Zum Abendessen kreuzen zur großen Freude der Gäste regelmäßig Waschbären auf, um sich Essen vom Büfett zu klauen, Faultiere dämmern in den Bäumen vor sich hin.

Foto: Faultiere aller Art sind in Costa Ricas Baumkronen zuhause. Die trägen Tiere sind die Lieblinge der Besucher.

Faultiere aller Art sind in Costa Ricas Baumkronen zuhause. Die trägen Tiere sind die Lieblinge der Besucher.

Quelle: Voss

Im Reich der Brüllaffen

Laut ist es im Regenwald des 1975 eingerichteten, 50.000 Hektar großen Tortuguero-Nationalparks. Der allgegenwärtige typische Schrei des Goldpendel-Vogels durchdringt das Dickicht weit, die Rufe von Tukanen vermischen sich mit denen unzähliger anderer Vögel und Brüllaffen. Guide Alex Castro ist bestens vorbereitet. Der Biologe kennt nicht nur jeden Vogel beim Vornamen – per Smartphone-App hat er die hübschen Tiere mit Bild und Ruf parat. Auch ohne technische Hilfsmittel würden wir dem Führer bedingungslos vertrauen. Denn er weiß schlichtweg alles über das Land, Flora und Fauna und erklärt uns die Zusammenhänge in perfektem Englisch.

Achtsames Wandern im Dschungel

Foto: Kein Pfeilgiftfrösche, dafür ein Rotaugen-Laubfrosch – der schönste Frosch im ganzen Land.

Kein Pfeilgiftfrösche, dafür ein Rotaugen-Laubfrosch – der schönste Frosch im ganzen Land.

Quelle: Voss

Hier, mitten im Dschungel zwischen mehr als 40 Meter hohen Bäumen, ist jeder ohne Ortskenntnis aufgeschmissen. Nur noch zwei Prozent des Sonnenlichts dringen durch die dichten Blätter bis auf den Urwald-Boden. Dort ist Vorsicht geboten. Bunte Pfeilgiftfrösche, zahllose Eidechsen, Blattschneideameisen, handgroße Seidenspinnen und Taranteln sowie diverse Schlangenarten bewohnen die Urwälder. Wer sich von einer der tropischen Riesenameisen beißen lässt, kann den Tagesausflug wegen der unsäglichen Schmerzen gleich beenden. Grund zur Besorgnis gibt es aber zu keinem Moment. Keines der giftigen Tiere zeigt sich aggressiv, die seltenen frei lebenden Jaguare bekommen wir nicht zu Gesicht. Dennoch sollte sich jeder Dschungelbesucher im Klaren über dessen Bewohner sein und angemessenen Abstand halten. Insektenspray – am besten ein hochwirksames aus den lokalen Supermärkten – ist Pflichtausstattung für jeden Costa-Rica-Urlauber.

Das heiße Land zwischen den Meeren

Das kleine, nur etwa 320 Kilometer breite Land zwischen den Ozeanen ist nicht nur berühmt für Bananen, Ananas und Kaffee. Es hat auch geologisch gesehen viel zu bieten. 112 Vulkankrater gibt es in Costa Rica, viele davon liegen in einem der insgesamt 26 Nationalparks. Sieben dieser Vulkane gelten noch als aktiv, beispielsweise der Vulkan Arenal im mittleren Norden des Landes. 2010 brach dieser 1657 Meter hohe Koloss zuletzt nennenswert aus, der umliegende Nationalpark wurde daraufhin evakuiert. Heute reicht die geothermische Energie immer noch aus, um heiße Quellen zum Baden zu speisen. Der Park selbst lässt sich auf einem kleinen Stück per rasanter Seilbahn-Tour durch die Baumkronen erkunden und überblicken – hohes Suchtpotenzial ist garantiert.

Foto: Malerische Überraschung: Hinter einer Wegbiegung taucht dieser Wasserfall im Regenwald bei La Fortuna auf.

Malerische Überraschung: Hinter einer Wegbiegung taucht dieser Wasserfall im Regenwald bei La Fortuna auf.

