Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Zwei Tonnen Fisch fürs Mittelalter

Barcelona Zwei Tonnen Fisch fürs Mittelalter

Filmreifes Barcelona: Eine spezielle Stadttour führt zu den wenig bekannten Drehorten in Spaniens beliebter Metropole.

Voriger Artikel
Christliche Enklave im Kaukasus
Nächster Artikel
Viel Wind und die perfekte Welle

Fotogene Kulisse: Woody Allen und Pedro Almodóvar schätzten den Parc Güell als Hintergrund für ihre Filme.

Quelle: dpa

Pedro Almodóvar, Daniel Brühl, Penélope Cruz, Javier Bardem, Dustin Hoffman, Scarlett Johannson und Woody Allen: Sie alle haben schon Filme in Barcelona gedreht. Auf thematischen Stadtführungen kann man die beliebtesten Drehorte kennenlernen – und dazu die eine oder andere Anekdote zu den Dreharbeiten hören.

Als Treffpunkt hat Reiseführerin Cristina Belenguer nicht zufällig die Kolumbusstatue gewählt. Das imposante Monument liegt nicht nur strategisch günstig im Zentrum, es ist auch in eine wunderschöne Umgebung gebettet. Blickt er nach Osten, sieht der Besucher den lebhaften Hafen von Barcelona mit Tausenden von Segelbooten, Yachten und Kreuzfahrtschiffen. Gen Süd erblickt man den Berg von Montjuïc mit seiner Festung und den Sportanlagen der Olympischen Sommerspiele von 1992. Die Seilbahn vom Berg über den Hafen bis zum ehemaligen Fischerviertel Barceloneta verläuft ganz nahe an der Kolumbusstatue vorbei. Richtung Westen blickt der Besucher Barcelonas Prachtallee, die Ramblas, hinauf. Und gen Norden erstreckt sich der palmengerahmte Passeig de Colom.

Mix aus Design und Moderne

„Ich möchte Sie heute auf eine ganz besondere Stadtführung einladen“, beginnt Cristina Belenguer ihre Führung. „Regisseure haben häufig einen guten Blick für schöne, interessante, aber nicht immer unbedingt offensichtliche Dinge“, erklärt sie. „Deshalb wollen wir heute Barcelona mal ganz neu kennenlernen und zwar anhand der beliebtesten Drehorte großer Filmemacher.“

Doch bevor es auf den Spuren Pedro Almodóvars, Tom Tykwers und Woody Allens durch die spanische Hafenstadt geht, möchte sie noch ein paar Dinge darüber erzählen, warum selbst international berühmte Filmemacher sich immer wieder in Barcelona verlieben. Es sei die Kombination aus Hafenambiente, Metropole, den fantasievollen Gebäuden großartiger Architekten wie Antonio Gaudí und der Mix aus Design und Moderne inmitten alter Stadtviertel wie dem Barrio Gótico, einem der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtviertel Europas. In Barcelona befinden sich von der Romanik über die Gotik bis zur Postmoderne einfach alle wichtigen Architekturstile, die sich ein Regisseur nur wünschen kann.

Aus diesem Grund werden in Barcelona jährlich bis zu 100 Kinofilme, Fernsehserien und Werbespots gedreht. 1896 entstand hier die erste spanische Filmproduktion. Vor allem Filmemacher, die mittelalterliche Stadtkulissen brauchen, drehen gern in Barcelona. So hat 2006 auch Regisseur Tom Tykwer fast seinen gesamten Film „Das Parfüm“ mit Dustin Hoffmann in Barcelona drehen lassen. Hier war es am einfachsten, das mittelalterliche Paris und Grasse entstehen zu lassen, erzählt Belenguer in Spanisch und perfektem Deutsch.

Mit Szenenfotos an die Drehorte

Ihre Begeisterung für die Filmstadt Barcelona springt schnell auf die Besucher über. Man merkt der 27 Jahre alten Katalanin an, dass sie eine Cineastin ist. Belenguer studierte Film- und Medienwissenschaften in Barcelona und Berlin und hat den zweieinhalbstündigen Filmrundgang selbst vor zwei Jahren entworfen.

Der Startpunkt der Tour, die Kolumbusstatue, diente Pedro Almodóvar in seinem Film „Alles über meine Mutter“ ebenfalls als erste Kulisse. Über den Passeig de Colom geht es zu Fuß zur nahen Plaça del Duc de Medinaceli. In der Mitte sprudelt ein Neptunbrunnen. Der niedliche Platz ist umgeben von prachtvollen Häusern mit etwas heruntergekommenen Fassaden.

Belenguer holt die Fotos der Filmszene aus „Alles über meine Mutter“ heraus. „Erinnern Sie sich an diese Szene? Hier trifft Penélope Cruz als ehemalige Nonne zum ersten Mal ihren an Alzheimer erkrankten Vater, der mit seinem Hund über den Platz spazieren geht.“ Und weiter geht es durch eine enge Altstadtgasse zur Plaça de la Mercè. „Können Sie sich vorstellen, wie es hier gestunken haben muss, als auf dem riesigen Platz rund zwei Tonnen stinkender Fisch auf dem Boden verteilt wurden?“, fragt sie in die Runde. Der Übeltäter war Starregisseur Tom Tykwer, Anlass war die Verfilmung des Bestsellers „Das Parfüm“.

