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Ahlem Geschichte(n) aus „AhBaDa“
Hannover Aus den Stadtteilen Ahlem Geschichte(n) aus „AhBaDa“
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15:17 16.12.2015
Der Autor Torsten Bachmann mit seinem Buch vor der St.-Johannes-Kapelle, dem ältesten Gebäude Davenstedts.
Ahlem

Eines schönen Sonntags im Jahr 1779 unternahm der königlich hannoversche Hofbotaniker Friedrich Ehrhart einen Spaziergang nach Davenstedt. Am Wegesrand fielen dem geschulten Auge des Pflanzenkundlers einige Gewächse auf, die ausschließlich am Meer oder an Salzquellen gedeihen. Folgerichtig schloss der Botaniker, dass sich in Davenstedt Salzquellen befinden. Es sollte weitere 50 Jahre dauern, bis ausgerechnet der Sohn des Lindener „Kalkjohann“, Georg Egestorff, erkannte, dass sich das weiße Gold unter den Äckern der Dörfer Badenstedt und Davenstedt zu Geld machen ließ.

Auch Egestorf machte sich eines Tages auf und ließ sich vom Ortsschäfer mehrere Wassertümpel mit Salzgeschmack zeigen. Am 12. Juli 1831 schloss er mit der Gemeinde Badenstedt einen Vertrag, der es ihm erlaubte, auf jedem beliebigen Grundstück Proben zu entnehmen und - falls dort Salz gefunden wurde - eine Saline zu bauen. Dort, wo sich heute das Gelände des TVB Badenstedt befindet, ließ er das erste Badenstedter Salzwerk errichten. Die Erzählung markiert den Beginn der Industrialisierung in Badenstedt und Davenstedt. Solche und viele weitere Geschichten aus Ahlem, Badenstedt und Davenstedt hat der Autor Torsten Bachmann in seinem neuen Buch „Streifzüge durch die Geschichte“ aufgeschrieben.

Auf 120 Seiten schildert er anhand bekannter und in Vergessenheit geratener Beispiele die Entwicklung der einstigen Bauerndörfer von der frühen Industrialisierung bis zur Stadtteilwerdung. Der Bogen reicht von der Entdeckung der Asphalt- und Salzvorkommen zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Bau des 14-stöckigen Terrassenhauses am 11. August 1970.

Erfreulich unterhaltsam und mit großartig aufgearbeiteten, seltenen Schwarz-Weiß-Fotos illustriert, gelingt es Bachmann in 17 „Streifzügen“, einen lebendigen Eindruck von dem damaligen Leben und der Arbeitswelt zu zeichnen. Das erste Werk, das sich exklusiv der Geschichte des Stadtbezirks widmet, überzeugt durch eine angenehme Lesbarkeit, die besonders im Bereich der Lokalhistorie nicht selbstverständlich ist. Ein Grund dürften die vielen Gespräche mit Zeitzeugen und Alteingesessenen sein, die der Stadtteilkundler während der Recherche geführt hat.

Von der Vorsitzenden des Kulturtreffs Plantage, Jutta Bleidiesel, ließ er sich Geschichten aus der ehemaligen Gaststätte Linde erzählen. Die Gastwirtschaft ihres Vaters Heinrich Bleidiesel war 150 Jahre das Zentrum der Geselligkeit im alten Davenstedt. In der Linde wurden gleich mehrere Davenstedter Vereine gegründet, etwa die Ortsfeuerwehr oder die Freie Turnerschaft, aus der später der TuS Davenstedt hervorging. Dem Sportverein diente die Gastwirtschaft im alten Dorf gleichzeitig als Vereinslokal und Trainingsstätte. Das Buch zeigt sogar die original Speisekarte, die der Gastwirt Adolf Bleidiesel am 8. Oktober 1898 zur Eröffnung des Tanzsaals servierte. Es gab Zander und Kartoffeln. Zum Nachtisch einen Pudding. Bachmann schildert eine Episode, in der Stammgäste dem örtlichen Lumpenhändler einen Streich spielten, indem sie dessen Schimmel soviel Bier zu trinken gaben, bis er genauso besoffen war wie sein nicht weniger trinkfreudiger Besitzer.

„Über Linden gibt es unzählige Bücher, aber mit dem Stadtbezirk Ahlem, Badenstedt, Davenstedt wurde sich in der Vergangenheit nur wenig befasst“, erklärt Torsten Bachmann die Motivation, das erste Buch über überhaupt zu verfassen, dass sich exklusiv dem Stadtbezirk „AhBaDa“ widmet. Die Entscheidung, alle drei Stadtteile einzubeziehen, scheint sinnvoll, zumal die einstigen Dörfer spätestens seit der Nachkriegszeit immer stärker „verschmolzen“ sind. Manch ein zugezogener dürfte heute Schwierigkeiten haben, die Grenzen zu ziehen. Auf der anderen Seite führt dieser Anspruch Bachmanns zu einem Platzproblem. Während Ahlem und Badenstedt jeweils 45 Seiten gewidmet sind, muss sich Davenstedt mit lediglich 20 Seiten zufriedengeben. Ein kleiner Wermutstropfen, der das positive Gesamtbild des Buches allerdings nur wenig trübt. Die „Streifzüge“ laden zum Stöbern ein und vermitteln einen guten Eindruck, wie der Stadtbezirk einmal war.

Ahlem, Badenstedt und Davenstedt - Streifzüge durch die Geschichte“ von Torsten Bachmann ist im Sutton-Verlag erschienen. Das Hardcover-Buch kostet 19,99 Euro und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

von Mario Moers

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