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Planer zeigen erste Ideen für Kronsberg-Süd

Bemerode Planer zeigen erste Ideen für Kronsberg-Süd

Drei Varianten für das neue Wohngebiet Kronsberg-Süd haben Planer jetzt interessierten Bürgern vorgestellt. Und die Stadtverwaltung verspricht, dass die Anwohner bei der Gestaltung des Neubauviertels auch künftig mitreden dürfen.

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Am Modell (v. li.): Die Planer Christoph Elsässer (West8), Stadtbaurat Uwe Bodemann, Prof. Markus Neppl (Astoc) und Wolfgang Haller (SHP).

Quelle: Samantha Franson

Bemerode. Weil der Prophet im eigenen Land ja meist nicht so viel gilt, tut es zuweilen gut, Fachleute aus der Ferne zu hören. „Der Kronsberg gilt als bundesweites Vorzeigeprojekt“, sagt Prof. Markus Neppl vom Büro Astoc aus Köln: „Als wir Studenten waren, wurden wir in Busse verfrachtet, um uns dieses Neubaugebiet anzuschauen, das so qualitätsvoll in die Landschaft eingebettet ist.“ Jetzt beschäftigt sich Neppl erneut mit dem Kronsberg, eine Erweiterung soll her. Sein Fazit über das zur Expo errichtete Wohngebiet ist nach den ersten Monaten der Vorbereitung ziemlich eindeutig: „Wir konnten keine richtigen Fehler finden. Und Hannover war klug: Man hat damals schon die Flächen für die Erweiterung vorbereitet.“

Jetzt also Kronsberg-Süd. Noch einmal soll ein Baugebiet entstehen für vielleicht 6000, vielleicht 7000 Menschen.Als vor der Jahrtausendwende die Planer (darunter der städtische Sonderplaner Jürgen Eppinger, der dieses Mal im Publikum sitzt) mit dem Kronsberg-Experiment begannen, gab es nur eine Handvoll Altbewohner dort an der kleinen Erhebung. Jetzt wohnen Tausende in dem Quartier - und die Stadt will die Planung möglichst mit ihnen gemeinsam bewältigen.

Gut 200 Interessierte sind zum ersten Infoabend gekommen. Fast alle sind Kronsberg-Bewohner, einige Wülferoder sind dabei, einige aus Zentral-Bemerode, wenige aus Kirchrode. Stadtbaurat Uwe Bodemann hat zu Anfang des Abends auf eine der wenigen kritischen Fragen gesagt, dass nicht das „Ob“ der Bebauung zur Debatte stehe, sondern das „Wie“. Hannover rechne damit, bis 2030 um etwa 30 000 Menschen zu wachsen, dafür seien 15 000 Wohnungen nötig, also etwa 1000 pro Jahr. Die Wasserstadt Limmer ist dafür ein wichtiges Neubauquartier, das Baugebiet am Listholze - und eben der Kronsberg. Seit 1994 sei das Erweiterungsgebiet festgesetzt, sagt er, „aber die Messlatte liegt mit dem, was am Kronsberg entstanden ist, sehr hoch“. Aber will man das erste Baugebiet einfach kopieren?

In allen drei zur Diskussion stehenden Modellen sollen mehrere kleine Quartiersmittelpunkte geschaffen werden, an denen sich etwa Kitas oder Dienstleister ansiedeln. Die Zahl der Wohngeschosse werde sich wahrscheinlich an der jetzigen Kronsberg-Bebauung orientieren, hieß es, also vier- bis fünfgeschossig. Eine Besucherin lobte, dass man sich von der Idee der Quartierparks verabschiedet habe - diese würden nicht richtig angenommen. Ein anderer forderte mehr Spielflächen für kleine Kinder, ein dritter bessere Standorte für den Stadtteilhandel.

Die Stadt bereitet das Wohngebiet in vier Gesprächsrunden vor: Mit Planern von den Büros Astoc (Köln), West8 (Rotterdam) und SHP (Hannover), mit Kommunalpolitikern, mit der Wohnungswirtschaft und eben mit den Bürgern. Beim ersten Bürger-Gesprächsabend wurden die drei möglichen Varianten der Bebauung gezeigt. Man habe sich noch nicht festgelegt und wolle zunächst bis zum nächsten Treffen Meinungen dazu sammeln, sagte Christoph Elsässer vom Büro West8. Ein Modell sieht vor, den Stadtteil relativ kompakt zu bauen, aber an bestimmten Stellen die grüne Landschaft mit spitzen „Fugen“ ins Wohngebiet ragen zu lassen. Ein zweiter Entwurf lässt den Landschaftsraum vieleckig ins Wohngebiet hineindiffundieren - das schafft mehr Wohnungen mit direktem Blick ins Grüne, bedeutet aber etwas weniger Grünflächen in den einzelnen Nachbarschaftsquartieren. Und ein dritter Entwurf schließlich schließt das Wohngebiet komplett nach außen ab und verlegt den Park in die Mitte - „Central Parc“ nannte Elsässer das liebevoll.

Genau 23 Wochen sind es bis zum Start des offiziellen Bauleitverfahrens, in dem die Pläne zumindest im Grundsatz festgezurrt werden sollen. Bis dahin soll es noch zwei weitere Runden mit den Bürgern geben. „Wissen einsammeln“ bei den Gesprächspartnern wolle man, sagt die Moderatorin der Veranstaltung. Und an Wissen haben die Besucher einiges mitzuteilen:

Lichteinfall: Ein Teilnehmer lobt, dass wegen der guten Ausrichtung der Gebäude am Kronsberg der Lichteinfall in die Wohnungen famos sei - das müsse man für den zweiten Bauabschnitt bewahren.

