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Ahlem Graffiti-Kunst in der Gedenkstätte
Hannover Aus den Stadtteilen Ahlem Graffiti-Kunst in der Gedenkstätte
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16:14 09.11.2017
Plakative Werke: Shaun Hermel (ganz links) und Philipp von Zitzewitz (Zweiter von rechts) mit einem Teil der jungen Künstler. Quelle: Klingemann
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Ahlem

Die Körper sind in dunklen Farben gehalten und teilweise nur schemenhaft dargestellt, zudem fehlt ihnen ihr wichtigstes Erkennungsmerkmal: „Gesichtslose“ heißt das Bild, das Anna Neige entworfen hat. Die 18-jährige Schülerin ist eine von zehn Nachwuchskünstlern, die jetzt am Graffiti-Workshop in der Gedenkstätte Ahlem teilgenommen haben.

„Wir wollen hier eine konstruktive Auseinandersetzung mit den schwierigen Thema Nationalsozialismus und Holocaust ermöglichen“, sagte Phillip von Zitzewitz, der die Veranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen israelitischen Gartenbauschule und späteren Gestapo-Dienststelle leitete. Von den Teilnehmern im Alter zwischen 14 und 21 Jahren war er begeistert: „Es ist schon sehr erfreulich, wie kreativ alle an die Sache herangehen.“

Nach einem einleitenden Teil, bei dem unter anderem ein Besuch des örtlichen Dokumentationszentrums auf dem Programm stand, konnten sich die Teilnehmer ans Werk machen und ihre gewonnenen Impressionen sowie bereits mitgebrachte Ideen umsetzen. Ausgestattet waren sie unter anderem mit Sprühdosen, Airbrush-Pistolen oder Stiften. Von Zitzewitz stand stets mit Rat zur Seite, ließ den jungen Leuten aber insgesamt freie Hand.

Einen wichtigen Aspekt bildeten szenische wie auch landschaftlich geprägte Darstellungen. Annas „Gesichtslose“ etwa sollen symbolisieren, dass zwar unterschiedliche Menschen mit individuellen Merkmalen zu sehen sind, diese jedoch angesichts des gemeinsamen grausamen Schicksals verschwimmen. Mitstreiter Julian (14) orientierte sich für sein Motiv an der Schienenkonstruktion des nahe gelegenen Ahlemer Mahnmals, die die Reichsbahntransporte in Vernichtungs- und Arbeitslager symbolisiert.

Shaun Hermel, stellvertretender Leiter der Gedenkstätte, lobte das „tolle Engagement“ aller Beteiligten. Es sei wichtig, einen „zeitgemäßen Zugang“ zu solch nach wie vor schwierigen Aspekten der deutschen Geschichte zu finden. Die entstandenen Bilder sollen Anfang des kommenden Jahres in einer Sonderausstellung vor Ort zu sehen sein, außerdem sind eine erklärende Broschüre sowie mit den einzelnen Motiven versehene Briefmarken geplant.

Die Grundidee für den Workshop lieferten Arbeiten des 1982 verstorbenen niederländischen Cartoonisten Jan Dirk van Exter, der ab Dezember 1944 für vier Monate im KZ-Außenlager Ahlem interniert war. Unter den amerikanischen Befreiern war der Stabsarzt William Hagood – zwischen den beiden Männern entwickelte sich eine innige Freundschaft, die ihre Nachkommen bis heute pflegen. Van Exter hatte Hagood nach Ende des Krieges persönliche Zeichnungen geschenkt, die seine Zeit in Gefangenschaft auf künstlerische Art behandeln und nun im Dokumentationszentrum zu sehen sind. „Hieraus haben wir letztlich den kreativen Ansatz für den Workshop gezogen“, erklärte Hermel.

Von Marius Klingemann

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