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Glaskubus rettet katholische Christkönig-Kirche

Badenstedt Glaskubus rettet katholische Christkönig-Kirche

Steigende Kosten, sinkende Einnahmen, weniger Kirchbesucher: das Ende der Christkönig-Kirche in Badenstedt schien unabwendbar. Doch jetzt ist es der katholischen Gemeinde gelungen, ihr Gotteshaus zu retten. Durch eine ungewöhnliche Maßnahme: das Gemeindehaus wird in die Kirche verlegt. In einen Glaskubus.

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Haus im Haus: Der Glaskubus beherbergt das Gemeindehaus - und dieses steht nun mitten in der Kirche.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Es ist ein völlig neuer Weg, den die Gemeinde St. Godehard gegangen ist, um ihre Kirche Christkönig zu retten. Das bisherige Pfarrhaus wird sie in den nächsten zehn Jahren an die Stadt Hannover vermieten. Denn das neue Pfarr- und gleichzeitig Gemeindehaus ist mitten in der Kirche aufgebaut worden – in einem Glaskubus. So sind jetzt Gebetsraum und Veranstaltungszentrum vereint. Mit den Mieteinnahmen kann die Pfarrgemeinde ihr Gotteshaus halten. So rettet der Umbau die Kirche Christkönig vor der Schließung.

Standorte werden um die Hälfte reduziert

Aus Kostengründen hatte das Bistum Hildesheim die St.-Godehard-Gemeinde nach der Fusion aufgefordert, bis 2018 einen Kirchort zu schließen. „Das kann man so hinnehmen oder eine moderne, kreative Lösung finden – wie es für die katholische Kirche vielleicht ein Novum ist“, sagt Dombaumeister Norbert Kesseler. Die Perspektive sei nicht rosig. Stetig sinke die Zahl der Katholiken. Darauf müssten Bistum und Gemeinde mit ihrem Gebäudestand reagieren. „Wir werden die Standorte um etwa 50 Prozent reduzieren müssen. Das heißt aber nicht, dass wir die Hälfte aller Kirchen schließen“, sagt Kesseler. Denn zu den Standorten gehörten neben der Kirche auch die Pfarrhäuser. „Und ich hätte es lieber, würde man die Kirchen erhalten. Sie sind für die Menschen wichtig.“

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Der Neubau der Kirche Christkönig sei für das Bistum Hildesheim neu. Auch die Kirche St. Benno in Linden fürchte um ihr Gotteshaus. „Es ist ein neoromantisches Gebäude, da kann man nicht einfach einen Neubau reinsetzen, aber wir suchen aktiv nach einer Lösung“, sagt Pfarrer Wolfgang Semmet.top

Eigentlich schien das Ende für die Kirche in Badenstedt schon besiegelt: Wegen steigender Kosten, sinkender Einnahmen und einem grundsätzlichen Rückgang katholischer Kirchgänger beschloss die Pfarrgemeinde, eine ihrer vier Kirchen zu schließen. „Es hätte die Kirche Christkönig oder die Kirche Maria Trost in Ahlem getroffen. Eine Standortaufgabe kam für uns aber nicht infrage“, sagt Gerhard Weinreich aus dem ehrenamtlichen Kirchenvorstand von Christkönig.

Glaskubus steht zwischen Orgel und Altar

Nun steht der Glaskubus samt Toiletten und Küche mitten im Gotteshaus. Mit diesem Trick ist das alte Pfarrhaus frei geworden für die Vermietung. Die Gemeinderäume sind in die Kirche integriert. Für das zuständige Bistum Hildesheim ist der Umbau zur Rettung der Kirche ein Pilotprojekt.

Bei einem Architektenwettbewerb entstand 2014 die Idee für den Glaskubus zwischen Orgel und Altar. „Es war wichtig, dass er frei steht und von allen Richtungen aus begehbar ist“, erklärt Christian Stock vom Architekturbüro k+a. Eine halbe Million Euro kostete das Haus im Haus.

Nach langen Diskussionen und Tausenden Handgriffen von Ehrenamtlichen ist das neue Pfarrhaus in der Kirche fertig. „Das Gebäude ahmt die Flügelform der Orgel nach. Sie ist wie ein Engel gestaltet, darum hat auch der Glaskubus an seinen Seiten Erhebungen bekommen“, sagt Stock. Eingefasst ist der gläserne Würfel von Holzlamellen. „Es sollte eine Transparenz entstehen, trotzdem ist der profane Teil vom sakralen getrennt.“

Vermietung des Pfarrhauses deckt Kosten

Den Großteil der Baukosten deckt die Gemeinde durch die Vermietung des alten Pfarrhauses. Hinzu kommen Rücklagen und Spenden. „Einen Zuschuss von 11 000 Euro hat das Bonifatiuswerk gegeben“, sagt die Sprecherin der Katholischen Kirche in der Region Hannover, Marie Kleine.

Der Kubus ist nicht die einzige Neuerung in der Kirche aus den Sechzigerjahren: „Wir konnten sie durch den Umbau noch einmal neu gestalten“, sagt Pfarrer Wolfgang Semmet. Altar, Wandbild und Bänke bilden den zentralen Bereich. „Dann kommt der Neubau, und neben dem Altar ist ein eigener Bereich mit neuem Kreuzweg entstanden“, erklärt Semmet. Die Sitzplätze seien bewusst um die Hälfte reduziert worden. „Es gibt jetzt 140 Plätze – und die werden bei den Gottesdiensten auch besetzt sein. Vor vollen Bänken zu stehen wird ein schönes Gefühl sein.“

Am 24. September wird die Kirche mit einem Gottesdienst wiedereröffnet. Bis dahin muss noch etwas erledigt werden: „Wir müssen auf die Glaswände Klebestreifen anbringen – einige Gemeindemitglieder sind schon gegen das Glas gestoßen“, sagt Semmet.

Von Tomma Petersen

Ein Gewinn für die Gemeinde

Es ist eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung, an der die Entscheidungsträger von St. Godehard ebenso Anteil haben wie die Gemeindemitglieder. Wegen der sinkenden Zahl der Kirchgänger muss die Gemeinde einen ihrer drei Standorte aufgeben. Doch die Betroffenen kapitulieren nicht vor den Sachzwängen. Sie setzen sich zusammen und beraten, wie sie aus der Lage das Beste machen können. Herausgekommen ist eine schlaue Idee: Mit den Mieteinnahmen aus dem alten Pfarrhaus wird ein neues finanziert, das mitten in der beliebten Christkönig-Kirche seinen unkonventionellen Platz findet. So sind alle für die Gemeinde wichtigen Gebäude unter einem Dach vereint. Obendrein setzten die Verantwortlichen architektonische Akzente. Und ein Zeichen, dass Kirchen auch bei Mitgliederschwund hinzugewinnen können.

Ein Kommentar von Juliane Kaune

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Badenstedt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Ahlem-Badenstedt-Davenstedt, 11. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 31.600
  • Einwohner je Stadtteil: Badenstedt (11.434 Ew.), Ahlem (9.586 Ew.) und Davenstedt (10.606)
  • Bevölkerungsdichte : 3.211 Einwohner/km²
  • Postleitzahl : 30453, 30455
  • Geschichte: Als Ortsteil von Linden wurde Badenstedt im Jahr 1920 nach Hannover eingemeindet.
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