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Badenstedt Hindus feiern farbenfrohes Fest mitten in Badenstedt
Hannover Aus den Stadtteilen Badenstedt Hindus feiern farbenfrohes Fest mitten in Badenstedt
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02:15 06.08.2017
Das Ende der Prozession: Der Wagen mit der Göttin Sri Muthumariamman kommt vor ihrem Tempel wieder zum Stehen. Jetzt können die Gläubigen den Segen empfangen. Quelle: Hellerling
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Hannover

Hunderte Sandalen und Schuhe liegen vorm Eingang des Tempels der Göttin Sri Muthumariamman. Mitten in Badenstedt. Das Gebäude an der Carl-Buderus-Straße ist der größte Hindutempel Norddeutschlands. Frauen in bunten Saris mit Blumenketten in den dunklen Haaren tragen silberne Teller mit Bananen, Kokosnüssen und Räucherstäbchen, andere haben Tonschalen mit brennenden Hölzern oder sogenannten Milchopfern bei sich. „Früher hat man den Göttern Teile der Ernte als Opfergabe gebracht“, erklärt die Hinduistin Rajiny Kumaraiah. Das Tempelfest, das bereits im achten Jahr in dem Gotteshaus stattfindet, soll Gesundheit, Kraft und Glück schenken.

In der Mitte des Tempels mit den leuchtend gelben Wänden und dem kühlen Fliesenboden steht der bunte Schrein mit der Figur, die die Göttin Sri Muthumariamman darstellt. Einige kleinere Altare sind um den großen Altar herum verteilt. „Normalerweise ist die Göttin im Tempel verdeckt von einem Vorhang“, sagt Kumaraiah, die ehrenamtlich auch kleine Führungen durch den Tempel macht. Nur der Priester dürfe ihr nahe kommen. Beten, Mantras aufsagen und Umrunden kann die Göttin allerdings jeder Hindu.

Beim Jahresfest jedoch werden sie und die anderen Götter des Tempels mit einer farbenprächtigen Zeremonie nach draußen getragen. „Sie werden wie Gäste behandelt“, sagt Kumaraiah. Zehn Tage dauert das für die Hindus so wichtige Fest. Mit rituellen Waschungen, den Abischekam, beginnt es. Danach wird die angebetete Göttin durch musikalische Andachten, spezielle Lichterzeremonien und kulturelle Darbietungen geehrt.

Wagenprozession als Höhepunkt

Einer des von Höhepunkten durchzogenen Festes ist die Wagenprozession der Ammam. Die Götter sitzen dabei auf eigens angefertigten bunten Wagen und werden von den Männern und Frauen des Tempels gezogen - einmal um den Tempel herum. Begleitet wird die Prozession von der Musik der Kegel-oboe. „Für die Menschen, die wegen Krankheiten oder Trauerzeiten den Tempel und die Götter nicht besuchen können, hat die Wagenprozession eine besondere Bedeutung“, erzählt Kumaraiah. Denn die Götter würden so nach draußen zu den Menschen gebracht. Zusammen mit der Göttin sitzt Priester Sivasri Saravana Sivachchariyar auf dem Wagen. Er pflegt die Götter des Tempels, die auch gewaschen werden müssen und Essen bekommen. Nach der Prozession kann jeder den Segen der Götter empfangen.

Jeyakanthan Selvakumaran steht neben seinem Priester vor der Göttin. „Ohne sie wäre ich nicht derjenige, der ich heute bin. Darüber bin ich unsagbar glücklich“, erzählt der junge Mann in Festkleidung. Neben ihm wirft ein anderer Mann eine Kokosnuss auf den Boden. „Das Zerspringen der Kokosnuss ist ein Symbol. Die äußere, harte Schale ist das Ego. Das öffnet man vor der Göttin und dem Priester - und zum Vorschein kommt das Weiche und Süße“, erläutert die Gläubige Kumaraiah. Um für Glück und Segen zu beten und zu bitten gibt es viele Arten. „Auch eine körperliche Hingabe ist oft üblich“, sagt Kumaraiah.

Männer, nur mit bodenlagen Röcken bekleidet, rollen sich im Sand hinter der Göttin, Frauen rutschen auf Knien hinter ihr her. Die meisten Hindus stellen sich aber mit ihren Schalen voller Nüsse, Bananen und Räucherwerk beim Priester an. Danach gibt es Reis und Gemüse zu essen, immer begleitet von fröhlicher und lauter Musik. „Das Tempelfest endet am letzten Tag mit einem großen Opfer. Dann ist der gesamte Boden des Tempels mit Essen und Blumen bedeckt“, erzählt Kumaraiah. „Jeder ist willkommen, sich alles anzuschauen.“

Von Tomma Petersen

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