Tykwer brauchte den Fisch, um die Plaça de la Mercè glaubhaft in einen stinkenden mittelalterlichen Markt umzuwandeln, die Geburtsstätte des Geruchsgenies und späteren Frauenmörders Jean-Baptiste Grenouille. Wer genau hinschaut, erkennt im Film die Kirchenwände wieder und sieht, dass einige der modernen Fassaden verdeckt wurden.

Fast alle Stadtszenen aus „Das Parfüm“ wurden in Barcelona gedreht. Tykwer musste die Plätze, verwinkelten Gassen und arkadengesäumten Alleen kaum verändern, um das Paris und das Grasse des 18. Jahrhunderts nachzustellen. Wieder zeigt Belenguer Fotos der Filmszene, um den Stadtrundgängern das Wiedererkennen zu erleichtern.

„Das Parfüm“ im Reformhaus

Über die schöne Plaça del Rei, die im Mittelalter als Arena für Stierkämpfe und Hexenverbrennungen diente, führt Belenguer ihre Gruppe zu einem Laden, den man alleine wohl niemals finden würde. Die Herbosteria del Rey, das älteste Reformhaus der Stadt, beherbergte in „Das Parfüm“ das Geschäft des Parfümeurs Baldini. Der Laden aus dem Jahre 1823 ist eine Welt für sich, ein Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Es duftet nach Lavendel, Salbei und Eukalyptus. Die alten Regale, mit Holzschnitzereien verziert, sind vollgepackt mit Kräutertees, Gewürzen und Kerzen. In der Mitte des Ladens steht ein kleiner, kunstvoll verzierter Brunnen. Ihn hätten die Dekorateure allerdings nicht im Bild haben wollen, erinnert sich Ladenbesitzerin Trinidad Sabates.

Über die Carrer de Ferran und die Carrer del Bisbe geht es weiter bis zur Plaça de Sant Felip Neri. Es ist derselbe Weg, den auch Jean-Baptiste Grenouille auf der Suche nach dem Mirabellenmädchen nimmt, bevor er es tötet. Auf den Fotos der Filmszenen lässt sich alles genau wiedererkennen, auch der schlichte Brunnen zwischen den großen Bäumen. Den meisten Barcelona-Touristen bleibt der Platz unbekannt, doch Woody Allen schätzte ihn als Schauplatz. Auf der Terrasse ließ er in seiner Komödie „Vicky, Cristina, Barcelona“ Penélope Cruz und Scarlett Johannson einen Café con leche trinken. Auch zahlreiche Filmszenen aus Streifen über den Spanischen Bürgerkrieg wurden hier gedreht.

Nicht weit von hier befindet sich das traditionelle Lokal „Quatre Gats“, in dem Woody Allen erstmals Javier Bardem auf Scarlett Johannson treffen lässt. Im Film funkte es zwischen der verführerischen Blondine und dem Oscar-gekrönten spanischen Schauspieler. Im wirklichen Leben lernten sich bei den Dreharbeiten Javier Bardem und Penélope Cruz lieben, die im Film seine Exfrau spielt – und seit Mitte Juli nun tatsächlich seine Ehefrau ist. Das „Quatre Gats“ hat eine besondere Ausstrahlung, jahrzehntelang trafen sich hier Barcelonas Künstler, Poeten und Intellektuelle. Auch Pablo Picasso war Stammkunde, seine ersten Bilder befestigte er hier mit Heftzwecken an der Wand.

Massenekstase im Museumsdorf

Doch Barcelona ist natürlich nicht nur das Barrio Gótico, das gotische Altstadtviertel. Allen und Almodóvar schätzten die fantasievollen Architekturkunstwerke Antonio Gaudis, wie seine Casa Mila, die Sagrada Familia Kirche – das Wahrzeichen der Stadt – oder den Parc Güell, als Drehplätze, Tom Tykwer inszenierte im Museumsdorf Poble Espanyol auf dem Stadtberg Montjuïc die große Schlussszene: die Hinrichtung des Mörders, die zur Massenekstase gerät.

Eine Viertelstunde zu Fuß entfernt, in der Hafengegend, filmte Cédric Klapisch viele Szenen seiner Komödie „L‘auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr“. Natürlich hängen die Protagonisten der bunten Erasmus-Studenten-WG bevorzugt am Stadtstrand der Barceloneta ab, an dem Woody Allen auch Scarlett Johannson vorbeischlendern lässt.

Sorgen um ihre Zukunft braucht sich Cristina Belenguer nicht zu machen, denn die nächsten Filmprojekte in Barcelona sind schon geplant. Die Reiseleiterin muss sich nur darauf einstellen, ihre Tour irgendwann zu erweitern.

Manuel Meyer

Anreise
Mit dem Flugzeug: Barcelona wird von zahlreichen Airlines bedient. So fliegen zum Beispiel von Hannover, Hamburg und Berlin regelmäßig Maschinen in die Hauptstadt Kataloniens. Barcelona wird von drei Flughäfen bedient: Barcelona (El Prat de Llobregat), Girona und Reus.

Mit dem Auto: Die Strecke führt über mautpflichtige Autobahnen. Um die Stadt führt eine Ringstraße, in der die Fernstraßen einmünden. Auf der Ringstraße kommt man mit dem Auto im Gegensatz zum Innenstadtgebiet meist relativ gut voran. Zur Hauptverkehrszeit gibt es hier allerdings regelmäßig Staus.

Weitere Informationen
www.spain.info

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Reisen
Leseraktion: Zimmer mit Aussicht

Teilen Sie den schönsten Ausblick aus ihrem Urlaubsdomizil mit anderen Lesern: Die besten Einsendungen veröffentlichen wir in dieser Bildergalerie.