Quelle: Voss

„Vetchkera“ heißt man uns auf Indianisch im Reservat der Bribri im Regenwald von Puerto Viejo willkommen. Nur etwa 12.000 Bribri leben noch in Costa Rica. Knapp 1000 davon im 8000 Hektar großen Reservat an der südlichen Karibikküste, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Panama entfernt. Drei Schulen gibt es hier. Brauchtumspflege und Kulturunterricht stehen im Lehrplan neben Spanisch und Englisch ganz oben. Während sich die älteren Bewohner des Reservats hauptsächlich mit der Farmarbeit beschäftigen und je nach Wetterlagen Reis, Bohnen oder Getreide anbauen, steigen immer mehr der jungen Urbewohner Costa Ricas in die Tourismusbranche ein, werden beispielsweise zu Guides ausgebildet.

Ein Traum für Ornithologen

Sebastian Hernandez ist Koordinator des Community-Centers mit einigen Schlafplätzen. Er habe das offene Gebäude aus dem Holz von 24 Bäumen selbst errichtet, jedoch 2400 neue dafür gepflanzt, erzählt der 44-Jährige stolz. Außer Touristen sind hier vor allem Biologen zu Gast. Von der nahegelegen Aussichtsplattform aus zählen in erster Linie Ornithologen die Vögel. Denn dieser besondere Ort liegt direkt unter der Nord-Süd-Route zahlloser Wandervögel. Die Geografie wirke wie ein Trichter, der die Tiere über diesen Punkt führe, berichtet Hernandez. Im Oktober 2015 zählten die Wissenschaftler dort an nur einem Tag rund 582.000 Vögel.

Foto: Die Greifschwanz-Lanzenottern gelten als aggressiv – also Abstand halten.

Die Greifschwanz-Lanzenottern gelten als aggressiv – also Abstand halten.

Quelle: Voss

Es bleibt tierisch auf dieser Reise. Denn Puerto Viejo und das nahegelegene Cahuita bieten nicht nur fantastische, unbebaute Küsten, sondern wie viele Teile des Landes auch eine beispiellose Artenvielfalt. Einigen Einheimischen scheint es nicht auszureichen, dass sie quasi in einem freien Zoo leben. Sie halten sich in privaten Mini-Zoos illegal heimische Wildtiere. Werden diese krank oder von der Polizei beschlagnahmt, landen sie häufig in schlechtem Zustand im Jaguar-Rescue-Center in Puerto Viejo. Skye Nichol, seit einem Jahr Zoologin in der Auffang- und Aufzuchtstation, betreut und versorgt die Tiere gemeinsam mit 30 bis 40 jungen Freiwilligen aus aller Welt rund um die Uhr – mit dem Ziel, die meisten der Kaimane, Affen, Vögel und Faultiere wieder auszuwildern. Besucher können sich dort bei einer Führung nicht nur informieren. Sie kommen auch in engen Kontakt mit den Tieren. Spätestens, wenn sich eines der kleinen Brülläffchen auf den Schoß eines Besuchers setzt und diesen mit seinen dunklen Knopfaugen anschaut, dann ist jeder in Costa Rica angekommen und möchte so schnell nicht wieder von hier fort.

Von Martin Voss

Hin und Weg

Anreise
San José in Costa Rica ist beispielsweise von Frankfurt am Main mit Iberia über Madrid erreichbar. Lufthansa fliegt die Hauptstadt von Frankfurt aus via Panama an. Direkt geht es von München mit Condor. Auch Air France fliegt nach Costa Rica.
Beste Reisezeit
Reisen sind ganzjährig möglich. An der Karibikküste und in den Regenwäldern ist es eher schwül und feucht, an der Pazifikküste je nach Saison auch trocken. In den Höhenlagen herrscht angenehmes Klima.
Unterkunft
Die Mawamba-Lodge in Tortuguero ist zwar unklimatisiert, aber sauber. Das Cameleon-Hotel in Puerto Viejo ist sehr schön angelegt, das Hotel Kioro am Fuß des Vulkans Arenal luxuriös und atemberaubend gelegen.
www.mawamba.com
www.lecameleonhotel.com
www.hotelarenalkioro.com

Währung
Gezahlt wird in Colones oder besser in US-Dollar. Die meisten Geldautomaten schließen um 22 Uhr. Alle gängigen Kreditkarten werden akzeptiert.
Weitere Informationen
www.visitcostarica.com

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