Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 14° Gewitter

Navigation:
Seminare für entspanntes Fliegen

Flugangst Seminare für entspanntes Fliegen

Mit Atemtechniken und Entspannungsübungen gegen die Angst: In Seminaren lässt sich entspanntes Fliegen erlernen.

Voriger Artikel
Ein Stück England vor Frankreich
Nächster Artikel
„Der Vulkan hat immer das letzte Wort“

Gegen Panikattacken, Schweißausbrüche und Beklemmungen helfen Technikwissen und Körperkontrolle: Atemübungen helfen beim Entspannen.

Quelle: Seidel

Hannover. Ohne Panik fliegen, mit einem Lächeln im Flugzeug sitzen – das ist schon lange ein Traum von mir. Stattdessen packt mich bereits Tage vor dem Abflug die Angst. Beim Start und bei jeglichen Turbulenzen dann Herzrasen und schweißnasse Hände – ich bin es leid. Nun sitze ich gespannt mit weiteren acht Teilnehmern im Seminarraum eines Hotels am Flughafen Hannover.

Mit meiner Flugangst bin ich keineswegs allein: „Rund 30 Prozent fliegen mit Unwohlgefühl bis Panik“, berichtet unsere Leiterin Laura Del Fabro-Güntsch, die uns in zwei Tagen die Angst nehmen will. „Der Mensch ist nicht zum Fliegen gemacht, er ist an den festen Boden gewöhnt“, beginnt die Psychologin. Das sehe ich genauso. Trotzdem will ich auf Urlaubsreisen in ferne Länder nicht verzichten, aber auch nicht Tage oder Wochen lang mit dem Schiff dorthin unterwegs sein.

Die Ängste der Teilnehmer sind unterschiedlich: Da sind zum einen unbekannte Geräusche, die Höhe, das Eingesperrtsein, die Turbulenzen, aber auch wenig Vertrauen in die Technik. „Die Flugangst ist in mehr als 75 Prozent kombiniert mit anderen Ängsten wie Höhen- oder Platzangst“, erklärt Laura. Sie habe einmal einen Fallschirmspringer in ihrem Seminar gehabt. Das sei schon skurril.

Probleme in der Höhe

Und tatsächlich hat Iris, die mir gegenüber sitzt, einen Pilotenschein. Sie fliegt eine Cessna – ohne Probleme. Aber in einer Passagiermaschine hat sie Angst, dass die Technik versagen könnte. Bei mir liegen die Probleme in der Höhe, und dass ich nicht aussteigen kann – das ist natürlich auch besser so. So braucht jeder bestimmte Methoden und Informationen, um diese Furcht zu überwinden.

Ich brauche Strategien, um mit meiner Angst umgehen zu können, ich möchte die Flugzeugbewegungen akzeptieren und keine Beruhigungsmittel mehr einnehmen. „Ängste zu bewältigen ist Arbeit und Training, es ist ein Prozess“, erklärt Laura. „Die Angst ist wie eine Primadonna: Je mehr Bühne man ihr gibt, desto mächtiger wird sie.“

Wichtig sei, die entstehende Angst aktiv einzudämmen und zu bewältigen, betont die Psychologin: keine Flucht, sondern Konfrontation. Die Angst nicht unterdrücken, sondern anschauen und agieren, sagt Laura. Wir machen Atemübungen und Muskelentspannungen. Um zu entspannen, muss man loslassen.

Dann folgt der technische Teil mit Lufthansa-Pilot Rolf Stünkel. Er ist einen Tag zuvor aus New York gekommen und fliegt am nächsten Tag nach Boston. Natürlich ohne Angst und ganz entspannt – seit 21 Jahren ist er bei der Lufthansa. Er erklärt uns Luftströmungen, Auftriebswinkel, Strömungsverhältnisse. Und wir erfahren, wie Piloten ausgebildet werden, dass sie regelmäßig zu medizinischen Tests müssen und der Flugzeugführerschein nur sechs Monate gilt.

Dann besichtigen wir ein Flugzeug. Im Cockpit zeigt Kopilotin Jasmin Rahvar die Instrumente und erklärt die Abläufe beim Start. Doch allzu viel Zeit ist nicht, die Passagiere der Maschine warten bereits. Ich bin völlig entspannt – ich weiß ja genau, dass für uns die Türen offen bleiben, wir nicht mitfliegen. Einige Teilnehmer sind allerdings schon unruhiger, als sie in der Maschine stehen.

Pilot Stünkel kommt nach der Besichtigung auf Turbulenzen zu sprechen: „Sie bringen ein Flugzeug nicht an seine Stressgrenzen“, betont er. „Das ist kein Sicherheitsproblem, sondern ein Komfortproblem für die Passagiere.“ Die Luft sei verwirbelt, es gebe nicht immer die gleiche homogene Strömung. Ein Schiff schaukelt in den Wellen, ein Flugzeug bewegt sich in der Luft. Na logisch, denke ich, aber irgendwie ist es doch etwas anderes.