Sportplätze: Großen Applaus gibt es, als ein „Kronsberg-Bewohner seit 1999“ daran erinnert, dass endlich Sportmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Der TSV Bemerode habe die Neubürger vom Kronsberg hervorragend aufgenommen - doch die Kapazitätsgrenze sei erreicht. Es müssten neue Flächen her, „vielleicht gründet sich ja auch ein TSV Kronsberg“. Planer Elsässer sagt: „Wir haben dazu gerade Zahlen bekommen.“ Eine Vertreterin des TSV Bemerode liefert sie noch mal direkt: „Wir sind 2500 Mitglieder, es ist 5 vor 12 bei uns.“

Energiekonzept: Ein Besucher zeigt sich erstaunt, dass nicht als Erstes ein Energiekonzept für den neuen Bauabschnitt erarbeitet worden sei - das sei doch schließlich die Besonderheit des Öko-Stadtteils Kronsbergs. Christoph Elsässer vom Büro West8 bestätigt zwar die These: „Damals war das Energiekonzept am Kronsberg revolutionär, ganz Deutschland hat nach Hannover geguckt.“ Heute aber sei Energieeffizienz am Bau fast eine Selbstverständlichkeit. Baurat Bodemann stellt klar, dass es bei dem Grundsatz „Energieeinsparverordnung plus 15 Prozent“ am Kronsberg bleibe.

Wasserregime: Zu den Innovationen des Kronsberg-Wohngebiets gehört es, dass Oberflächenwasser weitgehend versickert und verdunstet. Ob das Mulden-Rigolen-System weitergeführt wird, fragt ein Besucher. Im Grundsatz ja, vielleicht werde es etwas modifiziert, sagt Bodemann.

Müll: Eine Besucherin beklagt, dass die Mulden-Rigolen häufig mit umherwehendem Müll verdreckt seien, die Stadtentwässerung sei überfordert. Die Planer notieren sich den Aspekt.

Kitas und Schulen: Eine Frau weist darauf hin, dass zur Jahrtausendwende zwar viele Familien zum Kronsberg gezogen waren, die Kita-Plätze aber erst später kamen. „Wichtig ist, dass bestimmte Gebäude, die für die Infrastruktur wichtig sind, rechtzeitig vorher fertig sind“, sagt sie. Auch die Grundschule Feldbuschwende sei übervoll, in der Blauen Schule gebe es nur ein Provisorium. Baurat Bodemann verspricht: „Wir nehmen ganz klar die Forderung mit, dass die Infrastruktur rechtzeitig fertig sein muss.“

Verkehr: Eine Kronsbergerin kritisiert, dass man als Autofahrer zu Messezeiten häufig von Laatzen abgeschnitten sei. In zwei von drei vorgestellten Planungsvarianten sehe die Anbindung an die Lissabonner Allee hervorragend aus - in der dritten („Starke Mitte“) aber störe, dass die Straße durchs Wohngebiet gelenkt werde. Die Planer nehmen den Aspekt auf. Eine andere Kronsbergerin will wissen, ob ein autofreier Stadtteil denkbar sei. Die Planer sind skeptisch, offenbar denkt man eher über eine autoarme Siedlung nach. Eine Wülferoderin fragt, ob eine Stadtbahnanbindung nach Wülferode geplant ist. Verkehrsplaner Prof. Wolfgang Haller verneint das kategorisch: Dafür lebten zu wenig Menschen in Wülferode.

Straßenlaternen: Viele Lacher gibt es, als die Grünen-Politikerin Regine Kramarek fordert, die Straßenlaternen im Neubaugebiet anders zu platzieren. Der Grund: Im ersten Bauabschnitt sind die Laternenmasten, um sie nicht in die Mulden und Rigolen stellen zu müssen, mitten in die Parkbuchten gepflanzt worden. Nicht nur etliche Autos nahmen Schaden - auch viele Masten mussten schon ausgetauscht werden. Ein Planungsfehler, der nach Ansicht der Kronsberger bei der Neuauflage vermieden werden kann - aber einer, der inzwischen eher mit Humor genommen wird.

Eines ist nach dem dreistündigen Abend klar: Die meisten Bewohner fühlen sich wohl am Kronsberg. Oder, wie es einer gegen Ende formuliert: „Die Mischung der Bauwerke am Kronsberg stimmt, dadurch kommt eine gute Mischung der Bevölkerung zustande. Damit auch das neue Wohngebiet gelingt, sollten Sie das Gute an Erfahrungen aus dem ersten Abschnitt kopieren.“

Die weiteren Termine sind der 10. Mai und der 14. Juni, jeweils um 18 Uhr im Stadtteilzentrum Krokus, Thie 6.

Von Conrad von Meding

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Bemerode in Zahlen
  • Stadtbezirk : Kirchrode-Bemerode-Wülferode, 6. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 29.728
  • Einwohner je Stadtteil: Bemerode (17.908 Ew.), Kirchrode (10.941 Ew.), Wülferode (879 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 1.246 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30539/30559
  • Markantes aus der Geschichte: Der Ort wurde 1204 erstmals unter dem Namen Bemungerode erwähnt. Durch die Erschließung der Siedlung Am Kronsberg zur EXPO 2000 ist Bemerode stark gewachsen.
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