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Laatzen investiert in Menschen

10 Jahre Region Hannover Laatzen investiert in Menschen

Die Region Hannover wird in diesem Jahr zehn Jahre alt – ein schöner Anlass, alle Kommunen zu besuchen. In der aktuellen Folge stellen wir Laatzen vor. Thomas Prinz, Bürgermeister von Laatzen, über Hochhäuser, Hallenbäder und ein Profil mit Herz und Verstand.

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Langenhagen ist quadratisch, praktisch, gut

Laatzens Bürgermeister Thomas Prinz, geboren am 10. März 1957 in Wuppertal, wurde bei der Kommunalwahl 2006 mit 58,5 Prozent zum Bürgermeister von Laatzen gewählt. Der Sozialdemokrat, gelernter Jurist, war zuvor unter anderem in Finanz­ämtern sowie im Finanz­ministerium und bei der Landestreuhandstelle in Hannover tätig. Prinz ist verheiratet und lebt seit 1992 in Laatzen.

Quelle: Nico Herzog

Sie werben für Laatzen als „Stadt der Sinne“. Aber mal Hand aufs Herz, Herr Bürgermeister: Was für ein Image, glauben Sie, hat Laatzen in der Region wirklich?
Na, offenbar doch das einer Stadt, in die man gerne kommt, weil man sie zumindest nicht als spröde empfindet. Wir haben schließlich den Park der Sinne, das Luftfahrtmuseum, das AquaLaatzium, das Leine-Center, den Golfplatz in Gleidingen und als Erholungsgebiet die Leine­masch. Laatzen ist nicht umsonst eine wachsende Stadt. Und etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind zu Fuß in weniger als 15 Minuten an der Stadtbahn und gelangen von dort aus schnell in unsere nördliche Vorstadt, deren Name mir gerade nicht einfallen will …

Man ist also schnell in Hannover und schnell draußen im Grünen – schnell wieder weg aus Laatzen also. Spricht das für die Qualitäten der Stadt, die viele zuerst mit ihren Plattenbauten in Verbindung bringen?
Das heißt Systemgeschosswohnungsbau, bitte. Und da gilt es, einige Vorurteile zu korrigieren: In Laatzen-Mitte haben wir kaum Wohnungsleerstände. Nach Untersuchungen gibt es dort eine Wohnzufriedenheit von 71 Prozent, bei den älteren Anwohnern sogar von 87 Prozent. Das ist ein ausgesprochen hoher Wert. Laatzen-Mitte ist kein soziales Problemgebiet: Wir haben dort kein Graffiti-Problem, die Jugendkriminalität sinkt stärker als anderswo. Und von etwa 380 Jugendlichen im Jahr verlassen in Laatzen weniger als zwölf die Schule ohne Abschluss – solche Werte findet man sonst nur in dörflichen Lagen. Allerdings stammen viele Bauten in Laatzen-Mitte aus den siebziger Jahren, etliche Erstbezieher gehen jetzt in Ruhestand und ziehen fort. Da ist es unsere wichtigste politische Aufgabe, dort eine tragfähige Bevölkerungsstruktur zu erhalten.

Rund um das Leine-Center erlebt die Stadt gerade im großen Stil eine Art Facelifting – Laatzen-Mitte wird praktisch neu erfunden.
Die überdimensionierte Marktstraße wird endlich zurückgebaut, sie soll zu einem Aufenthaltsraum werden. Wir trauen dem Zentrum Zukunft zu, wir wollen die Stadt hübscher gestalten, damit auch Leute von außerhalb dies spüren. Wir bekommen dort Cafés, und im Rahmen des Projekts „Laatzen-Mitte wird top“ …

… das zu zwei Dritteln von Bund und Land finanziert wird …
… entsteht am Marktplatz außerdem ein Bildungs- und Gesundheitszentrum, neben dem auch eine Kindertagesstätte Platz finden soll. Langfristig würde ich mir dort auch ein gutbürgerliches Lokal wünschen. Mein ganz persönlicher Traum: eines mit Eigenbraubetrieb!

