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Darwin Baden mit Burt

Darwin hat sich neu erfunden: Australiens nördlichste Großstadt spielt mit ihrem Tropenimage – und gefährlichen Tieren aus der Umgebung.

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Entspannung pur: Darwins neugestaltetes Hafenviertel.

Quelle: Pohl

Als Krokodil hat man es auch nicht leicht. 35 Grad herrschen in Darwin, die Luft ist fast so feucht wie in einer Sauna – und da soll man noch Touristen erschrecken? Burt macht an diesem Tag jedenfalls keine Anstalten, den Besuchern in der „Crocosaurus Cove“ sein aufgerissenes Maul entgegenzustrecken. Stattdessen lümmelt sich das Salzwasserkrokodil in der Ecke eines Geheges in dem Privatzoo. Mit seinen 5,10 Metern Länge und rund 700 Kilogramm Gewicht gilt Burt als Prachtexemplar seiner Gattung, wenn man mal davon absieht, dass er ohne größere Probleme den einen oder anderen Besucher zum Abendessen vertilgen könnte.

Alles Gefährliche lebt in Australien, heißt es, und auch wenn das vielleicht etwas übertrieben ist, so gilt der Kontinent doch zumindest als reich gesät mit Tieren, denen man besser nicht zu nahe kommen sollte. Krokodile gehören im tropischen Norden zum Alltag, zumindest im Busch und an den Küsten. Selbst aus dem Hafenbecken seiner Stadt würden jährlich gut 200 Stück gefischt, sagt Darwins Bürgermeister Graeme Sawyer. Kaum jemand legt Wert darauf, den gefährlichen Reptilien in freier Wildnis zu begegnen. Dennoch zieht es Touristen zuhauf zur „Crocosaurus Cove“. Und manche sogar ganz dicht heran an Burt und seine Freunde – im „Käfig des Todes“ werden sie in einem Kubus aus zentimeterdickem Sicherheitsglas in ein Wasserbecken gelassen, in dem sich Krokodile tümmeln. Für den kurzen Nervenkitzel stehen die Besucher Schlange.

Das mag daran liegen, dass man auf den gewissen Adrenalinstoß in Darwin ansonsten eher vergeblich wartet. Was in diesem Fall absolut nichts Negatives bedeutet – die mit 120 000 Einwohnern größte Stadt im Northern Territory dürfte eines der entspanntesten Zentren im ohnehin entspannten Australien sein. Gut vier bis fünf Flugstunden entfernt von allen anderen größeren Orten des Kontinents haben die Einwohner gelernt, mit ihrer Abgeschiedenheit zu leben. Ins große asiatische Drehkreuz Singapur ist es ähnlich weit wie in die wichtigsten australischen Zentren Sydney, Canberra, Melbourne oder Perth. Und zum Urlaub reisen die Menschen in Darwin ohnehin viel lieber in das deutlich näher gelegene Bali als in die Feriengegenden an der australischen Ostküste. Oder sie bleiben zu Hause – schließlich leben sie dort, wo andere Urlaub machen.

Wer einmal hier ist, scheint – trotz tropisch-heißen Klimas – nicht wieder wegzuwollen. Etliche Einwohner Darwins sind nicht mal hier geboren, sondern einfach nur hängen geblieben: Bürgermeister Sawyer etwa stammt eigentlich aus dem südlichen Bundesstaat Victoria. Er habe vor Jahrzehnten lediglich seinen Bruder hier besuchen wollen – sei dann aber geblieben. „Darwin ist voll von Menschen, die zum Urlaub kamen und nun nicht mehr wegwollen“, sagt Sawyer.

Auch Fahrer Sean wollte vor 30 Jahren eigentlich nur Ferien im hohen Norden machen. Nun könne er sich nicht mehr vorstellen, woanders zu leben, sagt er. Und Melanie, die geschäftstüchtige Verkäuferin im Telefonladen? Die stammt eigentlich aus Perth und will jetzt ebenfalls aus Darwin nicht mehr weg. „Wozu?“, fragt sie rhetorisch. In dieser Stadt stimme schließlich alles.

Das fanden vor ein paar Jahren auch Produzenten aus Hollywood, die ihren Film „Australia“ zu großen Teilen in Darwin spielen ließen. Doch so kolonial wie im Film, der zur Zeit des Zweiten Weltkrieges handelt, sieht die Kulisse der Tropenstadt heute nicht mehr aus. Die japanische Armee zerbombte Darwin 1942 massiv. Nach dem Wiederaufbau fegte schließlich 1974 der Zyklon „Tracy“ über das Stadtgebiet hinweg und hinterließ wiederum eine Spur der Verwüstung.

