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Mein Schiff wird kommen ...

Urlaub auf dem Meer Mein Schiff wird kommen ...

Mit dem Schiff die Welt erkunden: Kreuzfahrten sind das neue Gold der Touristikindustrie – und eine Lebenseinstellung. Kein Urlaubssegment boomt so wie dieses. Grund genug, einmal an Bord zu gehen und den Urlaub auf hoher See zu testen.

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Palmen mit Schiff: In der Karibik wie hier auf Tortola (Britische Jungferninseln) ist diese Szenerie immer ein beliebtes Fotomotiv.

Quelle: Piper

Also, an Tui Cruises, dem zur See fahrenden Ableger des hannoverschen Ferienriesen, liegt es nicht, dass manch ein Kreuzfahrerleben auf dem Weg über den Atlantik schon recht frühzeitig ein wenig aus dem Ruder läuft. Denn das Angebotspaket, das den Kunden auf der Mein-Schiff-Flotte erwartet, ist überwältigend. Egal, ob man die eigenen Fähigkeiten erweitern, sich erholen oder einfach nur unterhalten werden will, die Maschinerie läuft von früh bis spät auf Hochtouren. Kreuzfahrten sind das neue Gold der Touristikindustrie. Seitdem Aida den Cluburlaub aufs Wasser verfrachtet hat und die einst hoch elitäre Reiseform der Demokratisierung anheimgefallen ist, brechen die Dämme. Ungeachtet aller sozialer Schranken: Der Mensch will aufs Meer!

Fahrendes Schlaraffenland für Urlauber

Dort wartet das Schicksal in Form von zwei kleinen Wörtern auf den Reisenden: all-inclusive. Es ist die Formel, die einen Tag in der Karibik, im Mittelmeer oder anderen heißen Gegenden bisweilen schon vor dem Mittagessen ins Wanken bringen kann. Was nicht allein am Seegang liegt. Denn all die Mai Thais, Caipirinhas und Bloody Marys gibt’s umsonst.

Foto: Getränke gibt es an Bord kostenlos – auch Cocktails. Mitunter hat das lange Warteschlangen an der Bar zur Folge.

Getränke gibt es an Bord kostenlos – auch Cocktails. Mitunter hat das lange Warteschlangen an der Bar zur Folge.

Quelle: Piper

Da wundert es nicht, dass an der Außenalster, der Bar auf dem Heck von „Mein Schiff 3“, schon mal 6000 Drinks an einem schönen Sonnentag über den Tresen gehen – Bier nicht mitgezählt. Mixen im Akkord, es wird gerührt, geschüttelt und im High-Speed-Modus ausgeschenkt. Und die Außenalster ist nur eine von zwölf Bars auf dem knapp dreihundert Meter langen Ozeanriesen. Natürlich geht es auch sehr viel stilvoller. Lesungen, Kammerkonzerte oder Theateraufführungen sprechen diejenigen an, die Abendkleid und dunklen Anzug mit eingepackt haben und denen das Treiben an den Poolbars ein paar Umdrehungen zu viel hat.

Kreuzfahrten sind eine Lebenseinstellung

Kreuzfahrten sind ein Phänomen, eine Lebenseinstellung, sonst gäbe es nicht so viele Wiederholungstäter. Entdecker im Vierundzwanzig-Stunden-Rhythmus. Einmal da gewesen sein, bei minimalem Risiko. Denn mit Betreten des Schiffs übergibt man die Verantwortung in die Hände der Besatzung, die fortan für das Sich-Wohlfühlen der Passagiere zuständig ist. Und ein paar selbstständige Schritte in die nächsten Souvenir- und Dutyfreeläden sind höchstens für die Geldbörse eine Gefahr.