Der Marktplatz liegt vor dem Rathaus im Schatten einer eher klotzigen Wohnscheibe – ist das der richtige Ort für eine Kita?
Wir müssen die Betreuungsplätze dort anbieten, wo die Eltern der Kinder leben. Übrigens: Belebt wird der Platz schon heute durch Anrainerkinder, die genau dort spielen. Eine Kita an dieser Stelle ist auch ein Angebot für Eltern, die ihre Kinder sonst nicht in eine Kita geben würden – wegen der kurzen Wege.

Auch am Leine-Center wird gebaut: Das Einkaufszentrum wird auf dem früheren Karstadt-Parkplatz erweitert, insgesamt wird es 29 000 Quadratmeter Verkaufs­fläche haben. Südlich davon entstehen
als weitere Einkaufsmöglichkeit die Laatzen-Arkaden. Wer soll denn bloß in all diesen Geschäften einkaufen?
In der Stadt wird seit Langem schon deutlich mehr Geld ausgegeben, als alle Laatzener zusammen verdienen. Und dort entstehen vor allem Geschäfte, die es noch nicht gibt: ein Elektrofachhandel zum Beispiel und endlich ein Discounter. Auch ein Biomarkt fehlt bisher – und das Zentrum wird durch die neuen Gebäude optisch eindeutig aufgewertet.

In Gleidingen oder Alt-Laatzen stehen dafür Läden leer. Geraten die Ortsteile nicht ins Abseits?
Alle Ortsteile haben eine gute Versorgung: Es gibt Edeka in Ingeln-Oesselse und Rethen, Penny in Gleidingen und Kaufland in Alt-Laatzen. Als Schattenseite der guten Versorgung kann es da leider auch einen gewissen Leerstand geben. Kleinen Metzgereien und Bäckereien macht die große Konkurrenz zu schaffen – das liegt letztlich aber am Kaufverhalten der Konsumenten. Alle Laatzener haben etwas davon, wenn es unserer Mitte gut geht. Denn sollte es dort einmal düster werden, wird es in ganz Laatzen düster.

Strahlkraft auch über die Stadtgrenzen hinaus hat das AquaLaatzium. Dessen Anbau verzögerte sich um Monate. Geht’s in Laatzen etwas gemächlicher zu als in der quirligen nördlichen Vorstadt, deren Name Ihnen immer nicht einfällt?
Also, für den Fund der Kriegsbombe auf dem Baugrundstück konnten wir wirklich nichts! Und durch das Konjunkturpaket des Bundes, von dem auch unsere Stadt profitiert, waren viele Handwerksbetriebe voll ausgelastet. Für Holzfuß­böden im AquaLaatzium war lange gar kein Angebot zu bekommen. Jeder Bauherr weiß, dass Projekte derzeit langsamer vorankommen und teurer werden als zu anderen Zeiten.

Vor allem teurer: Beim AquaLaatzium explodierten die Kosten von 8,4 Millionen Euro beim Ratsbeschluss 2009 auf am Ende 11,2 Millionen Euro.
Abgerechnet wird zum Schluss! Wir investieren dort, um den Zuschussbedarf langfristig gering zu halten, wie es schon von der Eröffnung bis zum Ausbau war. Das ist Nachhaltigkeit! Der Markt verändert sich: Die Leute wollen wieder ganz traditionell ihre Bahnen schwimmen, und die Sauna hat Konkurrenz in Seelze und am Maschsee bekommen. Wenn wir jetzt in die neuen Trends investieren, sind wir dem Markt um fünf bis sechs Jahre voraus. Übrigens kenne ich in ganz Deutschland kein Schwimmbad, das sich selbst trägt.

Mussten Sie deshalb das Hallenbad in Rethen trotz massiver Proteste schließen?
Laatzens Ratsmitglieder wagen auch einschneidende Entscheidungen und suchen nicht nur den populärsten Weg. Ich bin stolz darauf. Die Entscheidung ist vernünftig. Die Stadt kann sich keine drei Hallenbäder leisten, weswegen ich dem Rat vorschlug, unser Geld in unseren Stärken zu konzentrieren. Und das AquaLaatzium werden auch die Vereine künftig kostengünstig nutzen können. Wie Schulen und zahlende Gäste werden sie dort wesentlich bessere Bedingungen vorfinden.

