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Bemerode „Lebende Bücher“ erzählen von Leben und Beruf
Hannover Aus den Stadtteilen Bemerode „Lebende Bücher“ erzählen von Leben und Beruf
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00:15 12.06.2016
Schüler der Integrierten  Gesamtschule hören im Stadtteilzentrum Kronsberg den Referenten zu. Quelle: Gurol
Bemerode

Bücher erzählen Geschichten - mal welche, die der Autor sich selbst ausgedacht hat, mal welche, die er selbst erlebt hat. Und oft enthält die erzählte Geschichte auch einen Ratschlag, zeigt einen neuen Weg auf oder regt den Leser an, über sein Verhalten oder seinen Lebensweg nachzudenken.

Um Bücher, die Denkanstöße oder Tipps für bestimmte Lebenswege geben, ging es am vergangenen Mittwoch auch im Kronsberger Stadtteilzentrum Krokus. In Kooperation mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kronsberg konnten 170 Schüler aus den achten Klassen der Schule dort ganz besondere Bücher kennen lernen: „Lebende Bücher“ - so heißt das Projekt, bei dem Jugendliche seit 2009 einmal im Jahr mit Menschen aus unterschiedlichen Berufen zusammenkommen, um mit ihnen zu sprechen, zu diskutieren und Ideen für den eigenen Werdegang mitzunehmen.

Tabea Emrich stellte eines dieser Bücher dar. Die 28-Jährige arbeitet beim schwedischen Honorarkonsulat in Hannover. Ihr Buchtitel lautete „International unterwegs sein“ und hielt genau das, was er versprach. Emrich berichtete von ihren Reisen als Au Pair nach Irland und von ihrer Arbeit in einem Kinderhospiz in Südafrika, wo sie sich auch um Kleinkinder kümmerte, die an HIV erkrankt waren. „Hat man das gemerkt? Gab es Unterschiede zwischen diesen Kindern und denen, die kein HIV hatten?“, fragten die Jugendlichen die 28-Jährige. Emrich gab zu: „Das habe ich auch erst gedacht, und es hat mir tierische Angst gemacht. Aber man sieht es ihnen nicht an.“

Aus insgesamt 14 Büchern konnten die IGS-Schüler je drei auswählen, die sie erleben wollten. Die Wahl dürfte ihnen schwergefallen sein, denn die „Lebenden Bücher“ hielten viele interessante Themen bereit, darunter „Sport statt Sofa“, „Bock auf anders“, „Kinderbuchautorin - Traum oder Arbeit?“ und „Oldbooks“. Gemeinsam mit den Schülern sprachen und diskutierten die Referenten über Sport, Modedesign, aber auch über Lebenswege, die so gar nicht geplant waren, oder - wie mit Doktorand Kai Eggers - über Roboter.

Der 28-Jährige promoviert derzeit am Institut für mechatronische Systeme der Leibniz-Universität. In seiner Gruppe saßen fast nur Jungen. „Ist Robotik ein Männerberuf“, fragte einer der Jugendlichen wohl auch deshalb in der halben Stunde, in der Eggers von Forschungsprojekten wie humanoiden Robotern, Greifarmen oder Steuerung von kleinen Fahrzeugen via Virtual-Reality-Brille und Fingersensor berichtete. „Machen kann das jeder, der möchte“, sagte Eggers.

Mithilfe des Projekts „Lebende Bücher“ erhalten die Jugendlichen früh Einblicke in Berufe und damit eine Perspektive für ihre spätere Berufswahl. Ein Grund, weshalb auch Eggers sich als „Lebendes Buch“ zur Verfügung gestellt hat. „Ich hatte das Problem als Schüler, dass ich nicht so richtig wusste, was man alles machen kann“, sagte er. Und Spaß mache ihm seine berufliche Tätigkeit immerhin auch.

Die jeweils halbstündigen Gespräche hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Jungen und Mädchen. „Sie sind doppelt so alt wie ich, und ich habe noch nicht mal halb so viel erlebt“, sagte etwa der 14-jährige Eden in der Gruppe von Tabea Emrich. Die aber winkte ab und sprach dem Schüler Mut zu - immerhin habe sie ihre eigenen Auslandserfahrungen auch erst nach dem Schulabschluss gesammelt. „Wichtig ist, dass ihr das macht, wenn ihr jung seid. Geht ins Ausland“, gab die 28-Jährige den Jugendlichen als persönlichen Ratschlag mit auf den Weg.

Von Sabine Gurol

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