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Anderten Anderter fühlen sich vernachlässigt
Hannover Aus den Stadtteilen Anderten Anderter fühlen sich vernachlässigt
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02:15 20.08.2016
Muss dringend saniert werden: Die Sporthalle am Eisteichweg. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der Handball-Drittligist TSV Anderten schlägt Alarm: Der marode Zustand der Sporthalle am Eisteichweg bringe den Verein in ernsthafte Schwierigkeiten. „Es muss was passieren, sonst müssen wir uns überlegen, ob wir den Spielbetrieb einstellen“, sagte Trainer Marco Palazzi bei einem Forum der Werbegemeinschaft Anderter Geschäftsleute (WAG) am vergangenen Mittwoch. Die städtische Sporthalle ist aber nur eine von vielen Baustellen, die die Bürger im Stadtteil beschäftigen. Auch das AMK-Haus, die geplante Hafenbecken-Verfüllung, die Schwimmbadsituation im Stadtbezirk und das Fehlen eines Wochenmarkts wurden bei der Veranstaltung lebhaft diskutiert.

Kritik an der Lokalpolitik

Die Werbegemeinschaft hatte für das Forum die führenden Parteienvertreter für den Stadtbezirk Misburg-Anderten mobilisiert. Außerdem kamen gut 200 Stadtteilakteure und Einwohner in das Schützenheim, um über die dringendsten Probleme im Bezirk zu sprechen. Dabei sparten sie nicht mit Kritik an den Lokalpolitikern. Insbesondere SPD und Grüne mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Interessen des Stadtteils trotz rot-grüner Ratsmehrheit nur selten durchsetzen können. „Ich fühle mich als Anderter vernachlässigt“, kritisierte etwa der TSV-Vorsitzende Ortwin Posselt. Während für die Sportstätten in Misburg zweistellige Millionenbeträge investiert werden, würde in Anderten nichts passieren. „Der Bezirksrat ist gefragt, die Verteilung im Stadtbezirk besser im Auge zu behalten“, mahnte Posselt.

Sanierungsfall am Eisteichweg

In der Sporthalle Anderten wurden im April Legionellen im Wasser festgestellt. Zum Leidwesen des Turn- und Sportvereins Anderten, der die Sporthalle hauptsächlich nutzt, reagierte die Stadt bislang nur mit einer Sperrung auf den Bakterienbefall. „Der größte Teil der Duschen wurde abgestellt“, berichtet TSV-Chef Posselt. Eine Sanierung stellte die Verwaltung bislang nicht in Aussicht.

„Dass da nichts passiert, erschreckt mich etwas“, kommentierte CDU-Fraktionsvorsitzende Kerstin Seitz die Untätigkeit der Stadtverwaltung. Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite (SPD) zeigte sich ebenfalls besorgt. „Da müssen wir kurzfristig zu einer Lösung kommen“, betonte er. Und seine Stellvertreterin Uta Engelhardt (Grüne) versicherte: „Wir werden der Verwaltung und unseren Abgeordneten im Rat so lange auf die Füße treten, bis da etwas passiert.“

Allerdings sind nicht nur die Sanitäranlagen am Eisteichweg problematisch. Laut TSV-Chef Posselt müssen auch das Dach und die Heizungsanlage der Sporthalle saniert werden. „Das kriegen wir mit unseren Mitteln nicht gewuppt, da muss die Stadt als Inhaber der Immobilie einschreiten“, sagte der TSV-Vorsitzende.

AMK-Haus vor Abriss

„Das AMK-Haus fällt immer mehr in sich zusammen“, berichtete Knut Stegmann, Vorsitzender des SV Sportfreunde Anderten. Die Sportfreunde sind die letzten Nutzer des maroden Sport- und Veranstaltungszentrums am Eisteichweg, von dem nur noch die Umkleidekabinen nutzbar sind. CDU-Fraktionschefin Seitz will die „Ruine“ lieber früher als später abreißen lassen. Obwohl das marode Sport- und Veranstaltungszentrum am Eisteichweg größtenteils gesperrt ist, zahle die Stadt jedes Jahr noch einen fünfstelligen Euro-Betrag für die Unterhaltung des Gebäudes. „Wenn wir das sanieren, wird das ein Fass ohne Boden“, sagte Seitz. Bezirksbürgermeister Dickneite vermied das Wort „Abriss“, sagte aber: „Ich gehe nicht davon aus, dass das AMK-Haus so erhalten bleibt, wie es jetzt ist.

Wochenmarkt in Aussicht

Beim Thema Wochenmarkt sind sich die Parteien einig. „Wir werden weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um einen Markt nach Anderten zu bekommen“, fasste Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite (SPD) die Haltung des Bezirksrats zusammen. Laut dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Urs Mansmann wären die Hürden für einen Bauernmarkt in Anderten relativ niedrig. „Wenn wir genügend Beschicker finden, wird sich alles andere finden. Es fehlt nur eine Initialzündung“, sagte Mansmann. Nicht alle teilen diesen Optimismus. „Wir können gerne über einen Markt reden, aber wenn wir nicht hingehen, ist das Ganze in einem Vierteljahr wieder tot“, ermahnte ein Stadtteilbewohner die Anwesenden.

Ärger ums Hafenbecken

Mit Unverständnis reagierten die Lokalpolitiker aus Misburg-Anderten auf die Pläne des Unternehmers Günter Papenburg, das Becken des Misburger Zementhafens zu verfüllen. „Es hat mich maßlos geärgert, dass der Bezirksrat dazu gar nicht angehört wurde“, ärgerte sich CDU-Politikerin Seitz, nachdem zwei Bürger das Thema angesprochen hatten. Der Umweltausschuss hatte jüngst mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit eine Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Die Änderung ist für eine Umnutzung des Hafenbeckens dringend erforderlich. „Wir sind absolut unglücklich damit“, kritisierte Grünen-Bezirksratsfrau Engelhardt ihre eigene Ratsfraktion. Mit Bedauern stellte sie fest: „Manchmal kommt man auch in der eigenen Fraktion nicht durch.“

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