Mal abgesehen vom nahen Schwimmbad: Warum sollen Familien sich ausgerechnet in Laatzen niederlassen?
Auch bei Familien geht der Trend dahin, zurück in die Stadt zu ziehen – und wir profitieren unter anderem wegen unserer günstigen Lage davon. Außerdem sind wir ein sehr guter Bildungsstandort: Wir haben alle Schulformen in Laatzen, Grundschulen in allen Ortsteilen, teils mit Ganztagsangebot und Mensa. Wir haben 16 Kitas mit sehr ausgedehnten Öffnungszeiten. Das Angebot an Hort- und Krippenplätzen bauen wir aus – und dann ist da noch das „Laatzener Profil“.

Was, bitte, ist denn das „Laatzener Profil“?
Etwas, das uns jährlich etwa zwei Prozent unseres Haushalts kostet – ein ganzer Batzen Geld, aber das ist es uns wert: Wir stellen zusätzliche Fachkräfte in den Kinderkrippen an, schaffen zusätzliche Hortplätze, investieren in Sprachförderung bei Kindern und auch bei Müttern mit Migrationshintergrund. Niemand soll wegen seiner Herkunft benachteiligt werden. Darum geben wir im Bereich Bildung und Betreuung jedes Jahr eine Million Euro zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststandards aus. Das machen wir mit dem Herzen, aber auch mit dem Verstand, weil wir so auf abnehmende Bevölkerungszahlen reagieren.

Dabei verschuldet sich Laatzen aber bis über beide Ohren – die Niedersächsische Kommunalprüfungsanstalt (NKPA) kritisierte das vor einigen Monaten scharf.
Immerhin: Laatzen gibt’s noch. Die NKPA wurde inzwischen aufgelöst und in den Landesrechnungshof integriert. Wir haben finanzielle Schwierigkeiten, aber wir investieren in Menschen. Ich verspreche mir davon, dass wir so erfolgreiche Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer Herkunft haben werden – und dass wir so langfristig kostengünstiger leben.

Haben Sie für Laatzen Visionen? Schweben Ihnen noch Großprojekte vor?
Die finanzielle Situation verbietet es fast allen Kommunen, große Sprünge zu machen. Wichtig ist, dass wir eine intakte Bevölkerungsstruktur in Laatzen-Mitte erhalten. Was Baugebiete anbelangt: Die Stadt ist bereits sehr verdichtet, aber am Alten Markt in Alt-Laatzen wollen wir hochwertige Bebauung schaffen. Toll wäre es, irgendwann die Üstra-Linie vom Expo-Gelände bis nach Laatzen-Mitte zu verlängern. Und einen S-Bahnhof in Zentrumsnähe zu bekommen.

Würde ein Kino das Zentrum nicht ungemein aufwerten?
Untersuchungen belegen leider, dass ein Kino es nicht leicht haben würde, da die nahen Kinos in unserer nördlichen Vorstadt – Sie wissen schon – sehr schnell zu erreichen sind.

Ein Glanzlicht Laatzens ist das privat geführte Luftfahrtmuseum, das allerdings Unterstützung braucht …
Ich bin stolz auf diese Sammlung, die zu den herausragendsten ihrer Art in Deutschland zählt. Zu wenige junge Leute studieren heute technische Berufe – dort könnte man sie für Technik begeistern! Wenn wir bei der Vermarktung des Hauses helfen können, um weitere Besucherkreise zu erschließen, wollen wir das gerne tun.

Ein anderes Glanzlicht ist Laatzen unlängst abhandengekommen: Ferrari-Krüger ist umgezogen. Der Autohändler sitzt jetzt am Expo-Park, jenseits der Stadtgrenze.
Das ist natürlich traurig. Aber unter uns: Die Autos, die dort angeboten werden, lagen ohnehin außerhalb der finanziellen Reichweite eines Mittelstadtbürgermeisters.

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