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Eine Stadt spürt den Aufbruch

Unterwegs in Spanien Eine Stadt spürt den Aufbruch

Das Tief in Spanien scheint überwunden – in Madrid wird gefeiert, als habe es nie eine Wirtschaftsflaute gegeben.

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Prachtbauten, wohin das Auge blickt: Madrids Zentrum lebt vom architektonischen Erbe, wie dem Metropolis-Haus im Vordergrund.

Quelle: iStock

Madrid hat sich herausgeputzt. Nicht unbedingt mit Fahnen oder Girlanden, dafür mit Sonnenschein und einer Prachtkulisse aus historischen Bauten. Der Palacio Real, der Königspalast, ragt majestätisch am Rande der Plaza de Oriente hervor, direkt im Zentrum der spanischen Hauptstadt. Vor den Cafés und Restaurants am anderen Ende des Platzes ist kaum ein freier Tisch zu sehen. Das jahrelange Tief der Wirtschaftskrise, die weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt gewordene Rekordarbeitslosigkeit – sie scheint vergessen. Zumindest hier am touristischen Mittelpunkt der mit rund 3,2 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt der EU. „Es geht bergauf“, sagt Moisés Pérez-Zapata, einer der Fremdenführer der Stadt, hoffnungsvoll. Die Arbeitslosigkeit von momentan 22 Prozent auf ganz Spanien gerechnet sei sicherlich nicht gerade niedrig. Doch das Tal sei wohl durchschritten – schließlich lag der Wert 2013 noch bei mehr als 26 Prozent. Seitdem geht die Zahl zwar langsam, aber beständig nach unten. „Die Lage bessert sich“, hat Pérez-Zapata beobachtet, „das ist allerorten zu spüren.“

Foto: Besucher zieht es vor allem in die vielen kleinen Geschäfte Madrids – wo der Inhaber mitunter noch selbst hinter dem Ladentisch steht.

Besucher zieht es vor allem in die vielen kleinen Geschäfte Madrids – wo der Inhaber mitunter noch selbst hinter dem Ladentisch steht.

Quelle: Pohl

Spanien im Aufbruch

„2015 war ein fantastisches Jahr für Spanien“, sagt auch Antonio Bauzá Alonso, stellvertretender Marketingdirektor der Hotelgruppe Barceló and Resorts. „Und 2016 wird voraussichtlich noch deutlich besser werden.“ Sein Unternehmen habe den Reingewinn im vergangenen Jahr schon verdoppeln können.

Die Prognosen versprachen einen Rekordsommer für Spanien: Rund 68,1 Millionen Touristen besuchten das Land 2015, knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr und nach Angaben des nationalen Statistikamts so viele wie nie zuvor. Auch im ersten Quartal 2016 legte die Branche erneut zu, um knapp 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der spanische Branchenverband Exceltur mahnt in dieser Phase des Wachstums zu einer Qualitätssteigerung: „Wir brauchen ein qualitativ hochwertigeres Angebot“, heißt es dort. Nur einen Platz für ein Handtuch zu bieten, genüge vielen Reisenden längst nicht mehr.

Aufbruchstimmung gezielt genutzt

Barceló hat auf den Trend bereits reagiert und Anfang des Jahres mit dem Barceló Emperatriz sein neues Flaggschiff in der spanischen Hauptstadt eröffnet: ein Fünf-Sterne-Haus im Boutiquestil, für dessen Konzept insgesamt 2000 Anregungen von Stammgästen der Kette eingeholt wurden. Eine neue Herangehensweise, mit der man die Aufbruchstimmung gezielt nutzen möchte. Sparen ist bei vielen nicht mehr das oberste Gebot. Für die Branche insgesamt ist dies auch eine Möglichkeit, eventuelle Einbußen aus den Vorjahren auszugleichen.

Markthalle als Trend-Treffpunkt

Foto: Eine von Madrids beliebtesten Attraktionen: In der Markthalle Mercado San Miguel fühlen sich nicht nur Feinschmecker wohl – hierhin kommt man für einen Wein, ein paar Tapas und eine gute Zeit.

