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Glitzer, Palmen, Weihnachtsstimmung

Malaga Glitzer, Palmen, Weihnachtsstimmung

In Málaga laden milde Temperaturen und Lichterglanz im Advent zum Flanieren ein.

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Gerüstet fürs Fest: Rund um den riesigen geometrischen Lichterbaum auf der Plaza de la Constitución treffen sich vor Weihnachten traditionell die Bewohner der Stadt. Mit viel Liebe zum Detail haben Rafael López Taza und seine Mitstreiter ihre Weihnachtskrippe gestaltet, die öffentlich ausgestellt wird (links). Fotos: Ayuntamiento de Málaga (2)/Zellmer/fotolia/Jiri Hera

Quelle: JOSECORTES.eu

Malaga. Für Rafael López Taza beginnt jetzt der Endspurt. Dann bastelt er zusammen mit Freunden nach Feierabend an der großen Krippenlandschaft, die ab der ersten Dezemberwoche öffentlich ausgestellt wird. „Das ist immer eine Menge Arbeit“, sagt Taza, Vorsteher einer Bruderschaft im südspanischen Málaga. Die geschickten Hände der ehrenamtlichen Brüder formen kleine Gebirge und Höhlen, Marktstände und Stadthäuser, legen aus winzigen Kieselsteinen Wege an und schmücken die Szenerie mit Miniaturpalmen. „Die Figuren sind gekauft, alles andere machen wir selbst“, sagt Taza stolz. Dabei erschaffen die Brüder die Landschaft jedes Jahr wieder neu: Mal dominiert ein großer Wasserfall die Szenerie, mal steht eine kleine Ortschaft im Vordergrund, mal wird Christi Geburt ins Gebirge verlegt.

„Aufwendige Weihnachtskrippen haben in Spanien Tradition“, sagt Stadtführerin Immaculata Marfil Soto. So gibt es in Málaga nicht nur die vorweihnachtlichen Krippenausstellungen in den verschiedenen Bruderschaftshäusern, auch im Rathaus und in jeder Privatwohnung stehen die Krippen. Dabei legen die Málageños großen Wert auf handgearbeitete Figuren und Dekorationen. Manche betreiben sogar einen regelrechten Krippenkult - wie Marfil Sotos Freundin Carmen. „Sie baut jedes Jahr eine große Krippenlandschaft mit Wasserfall, Häusern und Figuren auf ihrem Esstisch auf“, erzählt die Stadtführerin. „Als ich sie gefragt habe, wo die Familie denn nun essen soll, hat sie nur mit den Schultern gezuckt.“

Das Geschick der Spanier, religiöse Festtage mit allem, was dazugehört, als Gelegenheit zum Feiern zu ergreifen, zeigt sich auch in der Vorweihnachtszeit. Wo sonst könnte wohl so selbstverständlich die Kripppendekoration in einer angesagten Bar wie der „Taberna Flamenca Amargo“ dazugehören?

Allerdings hätten inzwischen auch die Spanier ihre Weihnachtsbräuche an die anderer europäischer Länder angeglichen, sagt Marfil Soto. „Heute hat fast jeder Spanier neben der Krippe auch einen Weihnachtsbaum.“ Und obwohl die nordeuropäischen Tannen und Fichten im Süden nicht heimisch sind, gehört die Tanne auch zur stimmungsvollen Weihnachtsdekoration in der Altstadt von Málaga. Auch wenn die Temperaturen dort im Dezember eher frühlingshaft mild sind, schaffen Installationen wie die meterhohen, kegelförmigen Weihnachtsbäume aus Lichterketten auf der Plaza de la Constitu- ción und der Plaza de la Marina sowie die leuchtende Dekoration der Einkaufsstraßen ein ausgesprochen festliches Ambiente. In der heimeligen Dezemberdämmerung wird offensichtlich, dass sich Málagas Innenstadt in den vergangenen Jahren von einem etwas heruntergekommenen Viertel zu einer modernen Flanierzone mit vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten gemausert hat.

Stadtführerin Elena Pávlova berichtet, dass neben den relativ neuen Fußgängerzonen, den schicken Promenaden am Wasser und dem Jachthafen vor allem das im Oktober 2003 eröffnete Picasso-Museum im historischen Palacio de los Condes de Buenavista die Attraktivität der Hafenstadt gesteigert hat. Waren es früher vor allem die Gäste von Kreuzfahrtschiffen, die auf einem Landgang Málagas Altstadt erkundeten, wächst inzwischen trotz Krise auch der mehrtägige Städtetourismus. „Allein im Jahr 2013 sind 30 Prozent mehr Touristen vor allem aus Europa und Russland zu uns gekommen“, sagt Pávlova.

