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Bemerode Ließ Investor 800 Amphibien sterben?
Hannover Aus den Stadtteilen Bemerode Ließ Investor 800 Amphibien sterben?
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02:15 09.07.2016
Die Laichgewässer von Amphibien in Kirchrode wurden zerstört.  Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Kirchrode

Gut 800 Amphibien hat der BUND im Frühjahr an der Zuschlagstraße gezählt. Und sie dann auf das Gelände der ehemaligen Kleingartenkolonie an der Ecke zur Bemeroder Straße gesetzt. Doch nun ist das Laichgewässer der Kröten, Frösche und Molche zerstört, sagt Naturschutzreferent René Hartwig.

Im Frühjahr hatte der BUND mit Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer einen Amphibienschutzzaun entlang der Zuschlagstraße aufgebaut, um die von der Eilenriede über die Zuschlagstraße wandernden Amphibien sicher auf die andere Straßenseite zu bringen. Imker Sven H. hat vor Kurzem gesehen, dass die Fläche mit den  flachen Gewässern, die von den Amphibien zum Ablaichen genutzt werden, mit einem Pestizid bespritzt, umgegraben und neu eingesät wurde. Er und Hartwig sind sich sicher, dass es sich um Glyphosat handelt. „Es ist davon auszugehen, dass der Großteil der Tiere und der in den Gewässern befindliche Laich vernichtet wurden“, sagt der Naturschützer.

Deshalb hat der BUND bei der Region Hannover und der Landwirtschaftskammer Anzeige erstattet. Die Region sieht allerdings keine rechtliche Grundlage, um den verantwortlichen Investor, der die Fläche 2011 gekauft hat, zu belangen. „Es gibt keinen Nachweis, dass dort Tiere getötet wurden“, sagt Sprecher Klaus Abelmann. Zwar habe die Behörde das Gelände immer im Blick, trotzdem könne man nicht reagieren, bedauert die Region.

BUND: Investor verpachtete Fläche an Bauern

Der BUND ist sicher, dass der Investor auf die Ausweisung als Bauland spekuliert und die Fläche deshalb an einen Bauern verpachtet hat. „So können sie es schneller in Bauland umwandeln lassen und bis dahin staatliche Investitionen einstreichen“, meint H. Bis es so weit sein könnte, muss der Eigentümer aber noch eine Menge Durchhaltevermögen beweisen, denn die Stadt bleibt beharrlich. Die Rathausspitze will die ehemalige Kleingartenanlage Bischofshol nicht in Bauland umwandeln. „Die Verwaltung hält mittelfristig daran fest, die Wiedereinrichtung von Kleingärten an dieser Stelle zu realisieren“, sagte Verwaltungsmitarbeiterin Emine Yilmaz jüngst im Stadtbezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode.

SPD-Bezirksratsfrau Bärbel Ehrlich wollte wissen, wie realistisch angesichts der festgefahrenen Situation eine Wiedereinrichtung von Kleingärten an dieser Stelle überhaupt sei. „Darüber ist keine Aussage möglich“, lautete die Antwort der Stadtverwaltung. „Zurzeit werden keine Verhandlungen geführt.“ Laut Kleingartenkonzept ist die 46 Hektar große Fläche als „Kleingarten-Erwartungsland“ eingestuft worden. Die Stadt rechnet aber erst nach 2030 mit einer Wiederherstellung der Kleingartenanlage Bischofshol.

Auch der Einsatz des vermeintlich krebserregenden Glyphosats im Stadtbezirk beschäftigt die Lokalpolitiker. Michael Quast (SPD) fragte in der vergangenen Bezirksratssitzung bei der Verwaltung nach, ob auch Flächen am Kronsberg mit dem Pestizid besprüht werden. „Es ist davon auszugehen, dass alle konventionell bewirtschafteten Ackerflächen am Kronsberg mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden können“, antwortete Bezirksratsbetreuerin Yilmaz. Ob und wo genau Glyphosat eingesetzt wird, wisse die Stadt nicht.

Der Einsatz von Glyphosat unterliegt laut Yilmaz allerdings einer Mengenbeschränkung und sei auf bestimmten Flächen verboten - etwa in Wasserschutzgebieten und auf biologisch bewirtschafteten Äckern. Zumindest Letztere gibt es auch im Landschaftsraum Kronsberg. „Auf diesen Ackerflächen ist der Einsatz von Glyphosat - aufgrund landwirtschaftlicher Richtlinien und Zertifizierungsvorgaben - nicht zulässig“, sagte Yilmaz. Bezirksratsherr Jens Albrecht (parteilos) hält diese Schutzbestimmungen allerdings für unzureichend. „Es muss nur ein bisschen Wind kommen und dann zieht das Glyphosat auf die Bio-Äcker rüber“, bemängelte Albrecht.

Ein Kommentar von Mathias Klein

Die Vorgänge um das Gelände der ehemaligen Kleingartenkolonie Ecke Bemeroderstraße/Zuschlagstraße werden immer mysteriöser. Erst kauft ein Investor das Areal, obwohl die Stadt eindeutig erklärt, dass das Gelände nicht für den Wohnungsbau freigegeben wird. Jahrelang passiert nicht viel. Dann wird offenbar ein Biotop für Kröten, Frösche und Molche zerstört. Und was passiert? Gar nichts. Weder die Stadtverwaltung regt das auf, noch die Region, übrigens Sitz der unteren Naturschutzbehörde. Aber es ist Sache der Behörden, wenn auf der vermutlich am besten gepflegten Brachfläche der Region etwas passiert sein sollte, was nicht hätte passieren dürfen. Deshalb ist es wichtig, dass die Bezirksratspolitiker weiter bohrende Fragen stellen.

Der Investor setzt vermutlich auf die Zeit – in der Hoffnung, dass angesichts der Wohnungsnot im Stadtgebiet irgendwann jede Fläche gebraucht wird. Ein Grund mehr, genau hinzuschauen.

von Christian Link und Isabel Rollenhagen

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