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Für Senioren ist Weihnachten nicht nur ein Fest der Freude

Anderten Für Senioren ist Weihnachten nicht nur ein Fest der Freude

Bewohner des Altenzentrums St. Aegidien haben bei einem Erzählnachmittag über Weihnachtserinnerungen und die Unterschiede zwischen dem Weihnachten ihrer Kindheit und der heutigen Zeit geplaudert. Einhellige Meinung: Das Fest wird immer hektischer.

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„Betrachtungen zum Fest“: Die Bewohner des Altenzentrums St. Aegidien treffen sich zum weihnachtlichen Gedanken- und Geschenkeaustausch.

Quelle: Mario Moers

Anderten. An den Weihnachtsfeiertagen kommen in vielen Familien die Großeltern zu Besuch. Oma und Opa nach Hause einzuladen oder sie im Altenheim zu besuchen, gehört zu den festen Traditionen, die mit dem Fest der Nächstenliebe verbunden werden. Auch für die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenzentrums St. Aegidien in Anderten ist Weihnachten eine besondere Zeit. Doch neben der Vorfreude auf die Verwandten bringt der Advent für die Senioren auch eine Fülle von Herausforderungen mit sich. Der laute, unwegsame Weihnachtsmarkt oder die volle Innenstadt sind für alte Menschen kaum zu bewältigen. Der Stress, der zu Weihnachten vielerorts herrscht, erscheint ihnen dem Fest nicht würdig, das sie aus ihrer Kindheit besinnlich und feierlich in Erinnerung haben. Und auch der Besuch in der Familie birgt Tücken.

Bei einem Erzählnachmittag mit Kaffee und Weihnachtsplätzchen reflektieren die Bewohnerinnen und Bewohner, wie sie heute Weihnachten erleben und was das Fest ihnen im Alter bedeutet. „Ich war froh, als ich wieder zu Hause war. Von Besinnlichkeit habe ich auf dem Weihnachtsmarkt nichts spüren können“, schildert Edith Kluge ihren jüngsten Besuch in der Altstadt. Rund 30 Bewohner aus der Pflege und den benachbarten betreuten Wohnungen sind an diesem Nachmittag zu der Gesprächsrunde im Vortragsraum zusammengekommen. Jeden Dienstagnachmittag lädt Sozialpädagogin Anne Zückert-Musiol zu der Diskussionsrunde ein, die dieses Mal den Titel „Weihnachten - Betrachtungen zum Fest“ trägt. Den Eindruck, dass ihnen das Weihnachtsfest an vielen Stellen zu viel, zu schnell und zu modern ist, teilen viele der Senioren. „Habe ich etwas verloren, oder komme ich nicht mehr mit?“, fragt sich Margarete Osmers nachdenklich. Der Zauber, den sie als Kind erlebt habe, scheine verflogen. „In dem Weihnachtsgeschäft komme ich mir verloren vor. Ich sträube mich dagegen“, fährt die Seniorin fort. Vielen scheint das Weihnachtsfest durch die Konzentration auf Geschenke und Einkaufen entweiht. Moderatorin Zückert-Musiol greift die Gedanken auf und gibt Anregungen. „Sie kommen alle aus Zeitläufen, die entbehrungsreich und schwierig waren. Dort gründet vielleicht die Widersprüchlichkeit, die Sie wahrnehmen“, sagt Zückert-Musiol und führt die Beobachtungen der Senioren auf Gemeinsamkeiten in deren Biografien zurück.

Tatsächlich bestimmen die Eindrücke aus der frühen Kindheit und den Kriegsjahren die gemeinsame Reflexion. „Zu Weihnachten haben wir in der Küche der ausgebombten Wohnung etwas gestohlenes Holz angezündet, um uns zu wärmen“, erinnert sich Esther Pistorius. „Die Tannenbäume standen damals am Himmel“, bemerkt eine andere Bewohnerin. Ein deutlich wahrnehmbares Raunen geht durch den Raum. An die „Tannenbäume“ können sich alle noch gut erinnern. So wurden im Zweiten Weltkrieg an Fallschirmen befestigte Leuchtfeuer bezeichnet, mit denen feindliche Flieger den nachfolgenden Bombergeschwadern das Zielgebiet kenntlich machten. „Man kann sich als junger Mensch nicht vorstellen, wie es damals war“, glaubt Heinz Mikat. Doch genau darin sehen viele auch einen besonderen Wert. Der Besuch der Großeltern zum Fest kann also eine Brücke zurück in die Vergangenheit sein. Nur wenn die nachfolgenden Generationen die vergangenen Geschichten hören, können sie erfahren, wie Weihnachten einmal war.

Ein anderes Thema, das viele Bewohner zu beschäftigen scheint, ist der anstehende Besuch der Familie. „Im Alter wird einem manches zu viel. Die Belastbarkeit ist ein Problem“, findet Mikat. Der Rentner freut sich zwar schon sehr auf den Besuch bei den Kindern und Enkeln. „Aus den Vorbereitungen halte ich mich aber inzwischen raus“, erzählt er. Häufig wird auch eine Diskrepanz wahrgenommen zwischen der „Modernität“, mit der die jüngere Generation Weihnachten feiert und den eigenen Gewohnheiten. Und diese orientieren sich nun einmal wiederum an den Gepflogenheiten der eigenen Eltern - also an einer Zeit, die schon mehr als 100 Jahre zurückliegt.

„Manchmal fühlt man sich auch etwas zurückgesetzt oder lästig“, bemerkt eine Bewohnerin vorsichtig. Einige der Anwesenden nicken verständnisvoll. Auf einen Fahrer angewiesen zu sein, die Erwartungshaltungen der Angehörigen und die Anstrengungen des Tages können belastend sein. „Weihnachten ist für die Alten eine schwere Zeit“, sagt Sozialpädagogin Zückert-Musiol. Das Altenzentrum der Diakonie hält daher den ganzen Advent über viele Angebote bereit, damit niemand allein ist zum Weihnachtsfest. Vom großen Basar über die Gesprächsrunden bis zum feierlichen Gottesdienst an Heiligabend reicht das Programm.

Zum Abschluss der Diskussion trägt Irmgard Fischer ein Gedicht vor: „Weihnachten ist mehr als Geschenke schenken/Weihnachten ist mit dem Herzen denken/Weihnachten im Kerzenschein/So sollte Weihnachten sein.“ Für dieses Fazit gibt es großen Applaus.

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Anderten in Zahlen
  • Stadtbezirk : Misburg-Anderten, 5. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 32.300
  • Einwohner je Stadtteil: Anderten (ca. 7.600 Ew.), Misburg-Nord (ca. 21.900 Ew.) und Misburg-Süd (ca. 2.600)
  • Postleitzahl : 30559, 30627, 30629, 30655
  • Geschichte: Das Dorf Anderten wurde 1974 nach Hannover eingemeindet.
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