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Ecuador

Hut ab, Guayaquil!


Die ecuadorianische Hafenstadt hat sich von einem ungeliebten Inselsprungbrett zu einem echten Urlaubsziel gemausert.
Eine Stadt im Wandel: Guayaquil in Ecuador hat das Image einer Kriminalitätshochburg abgelegt.

Eine Stadt im Wandel: Guayaquil in Ecuador hat das Image einer Kriminalitätshochburg abgelegt.

© iStockphoto/Victor Hugo Villamil Avila

Guayaquil. Jahrzehntelang haben Touristen um Guayaquil einen Bogen gemacht. Die ecuadorianische Hafenstadt diente auswärtigen Gästen meist nur als Sprungbrett zu den rund 1000 Kilometer entfernten Galapagosinseln. Doch wer sich an nicht so ganz aktuellen Reiseführern orientiert und auf eine Visite in der 2,5-Millionen-Metropole verzichtet, verpasst einiges.

Der Wandel der einst als verdreckte Kriminalitätshochburg verrufenen Stadt zu einer eleganten Dame mit viel Charme ist überall sichtbar. Zu verdanken ist das vor allem Stadtoberhäuptern wie Jaime Nebot. Ihm und seinem Amtsvorgänger León Febres Cordero gelang es mit beharrlicher Überzeugungsarbeit, die Herzen und vor allem die Brieftaschen der wohlhabenden Einwohner zu öffnen.

Traditionell gilt Guayaquil als durchaus reich, hier lebt eine selbstbewusste Oberschicht, die jedoch seit Jahrzehnten ihr Geld lieber im fernen Miami investierte als in der eigenen Stadt. Zu gering war das Vertrauen in die herrschenden Strukturen. Stadtchef Nebot trat im Jahre 2001 sein Amt an und konnte zahlreiche Einwohner dazu bewegen, sein ehrgeiziges Programm der Stadtumgestaltung mitzutragen.

Für Touristen werden dessen Ergebnisse vor allem an der prachtvollen Uferpromenade am Rio Guayas sichtbar. Auf dem Malecón Simón Bolivar lässt es sich wunderbar flanieren, und das auch zu abendlicher Zeit – was in südamerikanischen Großstädten keineswegs normal ist. Wer das Lichtermeer der Millionenstadt vom Wasser aus betrachten möchte, sollte sich ein Ticket für das Piratenschiff „Morgan“ kaufen. Das fährt zwar nicht mit Segelkraft, aber sonst ganz stilecht auf dem Rio Guayas entlang und erinnert an eine Zeit, als echte Piraten hier keine Seltenheit waren. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Stadt mehrfach von Piraten und Freibeutern geplündert.

Als im Jahr 1709 Woodes Rogers und Etienne Courtney angriffen, mussten sie kurz darauf das Weite suchen. Vertrieben wurden sie nicht etwa von der wehrhaften Einwohnerschaft, sondern von einer heftigen Gelbfieberepidemie.

Zu leiden hatte die Stadt einst nicht nur unter Piraten und Epidemien, sondern auch unter Feuersbrünsten. Zahlreiche Bauten der kolonialen Zeit fielen den Flammen zum Opfer. Was überdauert hat, wurde in den vergangenen Jahren im Zuge des städtischen Strukturprogramms aufwendig restauriert. Gewandelt hat sich auch die unmittelbar an der Hafenpromenade liegende Hügelkuppe Cerro Santa Anna. Dort hinauf wagte sich noch bis vor Kurzem kaum ein Tourist, nun gilt ein Besuch im einst berüchtigten Viertel nicht nur als lohnend, sondern auch als sicher.

Schließlich investierten Stadtverwaltung und private Geldgeber nicht nur in die Infrastruktur, sondern auch in die Sicherheit. Doch nicht nur das – Bürgermeister Nebot kümmerte sich auch um die Verbesserung der Lebensverhältnisse der armen Bevölkerung, beispielsweise mit mobilen Kliniken, die weniger begüterte Stadtteile aufsuchen.

