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Badenstedt Kiezkultur: Das sind die Herausforderungen des Kulturtreffs Plantage
Hannover Aus den Stadtteilen Badenstedt Kiezkultur: Das sind die Herausforderungen des Kulturtreffs Plantage
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13:50 11.07.2018
Plantagenteam: Gisela Heiland, Katharina Büscher und Fenna Klasink (.v.l.) Quelle: Foto: Janssen (3)
Badenstedt/Ahlem/Davenstedt

Ist der Kulturtreff Plantage nach der Plantagenstraße benannt oder umgekehrt? Junge Menschen in Badenstedt könnten auf beides tippen, denn die Einrichtung mit der Hausnummer 22 war für sie schon immer da. Mit 27 Jahren auf dem Buckel gehört die Plantage zu den ältesten Einrichtungen ihrer Art in der Stadt. Drei Stadtteile, neben Badenstedt auch Davenstedt und Ahlem, werden von hier aus dem zweiten Stock des IGS-Gebäudes mit Veranstaltungs- und Kursangeboten versorgt. Und genau da beginnt das Problem.

Zweiter Stock ist ein Hindernis

„Wir würden gern mal in einen Raum im Erdgeschoss umziehen“, sagt Fenna Klasink. Die Sozialpädagogin ist von Anfang an mit dabei, sie weiß, dass die Räumlichkeiten zwar großzügig sind und Platz bieten, um zum Beispiel Kunst auszustellen. „Aber der zweite Stock stellt für viele Menschen ein Hindernis dar.“ In der Tat ist der Kulturtreff von der Straße nur durch Hinweisschilder zu bemerken. Einen Aufzug gibt es zwar, aber er befindet sich in einem anderen Teil des Schulgebäudes und kann nur benutzt werden, wenn das Personal dabei ist. Laufpublikum, das einfach mal neugierig reinschnuppert, gibt es hier nicht. „Es wäre auch schön, ein kleines Café zu haben“, sagt Klasink, die durch regelmäßige Treffen mit Kollegen aus anderen Kulturtreffs die Vorteile solcher hindernisfreien und im wahrsten Wortsinne niedrigschwelligen Einrichtungen kennt.

Kunst ist wichtig in der Plantage. Sei es als Ausstellung, als Kurs oder als aktiver Beitrag zur Ortsgestaltung – wie es bei der Fertigung von Keramikmosaiken auf öffentlichen Sitzelementen geschieht, die als Langzeitprojekt angelegt ist. Einer der Schwerpunkte ist dabei die Kinderkulturarbeit. Zusammen mit den Schulen im Stadtbezirk gibt es Vormittags- und Nachmittagskurse wie Kreativwerkstätten oder ein Kinderatelier. „Es ist ein Angebot, um kulturelle Bildung in die Schulen zu bringen und so die Kinder zu erreichen“, sagt Katharina Büscher, die sich mit Klasink und Gisela Heiland zwei Vollzeitstellen teilt.

Eine Besonderheit ist das große Einzugsgebiet des Kulturtreffs Plantage, das nicht nur aufgrund seiner unterschiedlichen Sozialstruktur viel Flexibilität von den Mitarbeitern erfordert und neben dem Kurs- und Veranstaltungsangebot eine dritte Säule der Stadtteilkulturarbeit in den Vordergrund rückt: netzwerken. Geografisch liegt die Plantage am Rand des Zuständigkeitsbereichs, „und die Ahlemer fühlen sich eben nicht so vertreten wie die Badenstedter“, sagt Klasink. Deshalb arbeite man außer mit der St.-Johannes-Kirchengemeinde in Davenstedt eng mit dem Heimatmuseum Ahlem zusammen und sei auch regelmäßig im dortigen Rathaus zu Gast. Für ein Kunstprojekt wurde ein Ahlemer Kiosk zu einem Atelier auf Zeit umfunktioniert – und ist am 28. Juli nun auch eine Station des stadtweiten Kiosktages, der von der HAZ und dem Kulturbüro organisiert wird.

Große Hilfsbereitschaft

Alle Außenaktivitäten sind arbeitsintensiv und erfordern viel Organisation. Eine FSJlerin hilft derzeit, die Arbeit zu stemmen, Ehrenamtliche packen mit an. Die Plantage, als eingetragener Verein organisiert, würde sich über weitere Mitglieder freuen. Dass die Hilfsbereitschaft im Stadtteil groß ist, hat man vor drei Jahren gesehen, als der Stadtteil 400 Flüchtlinge in einem leer stehenden Baumarkt aufnehmen musste. Von Sachspenden bis Sprachunterricht – es kam viel Unterstützung für die Flüchtlinge aus der Bevölkerung. Auch die Plantage bot Hilfe an – und stieß dabei auf den syrischen Bildhauer Eyad Alkhateeb, der im Baumarkt sein Gemeinschaftszelt mit Zeichnungen des Krieges bemalt hatte, dem er entronnen war. „Er hat diese Arbeit bei uns ausgestellt, dann im Kubus, und bis vor Kurzem hat er hier Projektarbeit mit Schulklassen gemacht“, berichtet Klasink. „Wir hoffen, das bald fortsetzen zu können.“ Irgendwann ja vielleicht sogar ebenerdig.

Was, wann, wo?

Am 28. Juli, dem hannoverschen Kisoktag, gibt es von 14 bis 18 Uhr im „Atelier auf Zeit“ im Kiosk im Sonnenweg 1 in Ahlem eine Ausstellung örtlicher Künstler. Zum Gucken und Kaufen, mit Kaffee und Kuchen. Am 30. Juli werden an gleicher Stelle von 15.30 bis 17 Uhr als MItmachangebot Karten und Umschläge gestaltet.

Einen Ausflug nach Schwarmstedt hat die Plantage am 3. August im Programm: es geht unter dem Motto „Wandern mit Kulturgenuss“ zunächst mit dem Zug nach Schwarmstedt und dort nach einem Museumsbesuch 5 bis 8 Kilometer durchs Aller-Leine-Tal. Anmeldung bis zum 27. Juli.

Für den 19. August laden der Kulturtreff und andere Organisationen zu einer „internationalen Fahrradtour“ in die Umgebung ein. Los geht’s um 14 Uhr an der Plantage und verschiedenen Flüchtlingsunterkünften. Anmeldung bis zum 19. August.

Kulturtreff Plantage

Plantagenstraße 22,

30455 Hannover

Telefon: (0511) 496414

www.kulturtreff-plantage.de

 

 

 

 

Von Uwe Janssen

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