Eine von Madrids beliebtesten Attraktionen: In der Markthalle Mercado San Miguel fühlen sich nicht nur Feinschmecker wohl – hierhin kommt man für einen Wein, ein paar Tapas und eine gute Zeit.   

Quelle: Shutterstock

In der Markthalle San Miguel, nur einen Steinwurf von Madrids Prachtplatz Plaza Mayor entfernt, fließt der Weißwein aus Flaschen. Die einzige noch erhaltene aus Eisen erbaute Markthalle der Stadt ist schon architektonisch ein Höhepunkt. Nach innen aber zieht es die Spanier längst nicht nur für den Tageseinkauf. Die historische Markthalle ist zum Treffpunkt geworden. Bei Kaffee, Wein und Tapas begrüßt man den Tag oder man lässt ihn ausklingen. Seit einer umfangreichen Sanierung des 1916 fertiggestellten Gebäudes haben die rund 30 Stände bis in die Nacht geöffnet.

Reichtum zur Schau gestellt

Madrid de los Austrias nennt man in der Stadt das zentrale Viertel, in dem sich auch die Markthalle befindet. „Los Austrias“ steht in Spanien für die Habsburger, die Madrid im 16. Jahrhundert zur Hauptstadt ausbauten. Davon profitiert die Stadt bis heute. Für Juan Carlos Oviedo ist dieses Viertel einer der Höhepunkte, die er jedem Besucher empfiehlt. Der Gästebetreuer des Barceló Emperatriz schwärmt: „Pure Magie“ erlebe man dort. „Die Gegend wurde im 16. und 17. Jahrhundert geschaffen, um Glanz in die königliche Hauptstadt zu bringen.“ Die Habsburger wollten den Reichtum, den sie mit ihren Kolonien in Südamerika erwirtschafteten, deutlich zur Schau stellen. Es ist ihnen gelungen – bis heute. Das Madrid der Habsburger zeugt vom Glanz längst vergangener Zeiten.

Foto: Statuen säumen zahlreiche Plätze.

Statuen säumen zahlreiche Plätze.

Quelle: Pohl

Sehenswert: die Schlossanlage von Retiro

Ein Bauwerk hat es nicht bis in die heutige Zeit geschafft: die alte Schlossanlage von Retiro. Nach dem Umzug in den Palacio Real verlor das Königshaus das Interesse, während der napoleonischen Kriege wurde es 1808 schwer beschädigt, später abgetragen.

Oase in der Stadt

Was geblieben ist: ein Park, der seinesgleichen sucht. Inmitten Madrids erstreckt sich der Retiro-Park über 1,4 Kilometer unweit des prachtvollen Palacio de Comunicaciones, dem Sitz der Stadtverwaltung und beliebten Champion-Festplatz von Real Madrid. „Eine Oase im Herzen Madrids“, findet auch Gästebetreuer Oviedo. Der Teich, die Skulptur des fallenden Engels, der Rosengarten – aus seiner Sicht ein Pflichtprogramm für Besucher.

Spanien unter den Top drei

Dass der Zustrom einstweilen nicht abreißt, scheint sicher. Spanien steht auf der Liste der beliebtesten Urlaubsländer weltweit auf Platz drei hinter Frankreich und den USA, noch vor China. Es profitiert insbesondere davon, dass viele Urlauber klassische Touristenziele im Mittelmeerraum wie Ägypten oder Tunesien nach immer neuen Meldungen über Terrorangriffe meiden.

Von Michael Pohl

Hin und Weg

Anreise
Madrid wird von mehreren Airlines aus Deutschland angeflogen. Air Europa startet täglich mehrfach in Frankfurt und München direkt nach Madrid.

Beste Reisezeit
Frühjahr bis Herbst. Die Winter können kalt und sogar frostig sein, im Sommer können die Temperaturen auf bis zu 40 Grad Celsius ansteigen.

Unterkunft
Edel und zentral: Barceló Emperatriz, Calle de López de Hoyos, 4, 28006 Madrid, Telefon: (0034) 9 13 42 24 90.
Preiswert: Ibis Madrid Centro, Calle de Manuela Malasaña, 6, 28004 Madrid, Telefon: (0034) 9 14 48 58 16.

Weitere Informationen
www.spain.info http://www.esmadrid.com/de

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