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Couchsurfing: Komm auf mein Sofa!
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Privat übernachten bei Fremden: Das Gastfreundschaftsnetzwerk Couchsurfing ist zum weltweiten Erfolg geworden.

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Komm auf mein Sofa: Beim Couchsurfing lässt es sich gut und günstig übernachten.

Quelle: iStockphoto

Um die Welt reisen und auf den Sofas wildfremder Menschen übernachten – das ist vielleicht nicht immer bequem, dafür aber auf jeden Fall abenteuerlich. Couchsurfing nennt sich diese Methode des Übernachtens – und sie findet immer mehr Anhänger.

Das Konzept ist einfach: Menschen rund um den Globus schließen sich zusammen und bieten sich gegenseitig ihre Gästezimmer und Schlafsofas an. Und sollten sie dann auf Reisen gehen, erwarten sie fast überall, wo sie hinkommen, herzliche Gastgeber. Schon 1949 gründete der dänische Student Bob Luitweiler mit dieser Idee das Netzwerk Servas, in dem bis heute mehr als 18.000 Gastgeber organisiert sind. Ähnliche Organisationen folgten seinem Beispiel, keine jedoch kann so viel Erfolg verbuchen wie Couchsurfing.

Mehr als 2,5 Millionen Mitglieder hat das Netzwerk seit Ende Februar, und jede Woche kommen zwischen 15.000 und 20.000 Nutzer hinzu. In derzeit 246 Ländern finden die Reisenden Unterkünfte. Hierzulande sind es besonders viele: Mit fast 250.000 registrierten Couchsurfern liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA, im Städtevergleich wird Berlin nur von Paris und London ausgestochen.

Immer mehr Ältere entdecken Courchsurfing

Man könnte meinen, dass die Aussicht, kostenlos im Urlaubsland zu übernachten und im gleichen Zug Menschen vor Ort kennenzulernen, besonders junge Menschen anspricht. Und tatsächlich sind auch mehr als 75 Prozent der Couchsurfer jünger als 35 Jahre. Aber auch immer mehr Ältere entdecken Courchsurfing für sich. Die „50 plus“-Gruppen gehören zu den aktivsten der Internetgemeinschaft.

„Viele Menschen ab 50 neigen dazu, sich in ihre eigenen vier Wände zurückzuziehen“, sagt Elisabet Mester. „Mit anderen Menschen zusammenzuleben, ist eine Herausforderung, bringt einen dazu, über die eigene Kultur nachzudenken und hält jung.“ Die 53-Jährige hat in ihrer hannoverschen Wohnung schon viele Couchsurfer zu Gast gehabt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein tunesisches Ehepaar aus Paris, das das Weihnachtsfest 2009 bei ihr und ihrer Tochter verbracht hat. „Unsere Gespräche haben mein Bild vom Islam sehr verändert“, sagt sie.

Die übervorsichtige Ängstlichkeit, mit der viele ihrer Bekannten auf das Konzept von Couchsurfing reagieren, kann Mester nicht nachvollziehen. „Die Leute haben Angst vor Schmutz, Diebstahl oder gar Gewalt.“ Sie selbst habe in den gut drei Jahren, die sie bei Couchsurfing und anderen Gästenetzwerken aktiv ist, kaum schlechte Erfahrungen gemacht. „Viele der Profile sind gut ausgefüllt, sodass man viel über die Person erfährt“, sagt sie. Außerdem gibt es die Möglichkeit, vorab Kontakt zu Gast oder Gastgeber aufzunehmen.

Trotzdem, die Angst ist nicht ganz unbegründet. Derzeit warnt Couchsurfing vor einem Mann, der bereits Diebstähle in Bremen, Karlsruhe, Mainz und Nürnberg begangen hat. Um die Identität zukünftiger Gäste oder Gastgeber zu überprüfen, haben die Netzwerke unterschiedliche Hilfsmittel eingerichtet. Couchsurfing bietet die Möglichkeit, die angegebene Adresse zu verifizieren. Dafür muss das Mitglied eine Spende an die Organisation entrichten. Anschließend bekommt es eine Karte mit einem Verifizierungscode an seine Heimatadresse geschickt.

Gäste und Gastgeber finden sich auf den Internetseiten der unterschiedlichen Reisenetzwerke. Neben Couchsurfing sind die bekanntesten Hospitality Club, be Welcome und Servas. Bevor der Reisende auf Gastgebersuche gehen kann, muss er sich ein eigenes Profil anlegen. Dort kann er Informationen zu seinen Interessen und Einstellungen hinterlegen und Bilder hochladen, die dann für die Netzwerkmitglieder einsehbar sind. In der Regel kann sich jeder ein Profil anlegen, nur Servas führt mit angehenden Reisenden und Gastgebern Aufnahmegespräche.

Ist das Profil erstellt, geht es an die Suche nach Gastgebern. Dabei ist eine sorgfältige Auswahl ratsam. Daniel Hopkins achtet bei seinen Gastgebern auf die Erfahrungsberichte und Bewertungen, die andere Reisende auf deren Profilen hinterlassen haben. „Wenn einer nicht mindestens fünf positive Beiträge hat, wähle ich ihn nicht aus“, sagt der 33-jährige Osnabrücker. Und damit scheint er gut gefahren zu sein: Im Herbst 2009 umrundete Hopkins in 80 Tagen den Globus, bereiste sechs Kontinente und kam jeden Abend bei einem anderen Gastgeber unter.

„Ich habe die verrücktesten Zufälle erlebt, schlechte Erfahrungen dagegen kaum gemacht“, erzählt Hopkins. Einmal habe er in Südafrika bei einem Farmer übernachtet, den gerade seine Geliebte verlassen hatte – und dann 14 Tage darauf zufällig bei jener Frau in Dubai. „Als ich ihr Bilder von ihrer eigenen Couch aus Südafrika zeigte, wäre sie fast umgekippt“, erinnert sich Hopkins.

Auf fremden Sofas übernachten – das ist nicht für jeden das Richtige. Die wichtigste Qualität, die Reisende und Gastgeber mitbringen müssten, sei Weltoffenheit und die Bereitschaft, seine Privatsphäre ein bisschen einzuschränken, meint Hopkins. „Meine Gastgeber haben mir immer das Gefühl gegeben, dass es egal ist, ob ich schwarz, weiß oder bunt bin.“

Ann-Kathrin Seidel

Weitere Informationen: www.couchsurfing.org

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