Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Schweiz

Ein Winterdorf mit Halbwertszeit


Im Schweizer Engelberg hat die Eiszeit begonnen: Am Fuße des Titlis übernachten Touristen in Iglus auf Schneebetten.
Aufwärmen bei 39 Grad: Nach der nächtlichen Schneeschuhwanderung hilft ein Bad im Whirlpool des Igludorfs.

Aufwärmen bei 39 Grad: Nach der nächtlichen Schneeschuhwanderung hilft ein Bad im Whirlpool des Igludorfs.

© swiss-image.ch/Christian Perret

Darth Vader guckt hämisch. Zumindest scheint es so. Der Superheld aus „Star Wars“ ist aus Eis geschnitzt, in der Eisbar des Igludorfs im schweizerischen Engelberg blickt er auf uns Besucher, denen die Kälte langsam, aber gewissenhaft in die Skistiefel und Handschuhe kriecht. Minus 10 Grad, und es wird noch kälter. Für Darth Vader ist das gut. Aber für uns Menschen? Und es ist ja erst 18 Uhr. Essen gibt es in einer Stunde – also schnell noch einen Glühwein. „Aber nicht zu viel“, rät Dorfleiter Stephan. „Lieber viel Wasser und Tee, sonst dehydriert ihr in dieser Höhe.“

Eine Nacht wollen wir im Igludorf verbringen. Eine Nacht im Eis, die Wände, die Bar, die Betten – alles aus glitzernden Schneekristallen geformt. In 1800 Metern am Fuße des Titlis-Bergmassivs gleicht das Igludorf einem immensen Schneehaufen mit wenigen Eingängen. Weiß in weiß fügt es sich nahtlos in die Schweizer Berglandschaft ein. Dahinter verbirgt sich pfiffige Schneebautechnik: In jedem Jahr blasen die Erbauer einen Riesenballon auf und schleudern mit Schneekanonen und Fräsen 3000 Tonnen Schnee dagegen, nach und nach wird Iglu an Iglu angebaut.

Im Innern toben sich internationale Eiskünstler aus, darunter viele Inuit. Das Kunstmotto in Engelberg heißt diesmal Filmklassiker. Die Eisbar steht im Zeichen von „Star Wars“, die Lounge erinnert an „Jurassic Park“. Und in den Romantikiglus – so nennen sich die teureren Doppelzimmer – zieren Skulpturen des liebenswerten Monsters „Shrek“ oder von „Cap und Capper“ die Wände. Dort gibt es auch flauschige Schaffelle und rote Plüschherzen auf den Betten – und viele Kerzen auf dem Schneeboden. Anbrennen kann in dieser frostigen Umgebung ohnehin nichts.

Eingestürzt ist bislang keines der Iglus, sagt Dorfleiter Stephan, auch wenn das Eis bei weniger frostigen Temperaturen schon mal dünner werde. Beim Abbau im Frühjahr sei mal ein vier Tonnen schwerer Pistenbully absichtlich darüber gefahren – doch das Iglu hielt stand.

Essenszeit. In der Lounge riecht es nach Käsefondue. Rund 25 bemützte Gäste nehmen auf Sitzecken aus Schnee Platz, die mit Isomatten und Schaffell gepolstert sind. Tyrannosaurus Rex und andere aus Schnee gestaltete „Jurassic Park“-Darsteller kriechen rundherum aus den Wänden. Es herrscht aufgeheizte Stimmung. Die Frauengruppe, die einen Junggesellinnenabschied feiert, hat mit Schnaps bereits reichlich vorgeglüht. Sie schläft zu sechst in einem Mehrbettiglu. Auch einige Familien mit Kindern und viele Paare sind dabei. „99 Prozent der Gäste bleiben nur eine Nacht, dann fahren sie Ski und schlafen in Hotels“, erklärt der Dorfleiter. Wohl nicht nur der Kälte wegen, auch der Preis dürfte eine Rolle spielen: Eine Nacht im Igludorf kostet je nach Ausstattung zwischen 120 und 280 Euro pro Person.