Im Picasso-Museum lässt sich insbesondere das frühe Schaffen des Malers entdecken, seine Bezüge zu Málaga, seine familiären Wurzeln und seine ersten, noch durchweg naturalistischen Werke. Insgesamt umfasst die Sammlung jedoch acht produktive Jahrzehnte des Malers, der gemeinsam mit dem Franzosen Georges Braque als Begründer des Kubismus gilt.

Wer in Málaga auf Picassos Spuren wandelt, stößt zudem unweigerlich auf die Plaza de la Merced, an deren nördlicher Ecke das Geburtshaus des Malers steht. 1881 wurde Pablo Ruiz Picasso in dem heute zu einem Museum umgestalteten Haus geboren und verbrachte seine ersten zehn Lebensjahre unter den Jakarandabäumen auf dem Platz, der vor Weihnachten mit unzähligen Lichterketten geschmückt ist. Zwar zog die Familie bereits 1891 nach Galizien um, und Picasso selbst kehrte nach einem letzten Besuch im Jahr 1901 nie mehr nach Málaga zurück, trotzdem fragte der Maler der Überlieferung zufolge auch später jeden Málageño, den er traf: „Sind die Löwen noch da?“ Gemeint waren die steinernen Löwenfiguren auf den Pfeilern, die die Zugänge zur Plaza de la Merced bilden. Und ja, sie wachen dort auch heute noch über den Platz.

Ein Stück weit von Picassos Geburtshaus entfernt, auf der Hauptstraße Alameda Principal, wird es dann wieder weihnachtlich. Mit einem Weihnachtsmarkt nach nordeuropäischem Vorbild will Málaga Vorfreude auf das Fest schaffen. Die Suche nach exklusivem Kunsthandwerk ist hier jedoch vergebens. Neben Speisen und Getränken dominieren dort Stände für Krippenfiguren und Jahresendfeuerwerk. Weihnachtsgeschenke wie exklusives Porzellan, handgemachten Schmuck, regionale Spezialitäten wie das aus Mandeln hergestellte Turrón-Nougat oder schöne Kleidung sucht man daher besser in den kleinen Lädchen der Altstadt, die ganz nebenbei mit so großartigen Monumenten wie dem römischen Theater oder der aus der maurischen Besatzungszeit stammenden Burg Alcazaba aufwartet.

Wie die Krippen gehören übrigens auch die spanischen Verdiales zur Weihnachtszeit in Málaga. Alljährlich am 28. Dezember, dem Día de los Inocentes, treten die regionalen Musik- und Tanzgruppen gegeneinander an. Auch in diesem Jahr werden zum Hauptwettstreit wieder zahlreiche dieser sogenannten Pandas erwartet. Sie treten in unterschiedlichen Kategorien gegeneinander an. 2013 hat die Kulturvereinigung diese mehr als 1000 Jahre alte Tradition erstmals Mitte Dezember mit einer eigenen Veranstaltung in den Bergen wiederbelebt. Zwischen wintergrauen Olivenbäumen geben sich die Musiker der verschiedenen Pandas mit ihren bunten Blumenhüten ein Stelldichein. Die erste Runde in diesem sehenswerten Wettbewerb gewinnt die Gruppe, die mit ihren Gitarren, Geigen, Tritonshörnern, Tamburins und Kastagnetten lauter und temperamentvoller spielen kann als ihr Gegenüber. Erst in der zweiten Runde geht es dann um Kategorien wie den besten Gesang oder Tanz.

Informationen

Leckerei Turrón

Die Ersten, die Mandeln und Honig zu köstlichem weißem Nougat verarbeiteten, waren wohl die Araber. Das lassen zumindest die medizinischen Aufzeichnungen eines arabischen Arztes aus dem 11. Jahrhundert vermuten. Mit den Mauren gelangte die Spezialität dann im Mittelalter als Turrón nach Spanien – und ist dort bis heute unverzichtbarer Bestandteil der weihnachtlichen Schlemmerei. Wer in Málaga und der Region nach einem typischen Mitbringsel für das Fest sucht, wird in den speziellen Turrón-Geschäften fündig, wo unzählige Nougatvarianten zu haben sind. Die beiden wichtigsten sind der knackig-krokantige Turrón duro und der zart schmelzende, fein vermahlene Turrón blando. Neben den Grundzutaten gibt es Varianten mit ganzen Mandeln, Erdnüssen, Pistazien, Trockenfrüchten oder auch mit Schokolade. ze

Hin & weg

Anreise : Die Fluglinien Iberia, Vueling und Air Berlin bieten Direktflüge nach Málaga von allen größeren Städten wie Hannover, Hamburg oder Berlin aus an.

Veranstaltung : Die Hauptveranstaltung der Verdiales von Málaga findet alljährlich am 28. Dezember in Puerto de la Torre statt. Kleinere Begegnungen der verschiedenen regionalen Musikgruppen (Pandas) finden bereits den ganzen Dezember über statt.

Mehr Informationen : www.spain.info

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