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Ein Stück England vor Frankreich

Guernsey Ein Stück England vor Frankreich

Die zweitgrößte Kanalinsel Guernsey ist ein Paradies für Gartenfreunde – unter anderem wegen des Parks von Sausmarez Manor.

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Guernsey ist die zweitgrößte Insel im Ärmelkanal, nach Jersey.

Quelle: Visit Guernsey

Es gehört ein bisschen Vorstellungskraft dazu, wenn Peter de Sausmarez von seiner Zeit als Hippie erzählt. Immerhin wirkt der ergraute Hausherr von Sausmarez Manor auf Guernsey heute wie der Inbegriff eines britischen Landadligen. In Anzug und Krawatte plaudert der 70-Jährige im Salon seines Bilderbuchherrenhauses über das Aussteigerleben als frisch verheirateter Farmer.

„Eine tolle Zeit war das damals“, sagt de Sausmarez, verschränkt die Arme und blickt fast ein wenig wehmütig durch das Fenster auf den dicht gewachsenen Rasen seines großzügigen Gartens. War es die schönste Zeit, die er bislang erlebt hat? Einen sehr kurzen Augenblick überlegt der Hausherr, bevor er entschlossen verneint: „Nein, das ist schon mein Leben hier auf Guernsey.“ Und damit liegt er voll im Trend.

Steueroase, Blumenparadies, Geldanlage-Mekka – die beschauliche Insel vor der Küste der Normandie genießt viele angenehme Charakteristika. Für die Einwohner, egal wen man fragt, ist Guernsey aber vor allem eines: der wohl schönste Ort zum Leben. Graham, Taxifahrer in der vom Wasser aus wie gemalt wirkenden Inselhauptstadt St. Peter Port, bestätigt dies aus voller Überzeugung. Ab und an sei er in London, um ein wenig Großstadtflair zu genießen, sagt der gebürtige Guernseyaner. „Aber wenn ich die hektischen Menschen dort sehe, weiß ich, wieso ich immer wieder gern nach Guernsey zurückkomme.“

Andy Le Prevost geht es nicht anders. „Es gibt keinen anderen Ort auf der Welt, an dem ich leben möchte“, sagt der Inhaber von Seafresh, dem größten Fischhandel der Insel. „Das kann ich voller Überzeugung sagen.“ Und auch Michael, zahnloser Gast eines Pubs am Hafen von St. Peter Port, schmunzelt, als er einen Schluck Lager-Bier nimmt, entspannt hinaus in die Sonne blickt und mit deutlicher Ironie fragt: „Ist es nicht schrecklich, hier zu leben?“

Guernsey ist die zweitgrößte Insel im Ärmelkanal, nach Jersey. Gemeinsam mit den kleineren Inseln Alderney, Sark und Herm bildet sie politisch streng genommen einen eigenen Staat. Was nicht ganz einfach zu verstehen ist: Die Kanalinseln sind im Besitz der britischen Königin – allerdings nicht etwa, weil sie das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs wäre, sondern wegen ihres historisch begründeten Titels der Herzogin der Normandie.

Die Inseln gehören weder zu Großbritannien noch zur Europäischen Union. Gleichwohl hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein sehr britischer Lebensstil eingeschlichen. Der Cream Tea am Nachmittag gehört zum Alltag wie das abendliche Pint Bitter im Pub. Autos fahren auf der linken Seite und bezahlt wird mit Pfund – wenn auch mit eigenen Noten und Münzen. Und auch wenn auf den einst normannischen Inseln noch immer zahlreiche französische Straßenschilder hängen – ausgesprochen werden diese Namen von den Einwohnern stets in feinstem Universitätsenglisch.

Vor allem eines aber ist auf den Kanalinseln bis heute eher französisch als britisch: das nahezu perfekte Wetter. Guernsey und die Nachbareilande liegen am Golfstrom, was dazu führt, dass es hier im Grunde keinen Winter gibt. Die Temperaturen liegen immer über dem Gefrierpunkt.

