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Ahlem Oberschule soll Unterricht flexibler machen
Hannover Aus den Stadtteilen Ahlem Oberschule soll Unterricht flexibler machen
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02:15 20.02.2016
Die Heisterbergschule (oben) und die Peter-Ustinov-Schule sollen in Oberschulen umgewandelt werden.Foto: Kleinschmidt Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

Über Jahrzehnte war der Dreiklang aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium das Herz des Schulsystems. Im Sommer wird dieses Konstrukt in den westlichen Stadtteilen abgeschafft - die Gesamtschulen bekommen dafür in Ricklingen und Ahlem Zuwachs. In der Rechtsform einer Oberschule werden die Peter-Ustinov-Hauptschule und die Heisterbergschule (eine Haupt- und Realschule) jeweils in eine Mini-IGS umgewandelt. Mini deshalb, weil beiden Einrichtungen der Gymnasialzweig fehlen wird, um tatsächlich eine Integrierte Gesamtschule zu sein.

Die neuen Oberschulen treten an, tief sitzenden Problemen zu Leibe zu rücken. Die so lang anhaltende strikte Trennung zwischen Haupt- und Realschülern wird aufgelöst; vor allem den Hauptschülern soll diese Neuerung zugutekommen.

Ihre Arbeit sollen beide Schulen als sogenannte Integrative Stadtteilschule wahrnehmen. Die Peter-Ustinov-Schule wird vom neuen Schuljahr an auch Realschüler aufnehmen. Rektorin Karin Haller erhofft sich davon einen gewaltigen Schub. Jetzt sind an der reinen Hauptschule leistungsschwache Schüler - viele von Realschulen nach Ricklingen verwiesen - unter sich. Es gebe kaum Vorbilder „nach oben“, berichtete Haller. Das soll sich mit einem weitgehend gemeinsam organisierten Unterricht mit Realschülern ändern.

Hallers Kollegin Angelika Wittwer von der Heisterbergschule hat ein anderes Problem. Sie hat zwar Hauptschule und Realschule an einem Standort, aber in einer viel zu starren Form. Es gibt kaum Berührungspunkte; der Wechsel vom Haupt- in den Realschulzweig ist schwierig. Eine Folge: Nur fünf Hauptschulklassen stehen zehn Realschulklassen gegenüber. „Als Oberschule haben wir viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten“, sagte Wittwer. Weil beide Schulzweige in den jüngsten Jahrgängen weitgehend gemeinsam unterrichtet werden und eine Differenzierung erst später erfolgt. Selbst dann haben aber Hauptschüler mit Begabungen beispielsweise in Technik und Naturwissenschaft die Möglichkeit, die entsprechenden Fächer auf Realschulniveau zu belegen - und später womöglich doch komplett zu wechseln.

Der Unterricht soll also flexibler werden, die Standorte gewinnen auch an Attraktivität. So der Grundgedanke. Die Peter-Ustinov-Schule wird eine teilgebundene Ganztagsschule; für die Heisterbergschule gilt das schon jetzt. An zwei Tagen pro Woche sind außerschulische Angebote verbindlich. Auch die Mittag- essenversorgung wird geregelt. Auch weitere Wochentage sowie Ferienbetreuung seien denkbar, sagte Haller.

Mit rund 270 sowie knapp 300 Schülern sind Peter-Ustinov-Schule und Heisterbergschule winzig im Vergleich zu den IGSen in Badenstedt und Mühlenberg. Aber genau das wollen sie zu einem Standortvorteil ausbauen. „Wir bieten eine familiäre Umgebung. Ich kenne alle meine Schüler“, sagte Haller. Das sei eine Chance für Kinder, die in größeren Schulgemeinschaften nicht zurechtkämen.

Als kleine Gesamtschulen können die Einrichtungen in Ahlem und Ricklingen auch besser mit Förderstunden und Sozialarbeitern ausgestattet werden. Gerade eine Hauptschule habe das nötig, sagte Karin Haller. Mehr als 80 Prozent ihrer Kinder stammen aus Einwandererfamilien. Viele kämen zudem aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern, wo weder die Muttersprache noch Deutsch richtig gesprochen würden. Mit einer Sprachlernklasse kämpft das Kollegium seit einiger Zeit gegen diese Defizite an. Eine zweite Sprachlernklasse ist jetzt hinzugekommen, denn die Peter-Ustinov-Schule hat mehr als 30 Flüchtlingskinder zugewiesen bekommen. Auch sie müssen erst einmal mit der Schulsprache vertraut gemacht werden. Mit so etwas haben die Ricklinger Lehrer Erfahrung. Aber es zeigt sich auch, dass die künftige Oberschule ihnen die Arbeit auch auf andere Weise erleichtern wird. „Viele syrische und irakische Kinder können zwar noch kein Deutsch, aber sie hatten zu Hause ein hohes Bildungsniveau“, sagte Haller. Ein Realschulabschluss wäre also für viele Flüchtlingskinder möglich.

Ähnlich ist das auch an der Heisterbergschule, wo zurzeit 17 Flüchtlingskinder unterrichtet werden. Wegen Platzmangel gibt es allerdings noch keine eigene Sprachlernklasse. Studenten und ehemalige Lehrer bieten derzeit einen provisorischen Sprachkurs in einem Raum, der gerade frei ist.

Mehr Platz wäre im alten Schulzentrum an der Petit-Couronne-Straße gewesen, sagte Rektorin Wittwer. Dort wäre die Schule, die 2013 in das sanierte, aber kleinere Gebäude an der Tegtmeyerallee umzog, auch gern geblieben. Es hätte dann vielleicht sogar Raum für eine Oberschule samt Gymnasialzeig gegeben. Dafür hatte Wittwer noch 2011 vergebens geworben.

von Marcel Schwarzenberger

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