Als Dorfgründer Adrian Günter sein erstes Iglu in Scuol, der Schweizer Bergwelt im Kanton Graubünden, baute, ging es ihm noch nicht ums Geschäft. Mitte der neunziger Jahre wollte er schlichtweg der Erste sein, der am Morgen seine Spuren mit dem Snowboard in den Schnee zieht. So grub er sich am Berg eine Schneehöhle und verbrachte dort die Nacht im Expeditionsschlafsack. Bald schon zogen Freunde mit. Später kamen vor allem Freerider – Wintersportler, die gern abseits der markierten Strecken durch unberührten Schnee fahren –, die sich den Iglubau etwas kosten ließen. Inzwischen eröffnet Adrian Günter in jedem Jahr um die Weihnachtszeit sieben der CO2-neutralen Igludörfer – fünf in der Schweiz, eines an der Zugspitze in Deutschland und eines in Andorra. Andere Anbieter haben nachgezogen. Engelberg ist das größte und am zentralsten gelegene Igludorf, der Titlis gehört zu den Topgebieten für Freerider in den Alpen. Um eigene „First Tracks“, die ersten Spuren im Schnee, zu ziehen, muss man allerdings selbst in Engelberg früh aufstehen. Die Übernachtung im Igludorf hat den Vorteil, gleich mitten im Skiparadies zu sein. Dafür sollte man aber nicht zu lange an der Eisbar ausharren.

Nach dem Essen versammeln sich die Unverfrorenen zur Schneeschuhnachtwanderung durch die schöne weiße Welt. Leider ist der Himmel in dieser Nacht bewölkt, der Wind bläst uns unbarmherzig um die Ohren. Wir sind froh, nach einer halben Stunde wieder zurück im Dorf zu sein. Wenige Minuten später liegen wir im Whirlpool, 39 Grad – man will da nie wieder raus. Aber im Wärmeraum warten schon weitere Gäste auf ihr zugeteiltes Zeitkontingent von 20 Minuten.

Wir sollen nur in Unterwäsche in den Schlafsack steigen und alles an die Fußenden legen, was wir am nächsten Tag anziehen wollen, hat uns Dorfleiter Stephan geraten. Nur die Nasenspitzen gucken noch hervor. Die Isolation aus Schaumstoff und Decken wärmt von unten. Am frühen Morgen weckt uns einer der Betreuer mit heißem Kräutertee. Es fällt ein bisschen schwer, sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt aus dem Schlafsack zu winden.

Alle Gäste bekunden, „kuschelig warm“ geschlafen zu haben. Manchem mit fest gefrorenen Haaren und roter Nase sieht man das nicht unbedingt an. Einer, dem die Kälte überhaupt nichts auszumachen scheint, ist Darth Vader. Für ihn beginnen die heiklen Temperaturen erst im Mai – wenn sich das ganze Dorf wieder in Wasser auflöst.

Sonja Fröhlich

Weitere Informationen:

www.engelberg.ch

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
Sonneninsel Usedom
Urlaub auf Usedom

Willkommen auf der Sonneninsel Usedom. Hier finden Sie alles, was zu einem erholsamen Urlaub gehört. Soviel Sonne wie nirgend...

Kreuzfahrten 2012
Kreuzfahrten 2012

Sie planen Ihren Urlaub mit dem Schiff? In unserem AnzeigenSpezial Kreuzfahrten haben wir aktuelle Informationen für Sie.

Anzeige

Zimmer mit Aussicht

Schicken Sie uns Ihr Traumbild!

Hatten Sie, liebe Leser, einen schönen Urlaub mit einem traumhaften Zimmer mit Aussicht? Dann schicken Sie uns doch ein Foto mit dem unvergleichlichen Blick aus dem Fenster und bereichern Sie damit die Bildergalerie unserer Leser.

Wechselkurse interaktiv

Meist gelesen in Reisen

Anzeige

HAZ-Leserreisen

HAZ-Leserreisen

Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die HAZ-Leserreisen bieten für jeden Anspruch genau das Richtige.



Top