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Badenstedt Der Miegelweg wird umbenannt
Hannover Aus den Stadtteilen Badenstedt Der Miegelweg wird umbenannt
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00:16 12.01.2016
Beschlossene Sache: Der Miegelweg wird umbenannt. Foto: Moers
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Hannover

Ihre „nationalistisch eingebettete Heimatverbundenheit“ ließ Agnes Miegel in das Kielwasser der NS-Ideologie geraten. Zu dieser Einschätzung kommt der Beirat zur wissenschaftlichen Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten in seinem Anfang Oktober vorgestellten Abschlussbericht. Die Namenspatin des Badenstedter Miegelwegs steht demnach schwer im Verdacht, eine „kontinuierlich arbeitende Stütze des NS-Regimes“ gewesen zu sein. Als Konsequenz dieser Bewertung entschied der Bezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt in der vergangenen Woche die Umbenennung der Wohnstraße im Herzen des ehemaligen Körtingsdorf.

„Ihre kulturellen Leistungen ändern nichts daran, dass Agnes Miegel den Nationalsozialisten zugejubelt hat.“ Mit dieser Aussage begründete Wilhelm Vogt die Stimmen der Grünen-Fraktion für die Straßenumbenennung. Noch im November hatte die SPD den Antrag des Linken-Einzelvertreters Siegfried Seidel auf Umbenennung des Weges zur Beratung in die Fraktion gezogen. Bei der Abstimmung am vergangenen Mittwochabend im Ahlemer Bürgerhaus folgte die SPD dann der Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats. Wenig Beachtung fand dagegen eine von der CDU-Fraktion organisierte Umfrage, die Anwohner des Weges dazu aufforderte, sich zu der Umbenennung zu äußern. Volker-Udo Höhne, Fraktionschef der CDU, verwies darauf, dass sich im Zuge der postalischen Umfrage zahlreiche Anlieger gegen die Umbenennung ausgesprochen haben.

Höhne legte außerdem eine Stellungnahme der Bad Nenndorfer Agnes-Miegel-Gesellschaft vor. Darin äußert der Sprecher des Vereins, Detlef Suhr, scharfe Kritik an der Verurteilung Miegels durch den 2014 vom Rat eingesetzten Beirat. Zur Entlastung der Dichterin verweist die Stellungnahme auf das Urteil eines Entnazifizierungsverfahrens, das Agnes Miegel 1949 als „unbelastet“ einstuft. Der Verein, der in Bad Nenndorf den Alterssitz der Dichterin, das „Agnes-Miegel-Haus“ betreibt, hält die Anschuldigungen des Beirats, Miegel sei eine „Stütze des NS-Regimes“ gewesen, für konstruiert. Gedichte, die Miegel als Huldigung Adolf Hitlers verfasst hat, seien lediglich „dem Pathos der Zeit“ geschuldet. So schreibt der Verein über die vermeintliche Verstrickung Miegels in den NS-Kulturbetrieb auf seiner Internetseite: „Agnes Miegel war nie ein politisch denkender Mensch und durchschaute nicht, wie das NS-Regime sie für seine Ziele und Zwecke instrumentalisiert. Noch weniger erkannte sie, worum es dem NS-Regime tatsächlich ging.“ Der Beirat kommt zu einem anderen Urteil. In der einseitigen Begründung der Umbenennungsempfehlung wird etwa auf das 1936 publizierte Gedicht „Dem Führer“ verwiesen. Darin heißt es: „Unsre Herzen, hart von Not und Krieg, hat mit feinen glühenden, glaubensvollen Worten er durchpflügt wie Ackerschollen, bis ein neuer Frühling aus uns stieg.“

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion-Rainer Göbel warf der CDU vor, man wolle sich mit den vorgebrachten Einwänden über den vorgelegten Expertenbericht hinwegsetzen. Weder die Stellungnahme noch die Umfrage wurde daher weiter diskutiert.

Bei der nun anstehenden Suche nach einer neuen Namenspatin will der Bezirksrat die Bürger einbeziehen. Als Ersatz für die als „Mutter Ostpreußens“ bekannten Miegel schlug Siegfried Seidel die ehemalige hannoversche Ratsfrau Henriette-Suffrian vor. Die 1981 gestorbene Politikerin aus Linden wurde ob ihrer Verdienste um die Kleingartenkultur auch „Mutter der Kleingärten“ genannt.

Von Mario Moers

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