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Den Watzmann immer im Blick

Urlaub in den Alpen Den Watzmann immer im Blick

Die Geschichte des Obersalzbergs ist keine einfache – doch Reisende schätzen die Gegend: vor allem wegen der Wälder und den wunderschönen Ausblicken auf das Berchtesgadener Land.

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Beeindruckendes Bergmassiv: Vom Lockstein aus haben Besucher den besten Blick auf Berchtesgaden und den Watzmann.

Quelle: Berchtesgadener Land

Ob Carl von Linde ahnte, dass er hier in Berchtesgaden auch heute noch Tagesthema sein würde? Der Erfinder und Gründer der Linde AG schuf im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Kältetechnik, ohne ihn hätten wir heute vermutlich keine Kühlschränke. Grund genug also, über ihn zu sprechen. In Berchtesgaden allerdings dreht sich alles um einen von ihm angelegten Wanderweg: den Carl-von-Linde-Weg; 5,1 Kilometer lang, gerade einmal 160 Meter Höhenunterschied auf ganzer Strecke, was in dieser Gegend fast nichts ist. Und vor allem bietet er eines: nach einem längeren Abschnitt durch Waldgebiete einen wunderschönen Ausblick auf das Berchtesgadener Land. Wer denkt da noch an Kühlschränke?

Werner Müller nutzt den Carl-von-Linde-Weg gern zum Joggen. Meist gegen Abend finde man ihn dort, sagt der Direktor des Kempinski Hotel Berchtesgaden. Solche und andere Aktivitäten sind für Hotelchef Müller wichtig, deshalb hat er in seinem Fünf-Sterne-superior-Hotel auch eigens die Stelle eines sogenannten Activity Concierge geschaffen. Manuel Huber ist es, er wirkt mindestens ebenso trainiert wie sein Chef und soll Gästen nicht nur den passenden Weg zum Wandern oder Joggen zeigen, sondern auch Tipps für Kultur und Freizeit liefern (Salzburg beispielsweise). „Wenn Gäste Mountainbike fahren wollen, komme ich aber auch schon mal mit“, sagt Huber. Ein Traumjob aus den Augen mancher.

Berchtesgaden und der Obersalzberg

Es gibt in dieser Gegend also allerhand Gründe, Carl von Linde für seinen Weg dankbar zu sein. Doch vor allem bietet er für Berchtesgaden eine entscheidende Chance: Er lenkt von etwas anderem ab, das hier bislang vielen als Erstes in den Sinn gekommen ist: Die Nationalsozialisten hatten den Obersalzberg während des Zweiten Weltkrieges zu so etwas wie ihrem zweiten Hauptquartier ausgebaut, ein Sperrgebiet für alle, die nicht dazugehörten. Nach dem Krieg setzten US-Truppen alles daran, dass das Gebiet nicht etwa zu einer Pilgerstätte für Ewiggestrige wird, und nahmen es in Beschlag. Erst 1996 gaben sie den Obersalzberg an den Freistaat Bayern zurück. Der setzte bei dem historisch schwer belasteten Grund auf ein Zwei-Säulen-Modell: Gedenken an das, was sich vor allem durch Propagandafilme aus dieser Gegend in den Gedanken vieler zementiert hat – aber auch eine sorgfältig arrangierte Öffnung für den Tourismus.

Foto: Sehenswert: Die Stiftskirche am Königlichen Schloss in Berchtesgaden soll bereits am Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut worden sein.

Sehenswert: Die Stiftskirche am Königlichen Schloss in Berchtesgaden soll bereits am Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut worden sein.

Quelle: Pohl

Schon immer eine beliebte Urlaubsregion

Das war ein riskantes Unterfangen und Ende der Neunzigerjahre auch nicht ganz unumstritten. Darf man dort Urlaub machen, wo nach heutigem Wissen in den Dreißiger- und Vierzigerjahren gravierende Pläne für Kriegsfeldzüge und Massenmorde geschmiedet wurden? Man darf nicht nur, befand man auf Landesebene, man sollte sogar. Schließlich war Berchtesgaden mit dem Obersalzberg seit dem 19. Jahrhundert – lange vor den Nationalsozialisten – eine beliebte Urlaubsregion. Wer von einem der Berge der Region in das Berchtesgadener bis hinein ins Salzburger Land blickt, ahnt, was die Menschen an dieser Gegend seit Jahrhunderten fasziniert. Es ist die Aussicht über diesen südöstlichsten Zipfel Bayerns bis hinein ins benachbarte Österreich; es ist ein unweigerlich eintretendes Gefühl von Erdung. Selbst wenn das in der Geschichte vielleicht nicht bei jedem der Fall gewesen sein mag.

Der Watzmann – Mittelpunkt der Region

Den höchsten Punkt der Region bildet der Watzmann, ein 2713 Meter hohes Kalksteinmassiv, das auch Gästen des Kempinski Hotel schnell zum Begriff wird: Es bildet das Logo des Hotels. Alpinen Lifestyle will Manager Müller bieten, und das beginnt schon an der Einfahrt: Bavarian Alps nennt sich das Haus dort ganz international und spiegelt ein bisschen den Gästedurchschnitt wider. International geht es zu in diesem hufeisenförmigen Bau aus viel Glas, Stein und Holz auf 1000 Meter Höhe. Erst seit dem vergangenen Jahr ist vieles so, wie es ist, denn nach zehn Jahren lief 2015 der Vertrag mit dem bisherigen Betreiber Intercontinental aus. Der Wechsel zur Kempinski-Gruppe zeigt sich in einer luxuriösen Bodenständigkeit: Der große Spa-Bereich mit drei Saunen und beheiztem Außenpool ist zwar geblieben, doch gehört nun das Dirndl an der Rezeption zum Dresscode, und im Restaurant empfängt man Gäste ganz unkonventionell in Lederhose und kariertem Hemd.