Nicht jeder erfahrene Kreuzfahrer ist auch ein Seefahrer. Wer links und rechts in Backbord und Steuerbord übersetzen kann und das auch noch gegen die Fahrtrichtung richtig macht, darf mit Bewunderung rechnen. Der in Hamburg geborene „Mein Schiff 3“-Kapitän Dimitris Papatsatsis: „Bei mir hat sich ein Kunde nach einer Atlantiküberquerung beschwert, dass er jeden Tag eine Stunde weniger Schlaf bekommen hätte. Bei einer anderen Reederei habe er dagegen jeden Tag eine Stunde länger schlafen können. Das sei doch viel besser gewesen. Dass die eine Reise von Westen nach Osten, die andere von Osten nach Westen gegangen ist, war ihm offenbar entgangen.“

Foto: Er hat das Kommando: Dimitris Papatsatsis ist der Kapitän auf der Brücke, und darf sogar Ehen schließen.

Er hat das Kommando: Dimitris Papatsatsis ist der Kapitän auf der Brücke, und darf sogar Ehen schließen.

Quelle: Piper

Eheschließung auf hoher See

Weil die Mein-Schiff-Flotte unter maltesischer Flagge fährt, haben die Kapitäne noch ein ganz besonderes Privileg: Sie dürfen Ehen schließen, die auch in der Bundesrepublik anerkannt werden. Ein verlockendes Angebot. Vor Papatsatsis, der früher auf Container- und Tankschiffen gefahren ist und ein ausgesprochenes Händchen im Umgang mit Passagieren hat, haben sich schon 178 Paare das Jawort gegeben: „Nur einmal wollte jemand wissen, ob ich Ehen auch scheiden kann. Das geht natürlich nicht.“

Mit dem Schiff um die Welt

Nach den jüngsten Erkenntnissen der Tourismusbranche, veröffentlicht auf der ITB in Berlin, fährt das Kreuzfahrtgeschäft keine zweistelligen Zuwachsraten mehr ein, aber Kapitän Papatsatsis sieht es pragmatisch: „Die Schiffe sind doch alle voll.“ Bis zum Jahr 2021 seien zudem achtundvierzig neue Megaschiffe in Planung. Die meisten aus Europa. Wer einmal miterlebt hat, wie fünf riesige Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig die kleine Karibikinsel St. Martin anlaufen und rund zehntausend Touristen über das Eiland herfallen, der kann sich nicht vorstellen, dass der Boom zu Ende sein soll. Und die Anbieter finden immer neue Ziele, von Spitzbergen bis nach Feuerland.

Fotos: Treffen der Giganten: Wenn mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig festmachen, ist es mit der Ruhe auf den Inseln schnell vorbei.

Treffen der Giganten: Wenn mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig festmachen, ist es mit der Ruhe auf den Inseln schnell vorbei.

Quelle: Piper

Auch „Mein Schiff 3“-General-Manager Axel Sorger, der das Premium-All-Inklusive-Programm auf den rein deutschsprachigen Schiffen der Tui-Cruises-Flotte mitentwickelt hat, ist optimistisch: „Da ist noch viel Luft nach oben.“ Sorger ist ein alter Hase. Mit 20 Jahren Erfahrung hat er die Umwandlung von der Luxusreise hin zum Massentourismus miterlebt. Er sieht diese Entwicklung nüchtern: „Ob früher jemand im Smoking vom Barhocker gerutscht ist oder heute im Hertha-T-Shirt, macht doch keinen großen Unterschied.“ Der 48-jährige weiter: „Außerdem ist das Publikum auf einer Ostseekreuzfahrt ein anderes als in der Karibik.“ Zudem lasse die große Lust am Umsonst im Verlauf vieler Reisen häufig nach: „Die Leute probieren am Anfang etwas aus und pendeln sich dann ein.“

