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Isernhagen

Endlich mehr Platz zu Hause


Der Dachboden ist vollgestellt mit lauter Kram, im Keller passt kein Blatt mehr zwischen die Kisten- manchmal ist Besitz mehr belastend als bereichernd. Dann wird es Zeit auszumisten. Wir haben Menschen auf dem Nachtflohmarkt getroffen, die sich erfolgreich getrennt und ein paar Euro verdient haben.
Die einen misten aus, die anderen misten ein: Der Nachtflohmarkt im Isernhagenhof ist wortwörtlich ein Geben und Nehmen.

Die einen misten aus, die anderen misten ein: Der Nachtflohmarkt im Isernhagenhof ist wortwörtlich ein Geben und Nehmen.

© Carina Bahl

Isernhagen. Sie haben Kisten, Tüten, Wäschekörbe und Kleiderständer voll mit Sachen in den Isernhagenhof geschleppt. Es ist Freitagabend und Nachtflohmarkt in der Farster Bauerschaft. Etwa 30 Verkäufer bieten Liebhaberstücke neben ungeliebten Geschenken, Ausgedientes neben Unbenutzem an. Auch Patrick Gulle, seine Frau und Tochter haben zu Hause ausmistet: Comichefte vom Vater, Geschirr der Mutter, Babysachen von der Tochter. „Mir geben inzwischen sogar Freunde und Verwandte ihre Sachen mit, damit ich diese für sie verkaufe“, sagt Gulle. Nicht nur die Verkäufer auf dem Nachtflohmarkt, im Grunde beschäftigt sich früher oder später jeder einmal mit dem Ausmisten, um zu Hause nicht den Überblick zu verlieren. Derzeit nennt der Durchschnittseuropäer etwa 10?000 Gegenstände sein eigen. Und es wird eher mehr als weniger. Aufräumcoach Clemens Neuhauser aus Hamburg weiß warum: „Wir Menschen sind Sammler.“ Was sich im Laufe der Menschheitsgeschichte als Überlebensstrategie bewährt hat, ist heute in Zeiten des Überflusses eher hinderlich. Wir horten Dinge, selbst wenn wir sie nicht gebrauchen.

Lena Ahrens ist als Käuferin auf dem Nachtflohmarkt, immer auf der Jagd nach Neuem: „Ausmisten müsste ich unbedingt auch mal, aber Einkaufen macht mehr Spaß“, gesteht die 30-Jährige. „Aber wenn ich so in meinen Schuhschrank gucke, kann ich mich einfach nicht trennen.“ Und das, obwohl sie viele ihrer Schuhe lange nicht mehr angezogen habe. Sich zu trennen, fällt nicht leicht – auch das ist typisch für die Menschen. Was einmal uns gehöre, geben wir ungern her, sagt Aufräumcoach Neuhauser. Doch Aufräumen ist letztlich nichts anderes, als Entscheidungen zu treffen: Das kann weg kann, das darf bleiben. Und manchmal braucht es nur einen bestimmten Anlass, um mit dem Ausmisten loszulegen. So wie bei Flohmarktverkäuferin Brigitte Seja. Manches, das sie auf ihrem Tisch zum Verkauf anbietet, sind sogar Dinge, die sie mal geschenkt bekommen hat. Aber Seja sieht das pragmatisch: „Irgendwann muss man sich davon trennen“, sagt sie. „Außerdem ziehe ich um.“ Das sei der richtige Zeitpunkt zum Aufräumen und Aussortieren.

Carina Bahl und Jelena Altmann

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