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Bemerode Im Zeichen des Schach
Hannover Aus den Stadtteilen Bemerode Im Zeichen des Schach
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21:12 25.05.2016
Bezirksbürgermeister Bernd Rödel spielte gegen den sechsjährigen Lennart. Quelle: Schaarschmidt
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Bemerode

Die ersten Züge sind schnell gemacht. An einem von 35 Schachbrettern sitzt der sechs Jahre alte Lennart und bewegt seine braunen Figuren, ohne groß überlegen zu müssen über das Brett. Sein Gegner: Bernd Rödel, Bezirksbürgermeister von Bemerode-Kirchrode-Wülferode. „Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal gespielt habe“, sagt Rödel, bevor er seinen ersten Bauern um zwei Felder nach vorne rückt.

Nicht nur Lennart spielte am vergangenen Donnerstag gegen einen prominenten Gegner aus dem Stadtbezirk. Auch die anderen Kinder in der Turnhalle der Grundschule Am Sandberge bekamen es mit Erwachsenen zu tun - Schacheltern, aber auch Sponsoren, die eine ganz besondere Woche an der Grundschule ermöglicht hatten.

Aus neun Ländern - von Rumänien über Spanien und Griechenland bis zu den Niederlanden waren schachbegeisterte Mädchen und Jungen am vergangenen Montag zur ersten Europa-Schachwoche nach Bemerode gekommen. Sogar aus Amerika war ein Schachschüler eigens angereist. Gemeinsam erkundeten die Schüler in dieser Woche auf einer Stadtrundfahrt gemeinsam Hannover, wurden im Rathaus begrüßt, fuhren zusammen über den Maschsee, erlebten einen Rundgang durch Hannovers Fußballstadion sowie einen Besuch im Zoo. Und natürlich wurde auch jede Menge Schach gespielt.

Drei Jahre lang hatte Schulleiterin Christine Baumgart dafür gekämpft, mit den Schülern die europäische Schachwoche durchführen zu können. Lange fehlte es an Sponsoren, die das Projekt finanziell unterstützten und damit erst möglich machen konnten. Außer der Bürgerstiftung und der Lotto-Sport-Stiftung engagierten sich viele weitere Sponsoren, unterstützten das Projekt mit Beiträgen vom Flyer bis zur Weste. Dennoch kam nicht genug Geld zusammen, um noch mehr europäischen Schachkindern die Reise nach Hannover ermöglichen zu können.

Finanziell sei es ihnen einfach nicht möglich gewesen, sagte Baumgart. Wie aufwendig die Reise sein kann, berichtete etwa eine Mutter aus Sibirien. Allein für die Beantragung des Visums für sich und ihren Sohn hatte sie im Vorfeld der Reise zweimal aus dem russischen Perm nach Jekatarinenburg fahren müssen. Mit dem Zug ging es schließlich 24 Stunden durch Russland, bevor beide nach Hannover fliegen konnten.

Untergebracht waren die jungen europäischen Gäste, die jeweils noch eine Begleitperson mitbrachten, bei den Familien der Bemeroder Schachkinder. Auch sprachlich verstanden sich die Schüler - entweder auf Englisch oder mit Händen und Füßen. Denn ihre größte Leidenschaft teilten sie die ganze Woche: Jene für das Spiel der Könige.

Seit 2010 ist die Grundschule Am Sandberge zertifizierte Schachschule. 140 der 470 Schüler spielen regelmäßig Schach. Finanziert wird der freiwillige Unterricht für die ersten Klassen von der Bürgerstiftung. „Schach fördert planerisches Denken und ermutigt die Kinder, Entscheidungen zu treffen“, sagt deren Vorsitzende Dorothea Jäger. Auch Ausdauer und Geduld würden trainiert, trotzdem kämen Spiel und Spaß nicht zu kurz. Das mache den Sport so wertvoll.

Lennart macht das Spielen nicht erst seit der Grundschule Spaß. Er spielt das Spiel schon, seit er drei Jahre alt wurde. Dennoch muss sich der Sechsjährige in der ersten Partie seinem Gegner Rödel geschlagen geben. Dieser hat den König des Erstklässlers mit seiner Dame und dem Läufer matt gesetzt. Für Lennart ist die Niederlage nicht schlimm, im Gegenteil. „Ich mag es, dass man beim Schach mal gewinnt und mal verliert“, sagt er.

Verlieren gehört für die Kinder dazu und Lennart weiß auch: „Durch jede Niederlage lernt man ja etwas Neues dazu.“ In diesem Fall zum Beispiel, dass er den König besser hätte schützen müssen. Diese Regel will der Schachschüler beim nächsten Mal auf jeden Fall beachten. Und auch der Bezirksbürgermeister hat sich warm gespielt - und ist für eine Revanche zu haben. „Wollen wir noch eine Runde?“ fragt Rödel. „Klar“, antwortet Lennart.

Von Sabine Gurol

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