Foto: Luxus auf historisch belastetem Grund: Das Kempinski Hotel Berchtesgaden macht eine der schönsten Gegenden Deutschlands wieder für Touristen erlebbar.

Luxus auf historisch belastetem Grund: Das Kempinski Hotel Berchtesgaden macht eine der schönsten Gegenden Deutschlands wieder für Touristen erlebbar.

Quelle: Kempinski Hotel

Frisches aus der Region

Thomas Walter hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Eindrücke der Bavarian Alps auch auf die Teller der Gäste zu übertragen. Der Küchenchef des Kempinski Hotel, der aus dem benachbarten Bad Reichenhall stammt, setzt auf regionale Produkte. Käse, Salz, Brot, Butter, Fleisch – vieles von dem, das hier allabendlich die Küche verlässt, ist nicht weit gereist. Selbst Fisch kommt aus der Region.

Thomas Resch und seine Frau züchten am anderen Ende von Berchtesgaden Forellen und Saiblinge. Für ihn steht Natürlichkeit im Vordergrund: Keine Medikamente, sauberes Wasser aus einem angrenzenden Naturschutzgebiet, mit zwei Jahren ein vergleichsweise langes Leben – so sollen seine Forellen ein Höchstmaß an Qualität und Frische bieten. „Die Fische leben bei mir noch, wenn sie bestellt werden“, sagt Resch.

Foto: Vom Becken direkt auf den Tisch: Thomas Resch (links) setzt bei seiner Forellenzucht auf Natürlichkeit – für Kempinski-Küchenchef Thomas Walter (rechts) sind die Fische wesentlicher Bestandteil seiner Menüs.

Vom Becken direkt auf den Tisch: Thomas Resch (links) setzt bei seiner Forellenzucht auf Natürlichkeit – für Kempinski-Küchenchef Thomas Walter (rechts) sind die Fische wesentlicher Bestandteil seiner Menüs.

Quelle: Pohl

Tourismus im Einklang mit der Natur

Tourismus im Einklang mit der Natur ist ein wesentliches Kennzeichen im Berchtesgadener Land. Und das scheint zu funktionieren: Busladungen von Gästen tummeln sich etwa am Königssee oder auf dem Kehlstein, wo die Nazis in den Vierzigerjahren mit einem abstrusen Aufwand an eigentlich unzugänglicher Stelle ein Teehaus bauen ließen. Genutzt wurde es im Grunde erst nach dem Krieg – Berchtesgaden erkannte damals sehr schnell den Reiz dieses prominent gelegenen Ausflugsziels, das auch geschichtlich relativ unbelastet schien.

Besuchermagnet Obersalzberg

Vor allem aber zeigt sich heute, dass auch das geschichtliche Interesse bei vielen Besuchern groß ist: Für 30.000 Besucher jährlich erbaute der Freistaat Bayern Ende der Neunzigerjahre das Dokumentationszentrum Obersalzberg. Eine Ausstellung erklärt dort sehr detailliert nicht nur die Verbindung der Region mit den Nationalsozialisten; es zeigt vor allem die perfiden Propagandatricks auf, mit denen so viele Menschen während des Zweiten Weltkrieges in die falsche Richtung gelenkt wurden.

Foto: Oberbayerisches Postkartenidyll: Der Obersalzberg liegt genau oberhalb von Berchtesgaden. Er war einer von Hitlers bevorzugten Aufenthaltsorten, heute gibt es dort ein Dokumentationszentrum.

Oberbayerisches Postkartenidyll: Der Obersalzberg liegt genau oberhalb von Berchtesgaden. Er war einer von Hitlers bevorzugten Aufenthaltsorten, heute gibt es dort ein Dokumentationszentrum.

Quelle: dpa/Verena Wolff

Heute besuchen die Ausstellung jährlich bis zu 160.000 Menschen. Die von vielen befürchtete Anziehungskraft der Region auf Neonazis sei ausgeblieben, beteuert man allerorten. Das dürfte einen wesentlichen Grund haben: Die meisten Gebäude aus dem Zweiten Weltkrieg sind längst abgerissen, auch über das Gelände von Adolf Hitlers Berghof sind buchstäblich Gras und Bäume gewachsen. Die Erinnerung soll künftig noch mehr im Fokus stehen: Das Land plant eine Erweiterung des Dokumentationszentrums. Für 17 Millionen Euro soll es bis zum Jahr 2018 auf mehr als die doppelte Fläche vergrößert werden.

Von Michael Pohl

Hin und Weg

Anreise
Mit dem Flugzeug nach Salzburg oder München, von dort per Bahn oder Mietwagen nach Berchtesgaden. Mit der Bahn über München.

Beste Reisezeit
Frühjahr bis Herbst bieten sich für Wanderungen an, im Winter gibt es die Möglichkeit für leichte Skiabfahrten. Das Kempinski Hotel verfügt über einen eigenen Skilift.

Unterkunft
Das Kempinski Hotel Berchtesgaden ist ein moderner, luxuriöser Bau mit großem Spa-Bereich.  Hintereck 1, 83471 Berchtesgaden, Telefon: (08652) 9 75 50.
www.kempinski.com/Berchtesgaden

Weitere Informationen
www.tourismus-berchtesgaden.de

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