Vom Wandel zur Touristenhochburg profitiert auch so mancher Geschäftsinhaber in der Stadt – wie der 70-jährige Jouberth Barberán. In seinem kleinen Laden in der Primero de Mayo 114 verkauft er echte Panamahüte. Die stammen nicht etwa aus Panama, sondern werden von fleißigen Händen nur in Ecuador gefertigt. Zum Leidwesen der Ecuadorianer hat sich der irreführende Name aber weltweit durchgesetzt. Dabei geht der auf einen simplen Verwaltungsakt zurück: Lateinamerika-Importe in die USA wurden einst über Panama abgewickelt, dort erhielten alle Waren den Panama-Zollstempel. So blieb der Name auch an den schon seit dem 17. Jahrhundert in den ecuadorianischen Provinzen Manabí und Azuay gefertigten Hüten buchstäblich kleben.

Hut aus der Toquilla-Pflanze

Die legendären Hüte werden auch heute noch in mühevoller Handarbeit aus den filigranen Fasern der Toquilla-Pflanzen gefertigt. „Der Hut schützt vor Sonne und Regen, so dicht ist er“, betont Barberán. Während an einem einfachen Exemplar nur wenige Tage gearbeitet wird, stecken in den bis zu mehreren Tausend Dollar teuren Hüten aus besonders dünnen Fasern immerhin sechs Monate Mühsal. Dafür lassen sich diese dann auch für den Transport in schmalen Holzkisten problemlos rollen. Barberán, der sein Geschäft von seinem im Alter von 94 Jahren verstorbenen Vater übernommen hat, kann vor der Handarbeit der Flechterinnen nur den Hut ziehen: „So eine Arbeit schaffen nur ganz besondere Frauen.“

Ein beliebtes Ziel von Touristen in Guayaquil ist ebenfalls von filigraner Arbeit geprägt: der Zentralfriedhof. Seine aus strahlend weißem Marmor gemeißelten Grabdenkmäler geben der von Palmen gesäumten riesigen Anlage ihren einzigartigen Charakter. Der Friedhof wird wegen seiner prachtvollen Marmorgräber auch als „weiße Stadt“ bezeichnet. Auch der frühere ecuadorianische Präsident Vicente Rocafuerte ließ sich hier ein monumentales Grabdenkal errichten.

Auf dem 1843 eröffneten Gottesacker erinnert ein Mausoleum an den noch immer populären Sänger Julian Jaramillo (1935–1978), der in Guayaquil zur Welt kam und auch dort verstarb. Sein Andenken hält zudem das Restaurant „Lo Nuestro“ in der Avenue Víctor Emilio Estrada 903 wach, das dem Musiker eigens einen Raum gewidmet hat.

In ein Kontrastprogramm zum großstädtischen Guayaquil können Touristen im ecuadorianischen Regenwald eintauchen. Hier leben die Menschen teilweise noch so wie zur Zeit der Kolonisierung des Landes, wissen Pflanzen als Medizin zu nutzen und setzen auf urtümliche Kulte. Der Kontakt zu ihnen macht nicht immer tagelange Touren durchs schier endlose grüne Reich nötig. Von komfortablen Lodges wie der „Altos del Pastaza“ lassen sich relativ unkompliziert Dörfer der Indianer besuchen.

Auch Schamane Tzama zeigt Touristen gern, wie Rituale über viele Jahrhunderte bewahrt werden konnten. Kein spanischer Eroberer konnte die Gotteshäuser dieser Eingeborenen zerstören. „Unsere Tempel sind die Wasserfälle und Wälder“, erklärt der 42-jährige Ehemann von vier Frauen und Vater von acht Kindern.

Ein Stück urtümlicher Natur ganz anderer Art lässt sich entlang der Straße der Vulkane bewundern. Mit dem 5897 Meter hohen Cotopaxi befindet sich in der Nähe der Stadt Latacunga der höchste aktive Vulkan der Erde. Der lässt sich bequem mit dem Auto vom gleichnamigen Nationalpark aus erreichen, der Parkplatz befindet sich auf einer Höhe von immerhin 4500 Metern. Von dort aus können trittfeste und höhentaugliche Besucher nach oben steigen.

Atemberaubende Aussichten auf weitere gigantische Berge wie beispielsweise den 6310 Meter hohen Chimborazo lassen die Fahrt auf der Straße der Vulkane nie langweilig werden. Der ist die höchste Erhebung des Landes, gilt aber als nicht mehr aktiv. Alexander von Humboldt wagte 1802 den Aufstieg und kam auf eine Höhe von etwa 5600 Meter. Kurz darauf notierte er als erster Forscher die genauen Symptome der Höhenkrankheit.

Bert Endruszeit

Weitere Informationen
www.visitecuador.com

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