Kostspieliges Reisevergnügen

Und ganz umsonst ist so eine Kreuzfahrt ja auch nicht. Landausflüge, Kurse oder Wellness-Anwendungen müssen bezahlt werden. Das Urlaubsschnäppchen kann so noch ganz schön teuer werden. Im Gegensatz zu anderen Reedereien legt Tui Cruises besonderen Wert auf das leibliche Wohl seiner Gäste. „Anders als auf amerikanischen Schiffen haben die Shows bei uns nicht Broadway-Qualität, dafür ist das Essen wesentlich besser und auf das deutsche Publikum zugeschnitten“, erzählt ein Offizier. „Mein Schiff 3“-Chefkoch Karsten Stumpf, der vor seiner Zeit auf See in Vier- und Fünf-Sterne-Häusern gearbeitet und zwei Kochmützen im Gault-Millau-Führer hatte, ist stolz, dass auf seinem Schiff kaum Fertigprodukte eingesetzt werden. Was allerdings einen ungeheuren logistischen Aufwand bedeutet. Stumpf ist verantwortlich dafür, dass für die 2400 Gäste und 1030 Besatzungsmitglieder täglich rund 15 000 Mahlzeiten bereitstehen: „Kurz mal im Supermarkt einkaufen, ist da nicht“, sagt er. Die Waren werden aus Deutschland in Kühlcontainern zu den Destinationen geschickt, an denen das Schiff Proviant aufnehmen kann. Currywurst und Wachtelbrust, Austern, Kavier und Champus – ein Blauwasser-Tischlein-deck-dich. Überhaupt ist so ein modernes Kreuzfahrtschiff ein eigenes Universum. Statt Kleiderzwang und Kapitäns-Dinner gibt es Einkaufspassagen, Theater, À-la-Carte- und Büfett-Restaurants, in denen man völlig zwanglos unterwegs ist. Lediglich um lange Hosen am Abend wird gebeten.

Straffer Zeitplan

Die Planungen, die einer Reise vorausgehen, sind enorm. Route, Hafenzeiten und Liegeplätze sind zwei Jahre im Voraus festgezurrt, möglichst auf die Stunde genau. Selbst das Wetter, das in dieser Branche höchste Priorität hat, kann die Fahrpläne nicht einbremsen. Dabei hat Papatsatsis, der seit zwölf Jahren als Kapitän unterwegs ist, Respekt vor dem Meer. „Die See ist ein Element, mit dem man nicht spielen sollte“, sagt er. Am Diktat des Fahrplans ändert das wenig. Lediglich Zeitpuffer auf Seestrecken wie den Atlantiküberquerungen lassen Spielräume, um schlechtes Wetter zu umfahren.

Fotos: Kreuzfahrer sind gesellige Menschen: gern am Pool und an den Bars.

Kreuzfahrer sind gesellige Menschen: gern am Pool und an den Bars.

Quelle: Piper

Ein großes Problem sind die Zubringerflüge auf der Langstrecke. Die knallhart kalkulierten Preise lassen nicht viel Raum für Luxus. Andererseits passen enge Sitze und wenig motiviertes Kabinenpersonal nicht zum Premiumanspruch. Wer beispielsweise zehn Stunden mit Air Berlin in die Karibik düst, ist danach tatsächlich urlaubsreif und hat sich den ersten Drink an der Bordbar verdient. Wenn es dann ein paar mehr werden, ist es auch nicht schlimm. Solange niemand aus der Rolle fällt. Und das geschieht höchst selten. Der Begriff Kreuzfahrt scheint doch noch auf geheimnisvolle Weise zu verpflichten.

Von Gerd Piper

Die Flotte

Die Mein-Schiff-Flotte von Tui Cruises bietet im Sommer mit dann fünf Schiffen („Mein Schiff 5“ wird am 15. Juli in Lübeck getauft) eine Gesamtbettenkapazität von 11 382. Im Rahmen des Premium-All-Inklusive-Angebots sind an Bord der Mein-Schiff-Flotte die meisten Speisen und Getränke, die Nutzung des SPA- & Sport-Bereichs und das Unterhaltungsprogramm im Reisepreis enthalten. Und die Flotte wächst weiter: 2017 wird die „Mein Schiff 6“ in Dienst gestellt. Mit zwei weiteren Neubauten 2018 und 2019 steigt die Gesamtbettenzahl dann auf 14 000. Tui Cruises ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Tui AG und des Kreuzfahrtunternehmens Royal Caribbean Cruises Ltd. mit Sitz in Hamburg.

Infos: www.tuicruises.com

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