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Die Scilly-Inseln - das Paradies von England
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Tourismus Die Scilly-Inseln - das Paradies von England

Das Wasser ist glasklar, die Vegetation kunterbunt - und dann scheint auch noch häufig die Sonne: Auf den Scilly-Inseln vergessen Besucher beinahe, dass sie sich in Großbritannien befinden.

St Marys, England 49.925002 -6.298672
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Auf dem unbekannten Donauradweg

Uhr ablegen und entspannen: Mit Booten können Besucher zwischen den einzelnen Scilly-Inseln pendeln.

Quelle: simplyscilly.co.uk

St. Marys. Der Bootsfahrplan ist überschaubar: Immer morgens legen die Mitglieder der Boatmen’s Association von St. Mary’s fest, welche der insgesamt fünf bewohnten Scilly-Inseln vor der Südwestküste Cornwalls sie anfahren - und welche an diesem Tag unerreicht bleiben. Was heute nicht zu schaffen ist, erledigt man halt morgen; das ist so etwas wie ein Lebensmotto hier zwischen Ärmelkanal und Bristol Channel. Oder auch übermorgen.

Der einzige Geldautomat weit und breit? Defekt und mit einem handgeschriebenen Schild versehen: Der Techniker komme am Mittwoch - „abhängig vom Wetter“. Am nächsten Tag, dem besagten Mittwoch, hat jemand handschriftlich korrigiert: „am Donnerstag“. Doch das stört hierzulande niemanden: Auf den Scilly-Inseln spielt Zeit keine Rolle. Das darf sie auch gar nicht, denn dieser letzte Rest Englands ist mit fast drei Bootsstunden derart abgeschieden vom übrigen Vereinigten Königreich, dass man einen Terminplan ohnehin selten einhalten könnte. Irgendwie erholsam - und deswegen für Besucher fast zwangsweise ansteckend.

Das ist auch in dieser Woche so: Wegen immer mal wieder auftauchender Nebelschwaden bleiben alle Flugzeuge und Helikopter am Boden, und wer wirklich auf eine der Inseln und wieder nach Hause möchte, muss das einzige Boot des Tages nehmen. Wenn er Glück hat: Denn es fährt nur zwischen März und Oktober. Im Winter bleibt einem nichts anderes übrig, als auf besseres Wetter zu warten.

Das tut mitunter auch, wer leicht seekrank wird - denn das stolz „ScillonianIII“ genannte Schiff stammt aus dem Jahr 1977 und ist nicht nur äußerlich in die Jahre gekommen. Es schaukelt mit maximal 15 Knoten durch die nicht immer ruhige See. Wer sein Auto mitnehmen möchte, muss es auf eine dreimal pro Woche fahrende Frachtfähre verladen lassen - die jedoch nur über arg begrenzte Kapazitäten verfügt. Den „Dritte-Welt-Weg“ nennt dies augenzwinkernd mancher Bewohner der Inseln, die aufgrund ihrer schwachen Struktur in vielen Bereichen ähnlich intensiv von der EU gefördert werden wie arme Gegenden im Süden Europas.

Glynne Lucas etwa, der auf der größten Scilly-Insel St. Mary’s Bustouren für Touristen anbietet, erinnert sich gar noch gut daran, dass sein Auto auf dem Rückweg einmal sechs Wochen auf dem Festland feststand, weil die Frachtfähre nach einem Defekt mit dem Transport der wartenden Vehikel nicht mehr hinterherkam. „Das ist der Preis, den man für ein Leben im Paradies bezahlt“, sagt er leicht resignierend.

Wie Lucas sehen nicht wenige Bewohner ihre Inseln als kleine Paradiese an. Was unter anderem am Wetter liegt: Die Scilly-Inseln profitieren von ihrer Lage inmitten des Golfstroms. Palmen, angenehm warme Sommer und milde Winter, starke Sonneneinstrahlung, selbst durch dichten Nebel hindurch - all dies ist hier normal. Wer ein Fahrrad leiht, erhält kein Schloss: Diebstahl gebe es auf den Inseln nicht, wird man im Radverleih von St. Mary’s aufgeklärt. Höchstens mal, wenn nachts jemand betrunken aus dem Pub torkele und aus Versehen das falsche Vehikel mitnehme. Doch das falle spätestens am nächsten Tag auf. Und irgendwo auf der entsprechenden Insel muss das Rad ja zwangsläufig stehen.

Auch bei Sabine Schraudolph stehen die Türen in der Regel offen. Die gebürtige Münchenerin ist vor 15 Jahren nach St. Mary’s ausgewandert und betreibt dort heute eine Pension samt bayerischem Café. Früher sei sie mal Personalchefin gewesen, erzählt sie, zuletzt in London. Doch dann habe sie während eines Urlaubs ihre Liebe für die Scilly-Inseln entdeckt und sei dort hängen geblieben. Möchte sie ihr Leben in Abgeschiedenheit noch einmal gegen eine Business-Lounge tauschen? „Niemals“, entgegnet Schraudolph. Ihr jetziges Leben, das Idyll der Inseln, das überschaubare Saisongeschäft zwischen März und Oktober - das sei es, was ihrem Lebensstil deutlich mehr entspreche.

