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Schweben wie ein Falke
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Tauchabenteuer vor Mallorca Schweben wie ein Falke

Einsame Buchten, Ballermann-Partys, Wander-Eldorado, Jetset-Treff: Auf Mallorca findet jeder sein eigenes Paradies - auch Taucher. Die spanische Mittelmeerinsel lockt mit magischen Unterwasserhöhlen, mystischen Wracks und riesigen Fischschwärmen.

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Schwerelos: Ein Taucher beobachtet die Unterwasserwelt von Mallorca.

Quelle: Albert Lerycke

Palma de Mallorca. Auf der Terrasse hieven die Taucher ihre Pressluftflaschen auf den Rücken. Sie nehmen ihre Schwimmflossen unter die Arme und laufen schwer bepackt eine steile Betontreppe hinunter zum Wasser. Dort wartet bereits das Schlauchboot. Die Taucher sind mit Mathias Günther unterwegs. Ihm gehört die Scuba Activa Tauchbasis in San Telmo, einer Hafenstadt auf Mallorca. Überzeugt hat den gebürtigen Stuttgarter bei der Wahl des Standorts vor allem der Fischreichtum vor der Baleareninsel. „Wir haben hier riesige Barrakudaschwärme. Auf unseren Tauchgängen sehen wir auch regelmäßig große Zackenbarsche, Adlerrochen und gelegentlich sogar Mondfische“, versichert er. Mit etwas Glück trügen seine Gäste im Sommer sogar Seepferdchen, Delfine und Schildkröten in ihre Taucherlogbücher ein, sagt Mathias.

Die Überfahrt mit dem Schlauchboot zur vorgelagerten Insel Dragonera dauert nicht einmal zehn Minuten. Doch es ist eine Fahrt in eine andere Welt. La Dragonera, das mystische Eiland, das sich mit Dracheninsel übersetzen lässt, ist überwältigend schön. Einst lebten hier Piraten und Schmuggler. Heute bevölkern nur noch kleine Drachenwesen die Insel: Die unzähligen endemischen Echsen sollen der nur vier Kilometer langen und 900 Meter breiten Insel ihren Namen gegeben haben. Eine andere Theorie besagt, er stamme von der Drachenform der Insel, die als Fortsetzung des Tramuntana-Gebirges hier spektakulär im Mittelmeer versinkt.

Nicht weniger eindrucksvoll ist der Ausblick, den die Gäste beim Abtauchen am Cap de Tramuntana an der Nordspitze der Dracheninsel haben. Nach nur wenigen Minuten ziehen die ersten großen Barrakudaschwärme dicht an den Tauchern vorbei. Ihre silbrig-blauen Schuppen glänzen und blitzen in den Sonnenstrahlen, die das glasklare Wasser durchstoßen. Es sind an die 100 Barrakudas. Zwischen gewaltigen Felsbrocken verstecken sich kleine Tintenfische. Auf der gemütlichen Terrasse der Tauchschule werden die Tintenfische während der Mittagspause in den Erzählungen der Taucher immer größer und die Zahl der Barrakudas steigt auf 300 Tiere an. Nach einem Café con Leche, der spanischen Variante des Milchkaffees, und einem kleinen Snack geht es auf zum zweiten Tauchgang.

Mathias Günther möchte seinen Gästen die Dragonera-Insel von einer Seite zeigen, die nur wenige Mallorca-Urlauber vom Festland aus zu Gesicht bekommen. Mit dem Boot fährt er auf dem Weg zum südlich gelegenen Cap des Llebeig so dicht an den gewaltigen Steilklippen der Nordwest-Küste vorbei, dass sich der salzige Meeresgeruch mit dem Duft von Rosmarin und Heidekraut mischt, die in den Felsnischen wachsen. Bis zu 353 Meter ragt die Insel hier in die Höhe. Nervös nehmen die Möwen, Turmfalken und die scheuen Eleonorenfalken, die zu Hunderten in den Steilklippen nisten, das Taucherboot wahr. Mathias und seine sieben Taucher zieht es ins Wasser.

Wie die Falken an den Klippen schweben nun die Taucher unter Wasser an den sich im Meer fortsetzenden Steilwänden hinunter. Imposant stürzen die Wände hier 50 Meter fast senkrecht in die Tiefe. Die Felslandschaft ist überwältigend, die Sichtweite ausgezeichnet. Tonnenschwere Brocken liegen übereinander und bilden kleine Tunnel, durch die die Taucher hindurchschwimmen. Kleine Muränen verstecken sich in Felsspalten. Große Zackenbarsche und sogar ein Drachenkopf schwimmen den Tauchern vor die Maske. „Da Dragonera bereits 1995 zum Naturpark erklärt wurde und das Fischen und Ankern verboten ist, haben wir hier eine enorme Fischvielfalt, die im Mittelmeer ihresgleichen sucht“, sagt Mathias, der aus diesem Grund bereits 1996 am Südwestzipfel Mallorcas seine Tauchbasis eröffnete. Rund dreißig Tauchplätze befinden sich vor der Dracheninsel.

