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Badenstedt Bezirksrat will geschützte Tannen fällen lassen
Hannover Aus den Stadtteilen Badenstedt Bezirksrat will geschützte Tannen fällen lassen
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11:00 20.10.2016
Wilde Tannen am Bahndamm. Quelle: Mario Moers
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Badenstedt

15 kleine Gärten verpachtet die Stadt seit Jahrzehnten entlang der Drosselgasse, einem kleinen Fußpfad am Bahndamm im Körtingsdorf. Als „Gemüseland“ deklarieren die Mietverträge der Kleingärtner die Flächen. Eine Bezeichnung, die vermutlich noch aus den Zwanzigerjahren stammt, als die Gärten den Familien in den dahinter liegenden Häuschen zur Selbstversorgung dienten. In der Praxis werden die Parzellen seit Jahrzehnten als Kleingärten genutzt. Auf einigen sind kleine Hütten gebaut worden, auf anderen wuchsen Apfelbäume und Tannen. Einige sind penibel gepflegt und malerisch bepflanzt, andere wirken eher naturnah und wieder andere völlig verwildert. Letztere sind zwar in der Unterzahl, für einige Anlieger und Kleingarten-Nachbarn allerdings ein großes Ärgernis. Die hohen Tannen werfen lange Schatten und Nadeln auf die umliegenden Grundstücke. Ihre starken Wurzeln sprengen an manchen Stellen den Gehweg und machen es anderswo unmöglich, die Beete zu bestellen.

Im April reichte es einigen Anwohnern. Sie sprachen im Bezirksrat vor. Ihre Forderung: eine regelmäßige Kontrolle der Kleingärten durch die Stadt, um Vermüllung und wilden Baumwuchs zu verhindern. Außerdem müssten die bereits gewachsenen Tannen wieder verschwinden. Dass die Bäume durch die Baumschutzsatzung vor der Fällung gewappnet sind, sei ein Versäumnis der Verwaltung, meinen die Anlieger. Die Stadt habe das Übel nicht früh genug an der Wurzel gepackt.

Vier Monate später gibt es nun den Antrag der SPD-Fraktion. Demnach sollen die Bäume weg. Bei einer Ortsbesichtigung hatten sich SPD-Bezirksräte den Zustand der verwilderten Gärten angesehen. „Katastrophal. Klein Istanbul ist überhaupt nichts dagegen“, kommentiert Thomas Alfermann das Gesehene. Ein fragwürdiger Kommentar – berücksichtigt man die Sozialstruktur der Pächter. Während die Gärten ursprünglich alteingesessenen Körtingsdorfern gehörten, zählen heute immer mehr Pächter mit türkischem Migrationshintergrund oder anderer Nationalitäten zu den Kleingärtnern. Und mitunter unterscheiden sich die Nutzungsgewohnheiten von Kleingärten eben je nach kulturellem Hintergrund: Türkische Familien etwa bauen häufig Gemüse an, nutzen den Garten aber auch für Familientreffen. Eine Tatsache, die einige Anlieger offenbar kritisch über den Gartenzaun hinweg beäugen.

„Etwas Unordnung gehört zur Natur dazu“, findet Golbahar K. Die Familie der jungen Frau hat seit etwa zwei Jahren einen Garten in der Drosselgasse gepachtet. Auch auf ihrem Grundstück sind unter den Augen des Vorbesitzers unerlaubt Bäume gewachsen – ein Apfelbaum und eine Tanne. „Den Apfelbaum finden wir alle schön, die Nadelbäume dagegen stören schon“, sagt die Pächterin. Die Abholzungspläne überraschen sie dennoch. Im Sommer nutzt die Familie die Tanne gerne als Schattenspender. „Es würde etwas fehlen“, findet sie. Allerdings erinnert sie sich auch an die Klagen ihrer Parzellen-Nachbarin. Die ärgert sich, weil die Wurzeln der Tannen den Anbau von anderen Pflanzen unmöglich machen. Vielleicht wäre es doch gut, einige ausgewählte Bäume zu fällen, überdenkt Golbahar K. ihre Einschätzung. Noch hat die Verwaltung keine Entscheidung getroffen.

Von Mario Moers

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