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Haarige Blutspender - Hunde und Katzen an der Nadel
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Tiere Haarige Blutspender - Hunde und Katzen an der Nadel

Wenn Hunde und Katzen nach Unfällen oder bei Krankheiten dringend neues Blut brauchen, rettet eine Konserve womöglich ihr Leben. Für solche Notfälle können gesunde Vierbeiner Blut spenden.

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Husky Sirius spendet Blut: Bundesweit verzeichnet der Verein Weissepfoten rund 1800 Spender-Hunde - weitere werden gesucht.

Quelle: Stephanie Pilick

Berlin. Ganz ruhig liegt der große weiße Husky Sirius auf dem metallenen Behandlungstisch. Besitzerin Stefanie Klein streichelt seinen Kopf und redet beruhigend auf ihn ein. Tierärztin Kali Lazzerini setzt den surrenden Rasierer am Hals an, desinfiziert hinterher die kahle Stelle und sticht dem Hund eine etwa stopfnadelgroße Kanüle in die Vene. "Er spürt nur einen kleinen Piekser", versichert die Ärztin.

Daneben kniet Kollegin Jenny Stiller auf dem Fußboden und schwenkt einen Beutel mit Gerinnungshemmer, der sich binnen fünf Minuten mit einem Viertelliter Hundeblut füllt. "Anders als bei Blutspenden für Menschen haben wir hier keine Maschinen", erklärt Lazzerini.

Die Kleintierklinik der Freien Universität Berlin war 1996 die erste deutschlandweit mit einer Blutbank für Hunde. Inzwischen sind auch Katzen in der Spenderkartei. "Pro Jahr haben wir etwa 300 Blutabnahmen bei Hunden und 80 bei Katzen", erzählt Professorin Barbara Kohn, die das Projekt aus den USA nach Berlin gebracht hat. Inzwischen gibt es auch andere universitäre und private Kliniken, die Vierbeinern Blut abnehmen.

Der Bedarf ist groß: Wie beim Menschen sind Transfusionen auch bei Hunden und Katzen oft überlebenswichtig, etwa wenn sie von Immunkrankheiten oder Parasiten befallen werden, die rote Blutkörperchen zerstören. Oder wenn die Vierbeiner nach Unfällen mit Autos, Stürzen oder Beißereien zu verbluten drohen. Es gebe momentan keinen synthetischen Blutersatz, und die Blutkonserven seien nur begrenzt haltbar, erklärt Kohn. In der Klinik lagern sie in einem Kühlschrank.

"Wenn wir zwei größere Hunde gleichzeitig als Notfallpatienten haben, sind die Konserven auch schon mal nach zwei Tagen aufgebraucht", sagt Kohn. Für solche Notfälle haben die Ärzte eine Datei mit schnell verfügbaren Spendern. "Und für absolute Notfälle halten unsere Mitarbeiter ihre Hunde bereit."

Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt Blutspendemöglichkeiten wie diese. "Insbesondere Tierkliniken müssten auf Notfälle eingerichtet sein", betont Sprecher Marius Tünte. Wichtig sei aber, dass das Spendertier gesund sei. Um das sicher zu stellen, seien eine Untersuchung und Beratung dringend notwendig.

Nicht jedes Tier darf an die Nadel: Spender-Hunde dürfen in Berlin - je nach Rasse - höchstens zehn Jahre alt sein und sollten 20 Kilo wiegen. Außerdem sollte die letzte Spende drei Monate zurückliegen. Katzen spenden in der Klinik nur etwa alle halbe Jahre, sollten mindestens vier Kilo wiegen und nicht älter als zehn Jahre sein.

Die Rasse ist nebensächlich. Dalmatiner können Dackel ebenso gut retten wie ein Husky einen Yorkshire Terrier. Worauf es ankommt, ist die Blutgruppe. "Beim Hund eignet sich die Gruppe DEA 1.1 am besten", erläutert Veterinärin Lazzerini. Dieses Blut könne Hunden mit einer negativen aber auch einer positiven Blutgruppe gegeben werden.

Bei einer ersten Transfusion könnten die Blutgruppen aber auch problemlos vermischt werden, weil im Blut noch keine Antikörper gebildet seien, sagt die Ärztin. Das gehe bei Katzen gar nicht. Ebenso wenig sei Menschen- mit Hunde- oder Katzenblut mischbar. "Da würde es sofort starke Reaktionen geben."

Husky Sirius ist erst das zweite Mal da. Und trotzdem hat er die etwa einstündige Voruntersuchung und Wartezeit ebenso geduldig über sich ergehen lassen wie die Blutabnahme. "Andere Hunde sind so hektisch, dass wir die Entnahme abbrechen müssen", erzählt Lazzerini. Bei Katzen gibt es das Problem nicht. Sie bekommen immer eine Beruhigungsspritze. Zum Schluss gibt es als Dankeschön für Sirius noch einen Futtersack. "Er sollte jetzt nur etwas geschont werden und heute keinen Marathon mehr laufen", rät die Ärztin.

Besitzer können ihre Hunde in einer bundesweiten Datenbank des Vereins Weissepfoten aus Sachsen-Anhalt registrieren lassen, auf die Tierärzte im Notfall zurückgreifen. "Wir haben derzeit fast 1800 Spender-Hunde und suchen noch weitere, auch in Österreich und der Schweiz", sagt der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Holz. Das Netz solle möglichst dicht werden, damit die Spender keine stundenlange Anfahrt haben.

dpa

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