Fast die Hälfte der 550 Kilometer langen Küste Mallorcas steht unter Naturschutz. Auch die vorgelagerte Insel Toro nahe der Bucht von Palma ist Meeresschutzgebiet. Hier ist Fischen verboten. „El Toro gehört sicherlich zu den besten Tauchspots an der Westküste Mallorcas“, verspricht Marc Stöneberg, während er sein Boot an einer Boje festmacht. Der Beweis folgt in sieben Metern Tiefe. Riesige Schwärme von Goldriemenfischen und Stachelmakrelen tummeln sich vor der Stier-Insel. Ab und zu sind Barrakudas und Drachenköpfe dabei. Pfauenfische fressen ruhig in den Neptungraswiesen. An den Steilwänden, die bis zu 40 Meter tief abfallen, schauen neugierig Muränen aus Felslöchern.

„Viele Taucher sind überrascht, in unmittelbarer Nähe von Palma de Mallorca so fischreiche und interessante Tauchreviere zu finden“, erklärt Marc, der 2005 in Illetas seine Tauchschule West Coast Divers Mallorca eröffnete. Von seiner Basis aus erreicht er innerhalb von 15 bis 20 Minuten bis zu 20 Tauchplätze. Nur drei Minuten entfernt befinden sich die Unterwasserhöhlen von Porto Pi. Garnelen, Drachenköpfe, Nacktschnecken und Schlangensterne sind in den zwei Grotten zu finden. Noch schöner als der Artenreichtum ist das durch die Tunnelöffnungen von oben einfallende Licht. Es lässt das Mittelmeer im klaren Hellblau erleuchten. Nur wenige Bootsminuten weiter Richtung Palma erwartet vor allem Wrackfans ein Highlight.

Hier liegen gleich vier große Schiffswracks in 24 bis 35 Metern Tiefe. Die Sicht ist schlecht, doch Marc geleitet die Taucher geradezu auf einen 60 Meter langen Frachter hinab. In 18 Metern Tiefe erreichen die Taucher den Antennenmast. Marc taucht voraus, schwimmt ins Wrack hinein. Es ist ein nahezu mystisches Erlebnis, durch die Laderäume, die engen Gänge und durch die Brücke zu schweben. Große Fischschwärme haben das geheimnisvolle Schiff zu ihrem Zuhause gemacht. Nur wenige Meter daneben liegen auf dem Meeresgrund zwei Frachter und ein Motorsegler.

Vielen Wrackfans ist auch die See vor dem Eiland El Sec beeindruckend. Vor Jahren wurden hier drei kleine Schiffe versenkt, die Touristen anfangs noch mit einem U-Boot namens „Nemo“ besichtigen konnten. Seitdem „Nemo“ keine Touristen mehr nach unten bringt, haben die Taucher die Wracks für sich allein. Wie in den Überresten der Schiffe leben auch am Riff der kleinen Insel Hunderte von Muränen, Langusten und Tintenfische.

Ein ungewöhnliches Highlight für Wracktaucher liegt in 50 Metern Tiefe im Norden Mallorcas. Nur wenige Kilometer von der Bucht von Alcúdia entfernt versenkte das spanische Militär bereits 1949 das immer noch gut erhaltene U-Boot „B1“. Ganz in der Nähe steuert Albert Lerycke vom Tauchzentrum Sport & Nature Alcudiamar die imposante Höhlenwelt vor der Halbinsel Victoria an. Dutzende Grotten und Unterwasserhöhlen wie der Neptun-Tempel lassen sich hier am Cap Pinar ertauchen. Albert führt seine Gruppe durch einen Wald von Stalaktiten. Liegt jemandem die Enge und Dunkelheit der schmalen Gänge nicht, kommt er am Tauchplatz El queso auf seine Kosten. Hier tummeln sich Tintenfische, Nacktschnecken und Muränen. Tunnel und Felsspalten durchlöchern die frei liegenden Felsformationen.

Weiter von den Basen entfernte Tauchplätze lernen Touristen auf einem ganztägigen Ausflug mit der „Cabo Negro“ kennen. Die Trips auf dem traditionellen mallorquinischen Holzschiff bietet Albert Lerycke an. Das Boot ist aber nicht nur etwas für Taucher. Wer nicht taucht, der schwimmt einfach, fährt Kajak, schnorchelt oder genießt die Ruhe in einsamen, nur mit dem Boot erreichbaren Buchten. Schräg gegenüber vom Cap Pinar, liegt die Halbinsel Formentor. Ihr besonderer Reiz sind die Unterwasserhöhlen. Da stimmen Albert Lerycke und David Campling überein. Das Tauchboot von Davids Skualo-Tauchcenter in Bonaire fegt über das ruhige Wasser der Pollença-Bucht. Imposant türmen sich die mehrere 100 Meter hohen Steilklippen des Cap Formentor vor den Tauchern auf.

Was sie unter der Wasseroberfläche finden, ist allerdings nicht weniger beeindruckend: Senkrecht schießen die Klippen in die Tiefe. Das Wasser ist tiefblau und kristallklar. In der Jeronimogrotte hängen gewaltige Stalaktiten. Bis zu 30 Meter weit reicht die Unterwasserhöhle in den Fels hinein. Bekannt für seine zahlreichen Unterwasserhöhlen ist auch der südlichere Küstenabschnitt zwischen Porto Cristo, Porto Colom und der Cala Figuera. „An der Punta Blanca in der Cala Figuera fühlt man sich im Vergleich zu den riesigen Steinformationen verschwindend klein“, verrät Miquel Pascual vom Tauchzentrum Top Dive in der Nähe von El Arenal. Nicht von ungefähr kommt daher der inoffizielle Name des Ortes: Kathedrale der Steine.

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