Insgesamt rund 140 Inseln gehören zu den Isles of Scilly, wie sie offiziell heißen, die weitaus meisten sind unbewohnt. Ungern hören die Bewohner die Bezeichnung „Scilly Islands“. Denn das wäre phonetisch gleichbedeutend mit „silly Islands“, also „alberne Inseln“. Und man nimmt diesen kleinen Rest der großen britischen Insel hierzulande schon sehr ernst - zu Recht. Denn mit ihrem milden Klima, dem glasklaren Wasser und den allgegenwärtigen kunterbunten Pflanzen aus südlichen Gefilden bieten die Inseln für britische Verhältnisse eine Menge Besonderheiten.

Lediglich fünf der Eilande sind heute noch besiedelt - und jedes ist auf seine ganz eigene Weise ein Idyll. Während die raue, ursprüngliche Insel St. Mary’s mit Flug- und Fährhafen sowie den wichtigsten Geschäften so etwas wie das Zentrum der Scillies darstellt, zieht ihre Nachbarin Tresco vor allem durch ihre Pflanzenwelt die Besucher an. Die Tresco Abbey Gardens sind Heimat von exotischen Pflanzen aus etlichen Regionen der Welt geworden. Aufgrund des milden Klimas und der häufigen Sonne gedeihen sie hier so gut wie in ihren Ursprungsländern in Südamerika, Südeuropa oder dem Pazifikraum.

Die Walhalla-Kollektion im Garten beinhaltet Galionsfiguren von Schiffen, die vor den Scilly-Inseln gesunken sind. Das felsenreiche Gewässer hat immer wieder Boote auf Grund laufen lassen. Eine Tatsache, die auch zu einem ungewöhnlichen Sport in dieser Gegend geführt hat: Taucher erkunden mit Vorliebe alte Schiffswracks im Meer rund um die Inseln.

St. Martin’s ist mehr noch als die übrigen Inseln für wunderschöne weiße Strände und sauberes Wasser bekannt - auch wenn sich auf den Scillies im Grunde fast überall ein Fleckchen Sand bietet. St. Agnes rühmt sich nicht nur mit einem hübschen Leuchtturm, sondern vor allem mit der Tatsache, die südwestlichste Gemeinde Großbritanniens aufweisen zu können. Und Bryher ganz im Nordwesten der Scillies ist spätestens seit der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton im vergangenen Jahr jedem Briten ein Begriff: Medien hatten lange gemutmaßt, dass das junge Windsor-Paar seine Flitterwochen hier verbringen wird. Schließlich gehören die Scilly-Inseln zum Herzogtum Cornwall, Williams Vater Charles ist der Herzog und als solcher im Besitz zahlreicher Bauten der Scillies. Letztlich zog das Paar dann aber doch die Seychellen einem Urlaub daheim vor.

Die lange Tradition der Inseln im Herzogtum führte übrigens zu einer geschichts-trächtigen Kuriosität: Im zweiten englischen Bürgerkrieg erklärten die mit den Parlamentariern verbündeten Niederlande den Scilly-Inseln im Jahr 1651 den Krieg, da sich hier Königstreue verschanzt hatten. Die ergaben sich zwar kurz darauf den Parlamentariern, doch die Niederlande versäumten es, den Inseln gegenüber den Frieden zu erklären. Für sie schien die Sache erledigt. Erst 1985 fiel dies dem Historiker Roy Duncan auf, der daraufhin den niederländischen Botschafter in London zur Unterzeichnung eines Friedensvertrags einlud - und der willigte ein. Erst im darauffolgenden Jahr wurde dann streng genommen der 335-jährige Kriegszustand der Niederlande mit einer kleinen Inselgruppe vor der britischen Küste beendet - ohne dass in diesem langen Zeitraum auch nur ein einziger Schuss gefallen wäre. Was einmal mehr beweist: Zeit spielt auf den Scillies eben keine Rolle.

Hin und weg

Anreise

  • Ab Penzance mit dem Schiff „ScillonianIII“ (März bis Oktober).
  • Flug ab Land’s End, Newquay, Exeter, Bristol, Southampton.
  • Ab Newquay und Penzance per Hubschrauber.
  • Von Deutschland: Flug nach London, von dort per Zug nach Cornwall oder ab London-Gatwick per Flugzeug (Flybe) nach Newquay.

www.islesofscilly-travel.co.uk
www.islesofscillyhelicopter.com

Vor Ort

Unterkunft

Weitere Informationen
www.simplyscilly.co.uk

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