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Bemerode Protest gegen geplante Flüchtlingsunterkunft in IBM-Büros
Hannover Aus den Stadtteilen Bemerode Protest gegen geplante Flüchtlingsunterkunft in IBM-Büros
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16:57 14.01.2016
Die Stadt will das ehemalige IBM-Gebäude an der Laatzener Straße für sieben Jahre mieten und zur Unterbringung von 900 Flüchtlingen nutzen. Quelle: Katrin Kutter
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Bemerode

„Das ist weder eine faire noch eine gerechte noch eine sozialverträgliche Verteilung von Flüchtlingen“, kritisiert Anwohner Jörg Wintel und ruft zum Protest gegen die Massenunterkunft auf.

Auf der Internetplattform OpenPetition hat Wintel eine Unterschriftenaktion gestartet. Sein Ziel ist es, ausreichend Unterzeichner zu gewinnen, um Stadtverwaltung und Verwaltungsausschuss zum Umdenken zu bewegen. „Wenn man eine solche Ballung schafft, behindert das die Integration“, sagt Wintel. Außerdem sinke dadurch die Akzeptanz der Bevölkerung.

In den nächsten Monaten sollen 380 Flüchtlinge an den Kronsberg ziehen: ins Containerdorf vorm Ramada-Hotel (80 Bewohner), das ehemalige Hotel Kronsberger Hof (100 Flüchtlinge) und die beiden GBH-Mehrfamilienhäuser an der Oheriedentrift (100 Flüchtlinge). Wintel weist außerdem darauf hin, dass für die 350 Flüchtlinge im Deutschen Pavillon der Kronsberg ebenfalls das nächste urbane Zentrum darstellt.

„Die Anmietung des IBM-Gebäudes ist unsinnig“, sagt Wintel, „die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen ist die bessere Lösung.“ Der Kronsberger, der als Betriebsorganisator bei einer großen hannoverschen Versicherung arbeitet, stört sich auch an der siebenjährigen Mietdauer. „Wenn sich die Stadt auf eine zentrale Unterbringung festlegt, kann sie bei einem Rückgang der Flüchtlingszahlen nicht mehr auf eine dezentrale Unterbringung umschwenken“, sagt er.

Der Initiator betont, dass sich seine Petition nicht gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland richtet. „Flüchtende müssen aufgenommen, beherbergt und integriert werden“, heißt es deswegen auch in der Petition. „Ich sehe die Verpflichtung, Menschen in Not zu helfen“, sagt der Familienvater. Wintel gehört keiner politischen Partei an und will auch nicht, dass seine Petition von rechten Kreisen vereinnahmt wird. „Ich bin einfach nur ein Bürger, der besorgt ist“, sagt er.

Als Vorbild sieht der Initiator die Entwicklung in Wettbergen. „Dort hat das Zusammenspiel zwischen Bürgern und Bezirksratspolitikern eine Wirkung erzielt“, sagt er. Nachdem die Stadtverwaltung die Pläne für drei neue Flüchtlingsunterkünfte in Wettbergen bekannt gemacht hatte, starteten Nachbarn eine Unterschriftenaktion für die gerechtere Verteilung von Wohnheimen im Stadtbezirk. Die Stadt reagierte und reduzierte die Zahl der zusätzlichen Flüchtlingsheime von drei auf eins.

Wintel will auch den Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode auf seine Seite ziehen. „Ich halte es für ein wichtiges Zeichen für die Bemeroder Bürger, dass der Bezirksrat Flagge zeigt“, sagt Wintel. Er hat jeden Abgeordneten ebenso wie die Ratsfraktionen einzeln angeschrieben. „Am Ende wird die Petition eine Wirkung zeigen, weil man mit der Situation sensibler umgehen wird“, ist sich der Initiator sicher.

Mit Jens Albrecht (parteilos) hat die Petition bereits einen ersten Unterstützer im Bezirksrat gefunden. Albrecht und Wintel kennen sich auch privat, sie haben sich in einem 96-Fanclub kennengelernt. „Irgendwann ist es für einen Bezirk zu viel“, sagt Albrecht. Der Kronsberg sei nicht groß genug, um so viele Flüchtlinge zu integrieren. Zudem warnt er davor, dass rechtskonservative Parteien von der Entwicklung profitieren, wenn bürgerliche Politiker nicht auf die Sorgen der Bevölkerung reagieren. „Die Hannoveraner verteilen hier überall Flyer“, sagt er und mahnt: „Es ist für mich unvorstellbar, dass die Hannoveraner oder die AfD im Bezirksrat sitzen - wenn das so weitergeht, werden sie es aber.“

von Christian Link

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