Heute muss man alte Gebäude lange suchen. Hier und da finden sich noch die typischen Bauten des frühen 20. Jahrhunderts aus massiven Steinen, mit der obligatorischen Veranda; doch der größte Teil der Innenstadt ist nach 1974 neu entstanden. Jüngstes Aushängeschild Darwins ist das von Grund auf neu gebaute Hafengebiet entlang dem ebenfalls neuen Konferenzzentrum. Viel Glas und Holz bestimmen das Bild, alles so gebaut, dass es den vor allem während der Regenzeit im australischen Sommer auftretenden Unwettern standhält. Einige Restaurants, Cafés, Pubs und Hotels haben entlang der Promenade bereits eröffnet, außerdem ein künstliches Wellenbad. Ein zweiter Abschnitt befindet sich im Bau.

Auch an anderen Küstenabschnitten sind kleine Häfen mit Restaurants und Cafés entstanden – etwa in Cullen Bay etwas außerhalb der Innenstadt. Britta Decker hat hier ihre schlicht „Agentur“ genannte Veranstaltungsfirma angesiedelt. „Darwin hat viel Potenzial für Geschäfte“, sagt die gebürtige Deutsche, die vor 15 Jahren nach Australien ausgewandert ist. Heute ist sie nicht nur Geschäftsfrau, sondern nebenbei auch noch Honorarkonsul der Bundesrepublik vor Ort.

Was hat Darwin, das deutsche Städte nicht haben? „Ein besseres Klima, einen relaxten Lebensstil, viele Freiluftaktivitäten“, listet Decker spontan auf. „Und natürlich die Aboriginekultur.“ In wenigen Minuten könne man das Stadtgebiet verlassen und befinde sich im Busch – wo gebe es so etwas schon?

Robbie Mills bringt die Kultur der Ureinwohner sogar direkt in die Stadt. Zwischen Esplanade und Hafengebiet führt der barfüßige Aborigine interessierte Touristen durch die Pflanzenwelt und in die Kultur seines Stammes ein. Zu entdecken gibt es mit ihm viel – schließlich lebten auf dem gesamten Gebiet einst ausschließlich Aborigines. Bis heute verehren sie so manchen Ort in Darwin als heilige Stelle.

Mit Krokodilen wie Burt habe er kein Problem, sagt Mills beim Blick auf die Hafenbucht der Stadt. „Mein Totem ist ein Krokodil“, führt er aus, „deswegen tun die mir nichts.“ Angst aber habe er vor Haien – denn die seien das Abzeichen eines anderen Clans. So oder so, das Wasser jedenfalls sei hier draußen durchaus gefährlich.

Wenn sich Touristen für eine Rundreise durch das Northern Territory entscheiden, dauert es, bis sie wieder ein ähnlich komfortables Angebot vorfinden wie in Darwin: Die nächstgrößere Stadt heißt Alice Springs, zählt gerade einmal 20 000 Einwohner, und liegt im heißen Zentrum des Kontinents. Mit dem Auto ist sie in gut 20 Stunden erreichbar – zumindest, wenn man keine Pause einlegt. Da versteht man dann, weshalb „Crocosaurus“-Star Burt sich lieber nicht vom Fleck rührt und am Pool das Leben genießt.

Michael Pohl

Hin und Weg

● Anreise
Mit 16 Stunden Flugzeit ist Darwin von Europa aus die am schnellsten zu erreichende Stadt Australiens. Qantas etwa fliegt die Stadt von Frankfurt via Singapur an.
● Reisezeit
Im tropischen Norden gibt es zwei Jahreszeiten: die Trockenzeit (April bis Oktober) und die Regenzeit (November bis März). Die Temperaturen sinken kaum unter 20 Grad, können in der Regenzeit jedoch auf 40 Grad steigen.
● Unterkunft
Das Vibe Hotel Darwin Waterfront ( www.vibehotels.com.au) liegt im neu gebauten Hafenviertel und bietet Zimmer mit Meeresblick. Etwas günstiger ist das Travelodge ( www.travelodge.com.au).
● Weitere Informationen
Informationen zu Darwin und
zum Northern Territory unter
Telefon (069) 27 40 06 18.
www.australiasoutback.de

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