Glück für Peter de Sausmarez: Denn in Anbetracht dieses milden Klimas wächst und gedeiht das Glanzstück seines Anwesens aus dem 13. Jahrhundert: der Park, der teilweise mehr wie ein subtropischer Dschungel wirkt. Die Bananenbäume sind einige Meter hoch, die Rhododendren-Büsche kaum kleiner. Sie tragen blumenkohlgroße Blütenbüschel und lassen selbst jenen erstaunt verweilen, der sonst mit Botanik wenig am Hut hat. Flächen neuseeländischen Farns erstrecken sich bis hinunter zu den beiden kleinen Seen; zig Bambussorten ragen in den von dichten Bäumen zugewachsenen Himmel.

Peter de Sausmarez’ Park ist ein Paradies für Landschaftsgärtner. Und mehr noch: auch für Kunstfans aus aller Welt. 1998 begann der geschäftstüchtige Gutsherr, das dicht bewachsene Gelände zu einer Art Freiluftgalerie auszubauen – der vermutlich ersten der Britischen Inseln. Weit mehr als 100 Skulpturen sind heute zwischen den Pflanzen versteckt, Künstler aus aller Herren Länder nutzen das erlesene Gelände, um ihre Werke an den Mann zu bringen. Eine Art Dschungelcamp für Skulpturen.

Im Grunde sei er auch ein „Business Man“, sagt Peter de Sausmarez über sich selbst, ein Geschäftsmann. Im quirligen London hatte er einst für die angesehene Zeitung „The Times“ gearbeitet, anschließend für das bekannte Auktionshaus Christie‘s. Im beschaulichen St. Martin auf Guernsey wirkt er nun als Freiluftgalerist – freilich nicht ohne Hintergedanken. Das große Anwesen zu erhalten ist nicht ganz preiswert. Deswegen zieht der in Indien geborene Sohn eines Guernseyaners gern und viele Besucher an. Sein Herrenhaus öffnet Peter de Sausmarez in den Sommermonaten mehrmals wöchentlich für Besichtigungen. Eine Parterrewohnung vermietet er als Feriendomizil. Und der sonnabendliche Bauernmarkt auf seinem Gelände genießt auch unter Einheimischen den allerbesten Ruf.

De Sausmarez‘ Anwesen ist ein kleiner Kontrapunkt zu den regen Geschäftstätigkeiten in der Hauptstadt St. Peter Port. Ein bisschen Ursprünglichkeit in der sonst ein wenig hektischer gewordenen Inselwelt; eben ein bisschen Hippietum im Banken-Mekka.

● Anreise
Mit Air Berlin und TUI Wolters bis Ende September sonnabends direkt ab Hannover, Frankfurt und Düsseldorf nach Guernsey. Die inseleigene Airline Aurigny (französisch für Alderney, eine der Kanalinseln) verbindet Guernsey mehrmals täglich unter anderem mit London-Gatwick und London-Stansted. Anschluss nach Deutschland hat man mit Air Berlin und Germanwings.
● Klima
Wegen ihrer Lage am Golfstrom herrscht auf der Insel ein durchweg mildes Klima.

● Pauschalreisen
TUI Wolters bietet Rund- und Pauschalreisen auf die Kanalinseln an. Eine Woche Guernsey pauschal gibt es ab 612 Euro pro Person.

● Währung
Auf Guernsey und den dazugehörigen kleineren Inseln gilt das Guernsey Pfund. Es unterliegt demselben Währungskurs wie das britische Pfund, mit dem ebenfalls bezahlt werden kann. Vorsicht: Guernsey-Pfund können in Großbritannien (und dem Rest der Welt) nicht genutzt werden!

● Unterkunft
St. Pierre Park Hotel, idyllisches, komfortables Vier-Sterne-Hotel am Rand von St. Peter Port, www.stpierrepark.co.uk
Sausmarez Manor bietet eine Ferienwohnung an (ab 400 Pfund pro Woche), www.sausmarezmanor.co.uk
The Farmhouse, traumhaft renoviertes Landhaushotel in St. Saviour, www.thefarmhouse.gg

● Literatur
Merian live und Marco Polo haben Bände zu den Kanalinseln.

Victor Hugos Roman „Die Arbeiter des Meeres“ spielt auf Guernsey. Das Buch ist jedoch aktuell nur gebraucht auf Deutsch erhältlich.
● Informationen
http://deutsch.visitguernsey.com

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