Wichtig für einige: Selbst wenn alle Triebwerke ausfielen (was sehr unwahrscheinlich ist), würde das Flugzeug nicht abstürzen, sondern noch mehr als 200 Kilometer weit in der Luft bleiben können – und der Pilot könnte im Gleitflug den nächst gelegenen Flughafen ansteuern, um zu landen.

Das technische Wissen mindert die Angst bei einigen bereits beträchtlich. Wir erfahren, dass das Radargerät im Cockpit 500 Kilometer weit reicht. „Das erlaubt uns, alle Gewitter zu umfliegen“, verdeutlicht Pilot Stünkel.

So weit die Theorie. Nun kommt die Praxis

Am nächsten Morgen steht ein richtiger Flug an. Wir lernen eine Übung für den Start des Flugzeugs: Hände an die Kopfstützen, anspannen, zehn Sekunden halten, loslassen, entspannen. „Dreimal diese Übung, dann ist die Maschine in der Luft“, beruhigt Laura. Hört sich gut an, denke ich. Wichtig ist, positiv zu denken und eine Vision zu haben: „Ich schaffe es, ich glaube daran.“ Das denke ich tatsächlich.

Dann ist es so weit: Wir gehen zu unserem Gate, durch die Kontrolle. Noch vor den anderen Passagieren betreten wir das Flugzeug, der Pilot begrüßt uns sogar persönlich. Das schafft Vertrauen. Wir sitzen zusammen, ich freue mich sogar ein bisschen auf den Flug und will das umsetzen, was ich gelernt habe.

Harald fliegt zum ersten Mal und ist der Panik nahe. Aber er steigt nicht wieder aus, Laura sitzt neben ihm und gibt leise Anweisungen für Entspannungsübungen. Ulf und Maren neben mir sind noch ganz locker. Dann startet das Flugzeug. Einen Moment lang schließe ich die Augen, verkrampfe mich und kralle mich an den Sitzlehnen fest. Aber halt: „Immer die Augen offen lassen“, hat Laura gesagt. Und aktiv werden, der Angst keinen Raum geben.

Ich konzentriere mich auf meine Atmung. Kurz einatmen, lang ausatmen. Dann sind wir schon in der Luft. War doch ganz einfach. Ich unterhalte mich mit meiner Nachbarin. Als wir durch die Wolken fliegen und es anfängt zu wackeln, zucke ich erneut zusammen. Schnell konzentriere ich mich auf Anspannung und Entspannung. Die Angst lässt nach, es funktioniert!

Ich merke aber auch, dass ich schnell in alte Verhaltensmuster zurückfalle. Das hat Laura uns vorhergesagt – es ist Arbeit. Ich beobachte Harald, der ruhiger wird. Nach gut einer Stunde landen wir in München. Laura gratuliert uns allen. In einem Café trinken wir etwas, dann ist es schon Zeit für den Rückflug. Alle sind lockerer als vor dem Hinflug. In der Maschine beobachte ich Harald: Das ist erstaunlich, er ist fröhlich und isst eine Brezel. Größer kann der Unterschied zum Hinflug kaum sein.

Nachdem wir in Hannover gelandet sind, gibt es eine Abschlussrunde: Iris hat Vertrauen in die Technik gewonnen – wie bei ihrer Cessna. Ralf kann Geräusche zuordnen – ihm hat der Technikteil sehr viel gebracht. Ich habe Strategien gelernt, um mit der Angst umzugehen. Das gibt mir Sicherheit und hilft.

Laura empfiehlt uns, die Entspannungsübungen immer wieder zu trainieren. Der Weg zum Erfolg ist anstrengend und geht nur Schritt für Schritt. „Und immer daran denken“, erinnert Laura: „Diese Primadonna ist lästig, am besten, man lässt sie erst gar nicht erst auf die Bühne.“

Martina Steffen

Seminare
Seminare an 17 Flughäfen in Deutschland und Italien, darunter Hannover, Hamburg, Bremen, Leipzig und Münster/Osnabrück, in Zusammenarbeit mit der Lufthansa.

Kosten
780 Euro pro Person

Weitere Informationen
Agentur Texter-Millot
Hohenstaufenstraße 1
80801 München
Tel. (0 89) 39 17 39
www.flugangst.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Reisen
Leseraktion: Zimmer mit Aussicht

Teilen Sie den schönsten Ausblick aus ihrem Urlaubsdomizil mit anderen Lesern: Die besten Einsendungen veröffentlichen wir in dieser Bildergalerie.

Anzeige